Eine humorvolle Zeitreise durch Waidhofen an der Thaya. Erwin Pöppl konnte endlich sein Werk „850 Jahre Waidehouen“ vorstellen. Buch enthält jede Menge humorvollen Gschichtl´n aus der Stadt.

Von Julia Fröhlich. Erstellt am 16. Juni 2021 (03:26)
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Reinhart Blumberger, Stadtchronist und Buchautor Erwin Pöppl und Bürgermeister Josef Ramharter halten das Buch „850 Jahre Waidehouen“ in den Händen.
Julia Fröhlich, Julia Fröhlich

Mit seinem „menschlichen“ Buch in den Händen und jeder Menge humorvoller Gschichtl´n im Petto hat Stadtchronist Erwin Pöppl die Besucher seiner Buchpräsentation am 11. Juni im „Anno Lignum“ mit auf eine spannende Zeitreise durch die Stadtgeschichte Waidhofens genommen. Anlässlich der historischen Ersterwähnung Waidhofens im Jahr 1171, also vor genau 850 Jahren, hat der gebürtige Waidhofner viele prägende Ereignisse, Artikel und Erzählungen zusammengetragen und seine Erkenntnisse in seiner zweiten Publikation „850 Jahre Waidehouen“ auf 346 Seiten zu Papier gebracht.

Von der Hebamme bis zum Totengräber. Während in seinem ersten Buch „Waidhofen an der Thaya pur“ die Stadt selbst im Mittelpunkt steht, dreht sich in seinem neuen Werk alles sowohl um prägende Persönlichkeiten als auch um einfache Bürger, welche die Stadt zu dem gemacht haben, was sie heute ist. So etwa reicht das Buch von der Hebamme bis zum Totengräber, so Pöppl. „Ohne die Waidhofner würde es dieses Buch nicht geben“, merkt der Buchautor dankend an. Miteingeflossen sind Interviews mit Zeitzeugen und viele seiner adaptierten Artikel für die Waidhofner Stadtnachrichten, welche er seit 20 Jahren mit historischen Beiträgen bereichert. Die Stadtchronik selbst ergänzt der bereits pensionierte Geographie- und Geschichtslehrer seit mittlerweile 43 Jahren.

Im Zeitraffer und mit kurzen Anekdoten ließ Pöppl bei seiner Buchvorstellung die Politik samt der ehemaligen Bürgermeister Waidhofens kurz Revue passieren, gab einen Überblick über die Wirtschaft und die ältesten Betriebe der Bezirkshauptstadt. Dazu zählen unter anderem die Konditorei Schützner, der Werkzeug- und Gartenfachmarkt Roth, der Friseursalon Schulz oder die Buchhandlung Kargl. Bei einem kurzen Abstecher ins kulturelle Leben der Stadt hob er bereichernde Taten hervor und ging näher auf die Ballettschule, die Big Band Waidhofen, den Folk Club, das TAM und den Bürgerkorps ein.

Stadtgeschichte nur kleiner Teil . Während die vielfältigen Facetten der Stadt im Bereich der Gastronomie, Schule und Bildung sowie Vereine und Personen sehr ausführlich behandelt werden, nimmt die Geschichte der Bezirkshauptstadt in der Neuerscheinung nur einen vergleichsweise kleinen Teil ein. „Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, Waidhofen inmitten von sieben Mühlen“, assoziiert Pöppl. Gleichzeitig stellt er die humorvolle Frage in den Raum, wieso die Hamerlingbrücke trotz ihrer wunderbaren Stahlbauweise nicht so eine Berühmtheit wie der Eiffelturm erlangt habe. Auch die Fahrschule Zischka hinterließ prägende Erinnerungen, da für die meisten Waidhofner kein Weg an ihr vorbeigeführt hatte. Eine Bildprojektion am Ende rundete die gelungene Buchpräsentation ab. Auch ein Exkurs ins Privatleben des Historikers durfte nicht fehlen.

Schnell wird einem also klar, dass es sich dabei aber keinesfalls um ein trockenes Geschichtsbuch handelt - im Gegenteil, seine Publikationen leben von Interviews, Bildern, Schmähs und humorvollen Erzählungen. So sei ihm auch der eine oder andere Fehler verziehen, denn Erwin Pöppl hat sich erst im Laufe der Zeit zum Schreiber gemausert, wie er selbst schmunzelnd gesteht: „Mit einem ‚Genügend‘ im Maturafach Deutsch bringe ich nicht gerade die besten Voraussetzungen mit, um als Buchautor tätig zu sein. Angefangen mit Match-Berichten, über meine Beiträgen für die Stadtnachrichten, meine Dissertation oder mein erstes Buch, habe ich mich langsam an das Schreiben herangetastet.“

Buch ist „menschlich“. Deshalb gesteht er selbst, dass sein zweites Werk trotz aller Bemühungen „menschlich“ und nicht ganz perfekt sei, da er unter anderem den ehemaligen niederösterreichischen Landeshauptmann Josef Pröll genannt habe und auch Grammatik-Feinspitze über den einen oder anderen falschen Fall stolpern werden. Aber sein primäres Ziel, kostbare Erinnerungen festzuhalten und diese gesammelt in einem Werk weiterzugeben, hat der Stadthistoriker auf jeden Fall erreicht. Der Schreibprozess selbst hat sich über ein Jahr erstreckt, die Buchpräsentation musste daraufhin aber aufgrund gesetzlicher Vorschriften zweimal abgesagt werden. Beim dritten Anlauf klappte es, sodass die rund 50 Besucher einen Einblick in das neueste Buch Pöppls, welches in der Buchhandlung Kargl erworben werden kann, erlangen konnten. Nächsten Freitag, am 18. Juni, stellt der Stadtchronist sein Werk erneut vor.