Rauher Kamm: „Aufi muass i, i muass!“. Viele Wege führen auf den Ötscher, aber heuer sollte es der „Rauhe Kamm“ sein.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 28. Juli 2021 (07:00)

„Aufi zu die Stanahüpfen, aufi zu die Bergesgipfel, ziagts mi halt so hin. Der Berg schickt ma sein Gruaß. Aufi muass i, i muass, i muass!“, singt schon Wolfgang Ambros in seinem Hit „Aufi Aufi“, der im Zuge von „Der Watzmann ruft“ 1974 veröffentlicht wurde. Für mich war es zwar nicht der 2.713 Meter hohe Watzmann-Gipfel in den Berchtesgadener Alpen, der „groß und mächtig, schicksalsträchtig“ vor mir lag, sondern der Ötscher mit seinen 1.893 Metern. Ich wollte heuer unbedingt meine persönliche Premiere schaffen: Den Ötscher erklimmen über den „Rauhen Kamm“, die anspruchsvollste Tour am „Vaterberg“.

„Die NÖN wandert“ bot dazu die beste Gelegenheit, das Vorhaben in die Tat umzusetzen – auch wenn die Tour sicher kein Geheimtipp ist. Und dennoch: Vielleicht ist gerade der „Rauhe Kamm“ für viele so eine in einem schlummernde Herausforderung, wie er es für mich war. Gleich vorweg: Ich gehe gerne wandern, betreibe zwei bis drei Mal pro Woche Sport (Radfahren, Tennis), bin aber kein geübter Kletterer und würde mich nicht als „Bergfex“ bezeichnen. Daher war klar: Diese Tour gehst du nicht alleine. Übrigens würde ich den „Rauhen Kamm“ generell nicht als Solo-Tour empfehlen. Die Gruppe gibt eine gewisse Sicherheit – auch ohne Seil.

Noch ein paar Grundvoraussetzungen muss man für diese Tour unbedingt mitbringen: gute Ausrüstung (Schuhwerk, Proviant und Wasser), Kondition (über 1.000 Höhenmeter), Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und absolute keine Höheangst.

Nachdem wir die Tour witterungsbedingt drei Mal verschieben mussten (auch hier gilt: nur bei trockenem Wetter geeignet), machten sich Hannes, Thomas und ich endlich auf, um dem Ruf des Berges zu folgen. Die ersten 3,5 Kilometer ging es mit dem Wandertaxi von der Talstation des Großen Ötscher nach Raneck. Dort starteten wir unsere Tour. Zuerst spaziert man rund drei Kilometer eine Forststraße entlang.

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Wenn du den „Rauhen Kamm“ das erste Mal so richtig aus der Nähe siehst, flößt er dir gehörig Respekt ein.
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Zuerst Kondition, dann Trittsicherheit gefragt

Dann kommt das konditionell anspruchsvollste Stück. Rund eine Stunde geht es durch den Wald steil bergauf (bis zu 41 Prozent Steigung), ehe man die Latschengrenze erreicht – und „traditionell“ (wie ich es mir sagen ließ) die erste Pause macht und erstmals auch so richtig die traumhafte Aussicht genießt.

Danach geht es weiter, nicht mehr so steil, dafür immer felsiger. Der „Rauhe Kamm“ liegt jetzt direkt vor einem – imposant. Respektvoll schaut man hinauf und geht immer mehr vom Wandern ins Klettern über. Man überwindet Felsturm über Felsturm, sucht nach dem festen Griff und festen Tritt. Von den ersten Gedenktafeln darf man sich dabei ebenso wenig ablenken lassen wie von dem wunderbaren Ausblick oder der einen oder anderen Gams, die man erblickt. „Schauen und Klettern gehen nur nacheinander, nicht miteinander“, spricht aus Hannes die Erfahrung.

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Nach rund einer Stunde Klettern erreicht man das Steigbuch beim Ausstieg auf die Hochfläche. Die großartige Aussicht sollte man nur genießen, wenn man wo fest steht, ansonsten gilt die volle Konzentration der Suche dem richtigen Griff und dem richtigen Tritt.
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Nach rund einer Stunde für mich imposanter und herausfordernder Kletterei erreicht man das Steigbuch beim Ausstieg auf die Hochfläche. Mit Stolz trage ich unsere Gruppe in dieses Buch ein. Wir sind auf knapp 1.900 Metern. Jetzt geht es nur mehr relativ flach weiter zum Gipfelkreuz des Großen Ötscher (1.893 Meter). Da darf dann die wohlverdiente Gipfeljause nicht fehlen. Man hat sich ja nicht umsonst abgeschleppt.

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Am Weg nach oben warten zahlreiche anspruchsvolle Kletterpassagen. 
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Gestärkt geht es nun knapp eine Stunde bergab (Wanderstöcke von Vorteil) entlang zahlreicher Markierungen beziehungsweise entgegen den vielen anderen Wanderern, die vom Lift zum Ötschergipfel aufsteigen, Richtung Ötscher-Schutzhaus. Dort hat man sich die nächste Stärkung verdient und steht vor der Entscheidung: Mit dem Lift talwärts fahren oder die letzten Kilometer über den Riffelsattel (Forststraße/Skipiste) absteigen. Wir entschieden uns gelenksschonend für die Liftvariante.

Alles in allem eine super persönliche Premiere – und eines ist gewiss: „Aufi muass i“ auch im nächsten Jahr.

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