Was eine Kirche zu erzählen hat. Die Pfarre in Großau stemmt gerade ein Erneuerungsprojekt, bei dem Engeln, eine Wiener Orgel und die Neugotik eine Rolle spielen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 22. Juli 2021 (03:34)
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Besprachen die nächsten Renovierungsschritte (v.l.): Pfarrgemeinderat Franz Waitz, Pfarrer Pius Ulrich, Bauamt-Mitarbeiter Bernd Schneider, Bundesdenkmalamt-Leiter Hermann Fuchsberger (Abteilung für Niederösterreich), Pfarrgemeinderätin Anneliese Kernstock und Kathrin Olbort (Bundesdenkmalamt).
Karin Widhalm

Eines ist für Pfarrer Pius Ulrich der Anfangspunkt der umfassenden Innenrenovierung der Pfarrkirche: „Die Engel haben wir abgenommen, jetzt können die Arbeiten beginnen“, lächelt er. Gemeint sind jene zwei Statuen, die die historisch wertvolle Orgel zieren: Einer der Engel liegt jetzt sanft gebettet im Pfarrhof, um ihm herum sind die Kreuzweg-Bilder.

Die Pfarre steht also mitten im Erneuerungsprojekt: Keine Orgelpfeifen sind gerade zu sehen, weil das Instrument gerade von Fachmann Philipp Pemmer aus Kottes-Purk (Bezirk Zwettl) auf Vordermann gebracht wird. Für manche umweht die Orgel einen Hauch von Residenzstadt – und das nicht weit hergeholt.

Sie stand ursprünglich in einer Friedhofskapelle in Wien-Landstraße, die allerdings 42 Jahre nach der Fertigstellung abgetragen werden musste: Die „Josephinische Reform“ verlangte dies. „Die Orgel ist auf geheimnisvolle Weise zu uns gekommen“, erzählt der Pfarrer. 1784, im Jahr der Kapellen-Demontage, wurde Großau eine eigenständige Pfarre. 1789 zog die Orgel mit ihren zwei Posaune musizierenden Engeln dort ein.

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Der Engel darf sich bis zu seiner Restauration im Bett ausruhen.
Karin Widhalm

Die Kirche wirkt gerade ohne sie ein wenig leer, auch weil die Luster abmontiert sind und der Volksaltar entfernt wurde. Vorige Woche wurde dem Holzwurm Garaus gemacht: Die Begasung erfolgte vier Tage lang, danach musste der Gottesraum übers Wochenende ordentlich durchgelüftet werden.

Die nächsten Schritte sind: Der Putz wird im Sockelbereich abgeschlagen, der Elektriker tauscht notwendige Leitungen aus, eine „Klima-Ampel“ wird aktiviert. Das heißt: Zwei Fenster (Sakristei und Chor) werden automatisch geöffnet, sobald die Luftfeuchtigkeit im Inneren einen bestimmten Wert erreicht. „So kann richtig gelüftet werden“, erklärt Bernd Schneider, Waldviertel-Referent im Bauamt der Diözese St. Pölten.

Wird man Weihnachten in der Kirche feiern?

Der Maurer wird im Anschluss den Putz anbringen. Ob der Maler tatsächlich im November in der Kirche aktiv sein wird, ist fraglich. Schneider rät von Malerarbeiten bei kühlen Temperaturen ab, weil dies die Trocknung erschwert. Ob schon früher oder erst 2022 ausgemalt werden kann, wird erst eruiert. Der Pfarrer hätte zuletzt gehofft, dass spätestens zu Weihnachten im erneuerten Ambiente Messen abgehalten werden können.

Er weicht jetzt für Sonntagsmessen mit den Gläubigen in eine Kapelle aus. „Für Begräbnisse haben wir noch kein Konzept“, erklärt Pfarrgemeinderat Franz Waitz. Die Kirche kann 100 Personen aufnehmen. „Vor Corona war die Kirche immer mit 80 Leuten gefüllt“, erzählt der Pfarrer von einem regen Kirchenleben in Großau, einem Ort mit 116 Einwohnern.

1785/90 ist die heutige Barockkirche gebaut worden: Das Bundesdenkmalamt vermutet aber, dass es sich hierbei nicht um einen Neubau gehandelt hat. Die Vischer-Ansicht von Großau 1672 lässt den Schluss zu, dass ein spätgotischer Vorgängerbau vorhanden war. Ob das stimmt, könnte sich zeigen, wenn man das Mauerwerk nach dem Putzabschlagen untersucht.

Der letzte Akt der Renovierung wird jedenfalls die Rückkehr der Orgel im nächsten Jahr sein, wenn alles trocken ist. Ihre Restaurierung kostet 250.000 Euro, wofür die Erzdiözese mithilfe eines einmaligen Sondertopfes aufkommt. Die Innenrenovierung kostet 110.000 Euro, die Pfarre investiert den größten Brocken (bis zu 80.000 Euro). „Wir werden das mit Ach und Krach stemmen“, erklärt Waitz. Der Rest werde mit Förderungen des Bundes und Bundesdenkmalamtes gedeckt, zudem unterstützt die Diözese das Projekt. Die Außenrenovierung der Pfarrkirche, die dem Laurenz geweiht ist, war vor elf Jahren.