Womit die Kultur in Raabs heuer aufwartet. Vier Organisatoren schildern, wie die Planungen laufen und welche Bedeutung das „Kulturquartier“ für sie hat.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 23. Juli 2021 (04:10)
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Kulturarbeit in Raabs: Stadträtin Margit Auer, „Wir für Raabs“-Obfrau Julia Zwickl, die kaufmännische „Tagträumer*innen“-Leiterin Katharina Schober-Dufek und „9erHaus“-Gründer Werner Neiger.
Karin Widhalm

„Am Anfang war’s ein bisschen zach – und jetzt weiß ich nicht, was ich zuerst tun soll“, sagt Margit Auer lachend. Die Stadträtin gehört zu jenen, die die Kultur und Geselligkeit wieder aufleben lassen wollen – solange dies Corona zulässt und mit jenen Schutzmaßnahmen, die gerade Gültigkeit haben. Das Programm hat schon begonnen, aber die Kerngruppe hat noch einiges vor – ein Überblick.

Das im Zuge der „Szene Waldviertel“ (heute: „Tagträumer*innen“) in Raabs entstandene Kulturquartier soll fortdauern. „Ich sehe das Kulturquartier Raabs in der ganzen Großgemeinde, auch weil so viele Vereine beteiligt sind.“ Und viele Schauplätze werden bespielt: der Lindenhof mit Ausstellungen oder dem Kulturquartier-Fest, der Hauptplatz mit Sommerabendkonzerten, der Dorfplatz Rabesreith mit dem Sommerkino, das „9erHaus reLoaded“ in Weikertschlag oder das Jufa-Hotel. Nicht bespielt wird die im Privatbesitz stehende Burg, was das Team durchaus schade findet.

„Ich sehe das Kulturquartier Raabs in der ganzen Großgemeinde, auch weil so viele Vereine beteiligt sind.“ Margit Auer

Wie man sich auf die Corona-Entwicklung einstellt. „Das Corona-Konzept hat Gültigkeit“, betont Julia Zwickl, Obfrau des Vereins „Wir für Raabs“. „Für mich ist im Kopf: Im Sommer werden wir unser Programm durchkriegen. Was den Herbst betrifft, sind wir skeptisch – und werden immer skeptischer“, denkt sie an die Ausbreitung der Coronavirus-Deltavariante. Konzerte, Vorträge, Lesungen sind zum Beispiel geplant.

Um auf sichererer Schiene zu bleiben, legt das Theaterfestival „Tagträumer*innen“ den Schwerpunkt weniger auf internationale und mehr auf österreichische Produktionen. Und das „9erHaus reLoaded“ will weiterhin die „verlorene Kultur wiederbeleben“, wie Werner Neiger erzählt. Denn: „Sich nur zu fürchten, ist auch keine Lösung.“ Das Team ist vorbereitet: „Wir sind flexibel und haben verschiedene Sicherheitskonzepte in der Lade, die teilweise schon erprobt sind.“ Er sei nicht ganz so skeptisch, was den Herbst betreffe. „Wir versuchen, unsere zehn Veranstaltungen zu machen“, erklärt er. „Die Leute kommen: Die Angst, dass niemand kommt, hat sich relativiert.“

Der Hunger nach Kultur will gestillt werden. „Der Hunger nach Kultur ist da“, beobachtet auch Katharina Schober-Dufek, kaufmännische Leiterin der „Tagträumer*innen“. Die geplanten Schulveranstaltungen werden im Herbst beginnen und „zwei Produktionen sind schon ausgebucht“. Das Festival wird ansonsten an mehreren Waldviertel-Standorten abgehalten, in Raabs werden „Große Geschichten“ zu hören sein.

Nicht nur das Publikum ist ausgehungert, auch die Künstler selbst: „Viele, die auf der Bühne stehen, haben gar nicht genug Auftrittsmöglichkeiten. Manche kommen in voller Besetzung, obwohl’s gar nicht ausgemacht war“, schildert Neiger lachend.

Stattfinden kann aber nicht alles: „Wir für Raabs“ hat im Februar entschieden, das Drachenbootrennen abzusagen. Man sehe zwar jetzt, dass es gegangen wäre, aber die Organisation beginne schon früh zu Jahresbeginn. „Das war uns zu riskant, es befinden sich dann doch 2.000 Leute auf engem Raum“, führt Zwickl aus.

Über die Wichtigkeit der Kultur, auch für die Kinder. Und doch liegt allen am Herzen, Kultur in Raabs zu ermöglichen. Das habe Effekte auf die Wirtschaft und den Tourismus, erklärt Stadträtin Auer. „Die Urlaubsbesucher gehen gern auf Veranstaltungen. Wir würden uns aber wünschen, dass noch mehr Menschen von auswärts zu uns kommen.“ Schön sei, dass die „Tagträumer*innen“ ganz bewusst ihr Programm auf Kinder und Jugendliche ausrichten und trotzdem für Erwachsene ansprechend bleiben.

Schober-Dufek erinnert sich hierbei an einen Satz, den ihr Mann Holger Schober gerne sagt: „Wenn man die Kinder nicht ins Theater bringt, dann stirbt das Theater.“ Dem künstlerischen Leiter ist es wichtig, den Jüngsten die Kultur näherzubringen – am besten mit Geschichten.

Finanzielle Ausgangslage. Auer spürt eine große Motivation unter den Organisatoren und den Zusammenhalt unter ihnen. Die Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung ist vorhanden, sodass Planungen möglich sein: Der Verein „Wir für Raabs“ kann auf die Beiträge ihrer Mitglieder und Sponsoren zurückgreifen. Eine andere Situation gibts beim Theaterfestival: „Wir haben das große Glück und sind in der privilegierten Lage, dass wir Jahresförderungen vom Bund und Land erhalten haben, zumindest bis jetzt“, berichtet Schober-Dufek. Die Eintrittspreise seien deshalb leistbar.

„Die Förderung fehlt uns, wenn wir sie nicht haben“, sagt Neiger, obwohl er es auch für gefährlich halte, mit Subventionen zu kalkulieren. Mut gehöre jedenfalls dazu, Kultur sprießen zu lassen. „Es geht nicht primär ums Geld, sondern um eine eigene Qualität, die man sich erarbeitet“, betont er. „Kultur ist eine Herzensangelegenheit“, bestätigt Schober-Dufek.

Sie glaubt, dass Corona-bedingt neue Kultur-Formate entstehen werden: Schon jetzt habe sich online vieles entwickelt, auch wenn dies mit einer Live-Präsenz nicht vergleichbar sei. Neiger freut’s, dass mehr Städter aufs Land ziehen: „Das ist eine Trendumkehr und das schafft enormes Potenzial; aus dem Grund allein lohnt sich die Kulturarbeit.“