„La Petite Grange“: Alles drehte sich um den Walzer. Pianist Philipp Kronbichler gestaltete in Wertenau (Gemeinde Karlstein, Bezirk Waidhofen) einen Walzer-Abend ohne einen einzigen Strauß-Walzer.

Von Julia Fröhlich. Erstellt am 31. Juli 2021 (06:02)
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In der kleinen Scheune von Roswitha Lamb drehte sich alles um den allzu beliebten Walzer, sodass sich der Ausnahmemusiker Philipp Kronbichler frei am Flügel entfalten konnte.
Julia Fröhlich, Julia Fröhlich

Erstmals wieder Leben eingehaucht wurde der „La Petite Grange“ am 24. Juli beim Hauskonzert „Alles Walzer“ mit dem Gastpianisten Philipp Kronbichler. Der beliebte Treffpunkt für Kunst und Kultur im Waldviertel ist das Zuhause von Roswitha Lamb und zieht neben Zuhörern aus Salzburg, Wien und Linz sogar Gäste aus Deutschland, Südtirol und der Schweiz an.

Konnte früher Noten als Buchstaben lesen

Nicht weniger faszinierend ist, dass Philipp Kronbichler im zarten Alter von vier Jahren bereits erste Stücke am Klavier erlernt hatte: „Deshalb konnte ich früher Noten als Buchstaben lesen.“

Von seinem Wahlinstrument ist er seither nie wieder losgekommen, denn später absolvierte er eine Ausbildung als klassischer Konzertpianist an den Musikhochschulen in Salzburg, Wien und Köln und beteiligte sich erfolgreich an Klavierwettbewerben – den Weidener Max-Reger-Wettbewerb gewann er 2005 sogar. Seither widmet sich das Ausnahmetalent sowohl solistischen als auch kammermusikalischen Auftritten unter anderem in Wien, Salzburg, Bozen, Köln, New York und nun auch in Wertenau.

Wiener Walzer von Strauß-Dynastie geprägt. Während die charmante Gastgeberin Roswitha Lamb bei der Ausgabe des Aperitifs in ihrem Kleid in zarten Gelbtönen mit der Sonne um die Wette strahlte, konnte man die Vorfreude der knapp 25 geladenen Gäste bereits spüren.

Erstes Konzert seit Corona-bedingter Pause

Immerhin handelte es sich um das erste Konzert seit der Corona-bedingten Pause, bei dem sich alles rund um den Walzer drehte. Obwohl dieser Begriff – besonders der Wiener Walzer – hauptsächlich von der Strauß-Dynastie geprägt wurde und erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine endgültige Ausprägung erfahren hatte, haben sich auch andere Komponisten erfolgreich diesem beliebten Genre gewidmet. „Umso reizvoller war die Idee, einen reinen Walzer-Abend ohne einen einzigen Strauß-Walzer zu gestalten, da es durchaus musikalisch wertvolle Beiträge dieser Gattung gibt“, unterstreicht Roswitha Lamb.

Auf dem Programm standen also Stücke von Frédéric Chopin, Johannes Brahms und Leopold Godowsky. Letzerer ist – wie auch seine Werke – heute fast völlig in Vergessenheit geraten. Dabei adeln diese musikalischen Kleinode den leichten Salonton, den sie manchmal pflegen, durch einen meisterhaft durchgearbeiteten Satz, der Brahms´sche und Bach´sche Polyphonie mit Chopinesker Klanglichkeit verbindet. Seine Virtuosität ist wie bei kaum einem anderen Komponisten strukturell bedingt und nicht auf einen äußeren Effekt bedacht.

Moment im Hier und Jetzt genießen

Schon mit dem ersten Anschlag hatte Philipp Kronbichler die volle Aufmerksamkeit auf sich gezogen und die „La Petite Grange“ wieder mit Leben befüllt. Die Zuhörer wurden eingeladen, dem Alltag zu entfliehen und den Moment im Hier und Jetzt zu genießen. Den sanften Klängen des Flügels zu lauschen war eine Wohltat für die Seele, sodass sich eine Ausgeglichenheit und innere Harmonie im Körper breit machte und die freien Gedankengänge beflügelt wurden.

Mit einer stetigen Steigerung des Tempos tastete sich der Virtuose an den krönenden Abschluss des Klavierkonzerts heran und wurde mit einem kräftigen Applaus belohnt. Gepaart mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit sowie jeder Menge Hingabe und Feinfühligkeit meisterte Philipp Kronbichler die Stücke mit Bravour, und da er das Klavier blind beherrscht, konnte er auf Notenblätter getrost verzichten.

„Er ist ein sehr guter Pianist, da bei einer unglaublichen Variation sogar zwischen Forte und Pianissimo einfach jede einzelne Note klingt und kein Ton verschwindet – das gefällt mir gut“, zeigt sich Lamb begeistert und lud die Zuhörer noch zu einem reichhaltigen und natürlich selbst zubereiteten Buffet im Garten ein.