Koch-Azubi Walburga Neuwirth stellte Männer in Schatten. Frühwärtserin Walburga Neuwirth erreichte ersten Preis. Sie entschied sich für Lehre im Schloss Fuschl.

Von Julia Fröhlich. Erstellt am 18. Juni 2021 (03:43)
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Die Gewinnerin des sechsten Koch-Azubi-Wettbewerbs der Selektion Deutscher Luxushotels, Walburga Neuwirth, bei der Preisübergabe in Hamburg.
Blackwood Media

Alle männlichen Köche in den Schatten gestellt hat Walburga Neuwirth mit ihren Kochkünsten beim sechsten Koch-Azubi-Wettbewerb der Selektion Deutscher Luxushotels in Hamburg. Insgesamt sieben Hotels gehören dieser Selektion an, so auch das Schloss Fuschl in Salzburg, wo die 21-jährige Frühwärtserin derzeit eine Ausbildung zur Köchin absolviert.

Eine Woche vor dem Wettbewerb wurden bereits die Grundzutaten bekannt gegeben, sodass Walburga Neuwirth sogleich ein 3-Gänge-Menü bestehend aus Fingerfood ausgetüfteln konnte. Es galt in der Vorspeise unter anderem Pulpo und Spargel, im Hauptgang ein Filet vom Maibock und Erbsen sowie beim Dessert Buchweizen und Honig zu verarbeiten.

Fünfköpfige Fachjury. Jeder der sechs Teilnehmer des Wettbewerbs interpretierte die Zutaten auf eine ganz andere Art und Weise, sodass die fünfköpfige Fachjury mit ganz verschiedenen Geschmackserlebnissen überrascht wurde. Neben dem ehemaligen Sterne- und Fernsehkoch, Christian Rach, gaben auch Cornelia Poletto und drei Fachjournalisten ihre Wertung ab. Für Neuwirth war die Ergebnisverkündigung insofern besonders spannend, da sie die Rezepturen und Herangehensweisen ihrer deutschen Konkurrenten nicht kannte und auch bis heute nicht weiß, was sie aufgetischt haben: „Im ganzen Stress vergisst man alles um sich herum und ist komplett fokussiert auf die eigenen Gerichte, sodass ich das Fingerfood meiner Mitbewerber nicht bewusst wahrgenommen habe.“ Die angehende Köchin und Gewinnerin des Contests konnte mit der Rezeptur, ihrer gekonnten Ausführung und Professionalität innerhalb der vorgegebenen Arbeitszeit von 3,5 Stunden überzeugen. Durch ihr kulinarisches Gespür und ihr Improvisationstalent ließ die einzige Österreicherin im Bewerb nur wenige Punkte liegen und konnte sowohl einen kulinarischen als auch optischen Augenschmaus auftischen. Letzten Endes hatte Neuwirth im Wettstreit der Köche die Nase vorne und durfte den Preis entgegennehmen.

Kurze Vorbereitungszeit. „Die Vorbereitungszeit ist aufgrund der bevorstehenden Wiederöffnung der Gastronomie sehr kurz ausgefallen, deshalb habe ich nie das komplette Menü gekocht, sondern immer nur einzelne Gänge“, gesteht Walburga Neuwirth. Mittlerweile habe sie sich daran gewöhnt, dass es nur sehr wenige Frauen in die Gastronomieküche verschlägt, sodass für sie das Geschlecht immer mehr in den Hintergrund rückt und sie stattdessen mit Leistung überzeugen möchte. „Ich bin stolz darauf, den Sieg mit nach Hause genommen zu haben, aber das hat nicht viel damit zu tun, dass ich eine Frau bin“, betont Neuwirth. Sie liebt es einfach hinter dem Herd zu stehen und den Gästen ein unvergessliches Geschmackserlebnis zu bescheren.

Demnächst Abschlussprüfung. Derzeit befindet sich die angehende Köchin im dritten Lehrjahr, in einem Monat wird sie ihre Abschlussprüfung absolvieren. Auf das Luxushotel Schloss Fuschl ist sie durch Zufall gestoßen: „Bei uns im Waldviertel gibt es zwar wirklich gute Wirtshäuser, nur kann man gar nicht so viel lernen, da meist nur typische Hausmannskost aufgetischt wird – das ist mir persönlich zu eintönig gewesen.“ Sie ist zuvor schon in Salzburg als Kellnerin auf Saison gewesen und da sie sowieso Neues erleben wollte, ist ihr das Internetinserat des Hotels gerade recht gekommen. „Ich habe gelesen, dass der Küchenchef sehr gut sein soll und er sich schon in jungen Jahren Hauben erkocht habe“, begründet sie die Wahl ihres Ausbildungsplatzes. Heute weiß sie, dass sie alles richtig gemacht hat und die Ausbildung im Schloss Fuschl genau ihren Vorstellungen entspricht. So gerne Walburga Neuwirth auch im Waldviertel lebt, möchte sie neue Leute kennenlernen und mehr von der Welt sehen. Vor ihrem Entschluss ihre alte Heimat zu verlassen, hat sie die Handelsakademie begonnen, aber nie abgeschlossen: „Ich habe gemerkt, dass mir die Büroarbeit einfach nicht liegt.“

Neuen Zugang zu Lebensmitteln gefunden . Durch ihre Kochausbildung hat sie mehr Respekt vor dem Essen und einen völlig neuen Zugang zu Lebensmitteln. Seither ist ihr auch bewusst, welchen Unterschied die Qualität von Zutaten macht: „Fleisch vom Bauern um die Ecke ist zwar teurer, dafür schmeckt man das auch“, ist die 21-Jährige überzeugt.

Nach ihrem Lehrabschluss möchte sie den Sommer über noch in Salzburg bleiben, danach plant sie in einem Lokal in Wien die Gäste kulinarisch zu verwöhnen.