Schüler erzählen: „Immer vor PC sitzen ist anstrengend“. Zwei Schüler des Zwettler Gymnasiums berichten von ihren Erfahrungen im Distance-Learning und was sie sich fürs nächste Semester wünschen.

Von Angelika Koll. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:39)
Gymnasium Zwettl - Schüler erzählen: „Immer vor PC sitzen ist anstrengend“
Emma Friedl (links) wünscht sich mehr Vorhersehbarkeit. Nicolas Neumeister (rechts) vermisst die sozialen Kontakte in der Schule.
privat

Der Schulbetrieb im Distance-Learning stellt Schüler und Lehrer weiterhin vor Herausforderungen. Die NÖN sprach mit Emma Friedl aus der 6. Klasse und Nicolas Neumeister aus der 7. Klasse des Zwettler Gymnasiums über ihre Erfahrungen:

NÖN: Wie läuft das Semester bisher?

Emma: Es ist komisch, und dauernd vor dem PC zu sitzen ist anstrengend. Das ist schon ein anderes Gefühl, als im Präsenzunterricht und zuhause ist es schwerer, sich zu motivieren.

Nicolas: Man passt sich doch relativ schnell an, da man eh keine andere Möglichkeit hat. Gegenüber dem Sommersemester funktioniert es um einiges besser. Man hat jetzt alles am Onlinestundenplan eingetragen. Im ersten Lockdown war eher Ferienstimmung mit endlos langen Arbeitsaufträgen. Mittlerweile kann man mit dem Distancelearning zwar leben, als Dauerlösung ist es aber mit Sicherheit keinesfalls geeignet.

Was funktioniert denn gut im Homeschooling, wo gibt es Schwierigkeiten?

Emma: Es ist schwer vorauszuplanen, weil man nicht genau weiß, was passieren wird. Am Freitag war manchmal nicht klar, ob wir am Montag Schularbeit haben. Was gut funktioniert sind die Onlinestunden. Es sind auch so ziemlich alle da und es funktioniert auf jeden Fall besser als im ersten Lockdown. Die Lehrer kennen sich nun auch besser mit den Technologien aus.

Nicolas: Es hängt sehr viel von den Fächern selbst ab. Mathematik lässt sich übers Internet etwa viel leichter unterrichten als Fremdsprachen. In Mathe kommen wir genauso schnell weiter. In den Sprachen braucht man vermehrt die Interaktion. Die Lehrer sind zwar alle sehr engagiert, aber da merkt man, dass der Onlineunterricht nicht so geeignet ist für das Fach.

Was gestaltet sich im Onlineunterricht noch schwierig?

Emma: Zeichnen ist sicherlich schwierig. Das kann man nicht wirklich im Onlineunterricht durchführen. Über Teams erhalten wir da Abgabeaufgaben. Ich bin außerdem nicht so gut in Mathe und das hat schon gelitten. Die Fächer, wo ich mich nicht so sicher fühle, leiden schon ein bisschen.

Nicolas: Schwieriger ist zum Beispiel, dass man, wenn man Arbeitsaufträge hat, nicht direkt fragen kann. In der Schule lässt man sich mehr berieseln und bekommt vorgelegt, was wichtig ist und was nicht. Zuhause muss man das jetzt selbst entscheiden und wenn man etwas nicht weiß, vielleicht selbst recherchieren, bevor man den Lehrer fragt. Der Zeit- und Arbeitsaufwand ist höher.

Wie sieht der Tagesablauf derzeit aus?

Emma: Wir haben einen Stundenplan, in dem eingetragen wird, welche Stunden online stattfinden, und dann steht man eben kurz davor auf. Der Tagesrhythmus hat sich schon verlagert, etwa bezogen aufs Schlafengehen. Ansonsten versucht man eben, ungefähr das zu machen, was man in den Schulstunden auch machen würde.

Nicolas: Bei den Hauptfächern haben wir circa zwei der drei Wochenstunden als Videokonferenzen. Bei den Nebenfächern läuft es fast gleich ab; von den regulär zwei Wochenstunden wird eine meist in Form einer Videokonferenz gehalten. Die finden in der Stunde statt, in der sie auch in der Schule wären. Für die anderen Stunden erhalten wir dann immer Arbeitsaufträge. Normalerweise haben wir nicht viel mehr als vier Videokonferenzen am Tag.

Wie sieht es mit dem Turnunterricht aus? Wird sportliche Betätigung trotz Lockdown eingefordert?

Emma: Unsere Turnlehrer haben im ersten Lockdown Videos gemacht. Sie schicken uns diese oder welche, die sie im Internet finden und sind bemüht, dass wir ein abwechslungsreiches Programm haben.

Nicolas: Im ersten Distancelearning hatten wir ein Bewegungsprotokoll und es wurden dazu immer Videos online gestellt. Man konnte dabei aussuchen, was man macht, aber man sollte eben etwas machen. Das wurde auch zur Note gerechnet. Dieses Jahr gibt es das Bewegungsprotokoll in seiner ursprünglichen Form nicht mehr. Es werden zwar weiterhin wöchentlich Bewegungsvorschläge mit Erklärvideos online gestellt, bei der Ausführung wird nun auf die Eigenverantwortung der SchülerInnen gesetzt.

Was musste in diesem Schuljahr aufgrund der Pandemie bereits ausfallen?

Emma: Auf jeden Fall wurden Schularbeiten verspätet oder gar nicht durchgeführt. Wir hätten auch Reisen geplant. Die 4. Klassen wären nach Irland gefahren. Das hat nicht stattfinden können und für uns wäre es nach Tschechien gegangen. Im Frühling wäre auch ein Ausflug nach Berlin geplant, aber ich glaube kaum, dass der stattfinden kann.

Nicolas: Es ist einiges ausgefallen. In jedem Jahrgang hat man eigentlich irgendeine Reise. Wir wären letztes Jahr nach den Osterferien nach Berlin gefahren. Das ist auf April verschoben worden, aber ich weiß nicht, ob das jetzt was wird. Diesen Herbst hätte unsere Nizzareise stattgefunden.

Werden durch das Homeschooling Lücken im Stoff entstehen?

Emma: Es wäre sicher im Präsenzunterricht besser, aber es ist ok. Man muss sich eben selber mehr darum kümmern.

Nicolas: Die Lehrer bemühen sich, dass wir doch gut weiterkommen. Wir haben auch im Lockdown Schularbeiten durchgeführt, für die wir an einem Tag in die Schule gekommen sind. Man kann, glaube ich, nicht abstreiten, dass vom Stoff etwas weniger durchzubringen ist, aber man lernt dafür andere Kompetenzen.

Was wird im Distance-Learning vielleicht sogar besser gelernt als im Normalunterricht?

Emma: Was man auf jeden Fall mitnehmen kann, ist, sich selbst zu motivieren, wenn es keinen gibt der sagt: „Mach das jetzt.“ Man muss mehr von sich aus entscheiden, wann man was erledigt und lernen sich die Aufgaben einzuteilen. Das kann sicher für den späteren Lebensweg wichtig sein.

Nicolas: Computer- und digitale Kompetenzen werden vermehrt gelernt, sowie Selbstorganisation und Zeiteinteilung.

Was wird am meisten vermisst?

Emma: Meine Freunde und die Interaktionen, das Treffen in der Früh und „Hallo“ zu sagen oder darüber zu reden, wie man das Wochenende verbracht hat. Das fehlt einfach.

Nicolas: Der persönliche soziale Kontakt.

Wird man von Corona-Generation an Schülern sprechen?

Emma: Ich habe mir darüber schon Gedanken gemacht, dass ich einmal meinen Kindern erzählen können werde, wie das damals in Coronazeiten war. Ich hoffe aber, dass man es am Wissensstand nicht merken wird und es keine Auswirkungen auf den Job haben wird. Aber ich denke, dass diese Zeit in die Geschichte eingehen wird.

Nicolas: Es kann schon sein, dass Firmen dann genauer hinschauen, wenn sie wissen das ist der Coronajahrgang mit der vereinfachten Matura. Auswirkungen wird es sicher geben, aber in welchem Ausmaß ist noch schwer zu beurteilen.

Was wäre der Wunsch für das nächste Semester?

Emma: Ich wünsche mir, dass wir wieder in die Schule gehen können und dass es voraussehbar ist, was passieren wird, und wann und unter welchen Maßnahmen wir wieder in die Schule dürfen. Ich hoffe, dass möglichst bald wieder ein normaler Alltag einkehren kann.

Nicolas: Dass wir, wenn es die Pandemie zulassen sollte, doch relativ schnell wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren können. Vor allem in der Oberstufe ist es dann doch schwierig, das nachzuholen, vor allem für die Maturanten.

Was erhofft ihr euch in der Zukunft noch für die Schulen?

Emma: Ich fände es nett, wenn man vorausschauender planen könnte und nicht erst vier bis fünf Tage vorher weiß, wie es weitergeht. Das ist nicht einfach, aber für Lehrer und Schüler ist die Situation schwierig.

Nicolas: Das Wichtigste ist, dass man sich selbst Strukturen schafft und nach denen arbeitet. Außerdem wäre, wenn Schule ist, eine Maskenpflicht für mich durchaus verkraftbar. Es passt für mich nicht zusammen, wenn es heißt unsere Kinder müssen in die Schule gehen und gleichzeitig dieselben sagen eine Maske ist nicht zumutbar. Angesichts der Tatsache, dass das Krankenhauspersonal den ganzen Tag Maske trägt und darüber hinaus ja körperlich arbeitet und wir nur in der Klasse sitzen, ist das Maskentragen wohl der geringste Beitrag, den ein jeder leisten kann, um seine Mitschüler zu schützen, die Ansteckungszahlen zu verringern und dadurch den Präsenzunterricht für alle zu ermöglichen und aufrecht zu erhalten.