Zu viel landet im Müll. Tonnen an Lebensmitteln landen täglich im Mülleimer. Wo liegt die Lösung dieses Problems für den Bezirk Waidhofen/Thaya?

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:13)
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In Niederösterreich landen jährlich 166 Tonnen     Lebensmittel im Abfall.
Symboldbild/Shutterstock

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Eine traurige Erkenntnis, die auch nicht wirklich neu ist. Statistiken des Landes Niederösterreich zeigen, dass allein in unserem Bundesland täglich 166 Tonnen Lebensmittel im Abfall landen. Das entspricht einer Menge von rund 40 Kilogramm pro Einwohner im Jahr. Im Ministerrat hat man sich deshalb sogar für eine neue Koordinierungsstelle unter der Leitung des Umweltministeriums entschieden. Es ist ein Thema, das jeden betrifft. Auch Waidhofen ist da keine Ausnahme.

Nur ein Stadtproblem oder doch nicht?

„Es landen nach wie vor zu viele Lebensmittel im Müll. Sogar noch nicht abgelaufene Lebensmittel werden oft gedankenlos weggeworfen“, meint der Geschäftsführer des Waidhofner Gemeindeverbandes, Robert Altschach. Dabei sei die Situation in unserem ländlichen Raum noch nicht ganz so gravierend, wie in der Stadt. „Aufgrund der ländlichen Strukturen herrscht hier doch noch mehr Bezug zu den Lebensmitteln“, meint Altschach. Das Bewusstsein, was es heißt, etwas wegzuschmeißen, würde doch ausgeprägter sein.

„Die Lebensmittelverschwendung ist ein gesellschaftliches Problem, bei dem jeder seinen Beitrag leisten muss.“ Robert Altschach, GVA Waidhofen-Geschäftsführer

Das heiße aber natürlich nicht, dass der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln nicht trotzdem ein zumindest kleines Problem in Waidhofen darstellt. „Wir wollen schon seit Jahren darauf aufmerksam machen. Die Lebensmittelverschwendung ist ein gesellschaftliches Problem, bei dem jeder seinen Beitrag leisten muss“, betont Altschach. So wäre es auch im Interesse von jedem einzelnen, unnötigen Abfall zu vermeiden. „Man spart ja dadurch auch Geld“, sagt der GVA-Geschäftsführer.

Durch die vereinseigenen Abfallberater und auf der Website wird regelmäßig auf die Problematik aufmerksam gemacht. Vom Niederösterreichischen Abfallverband wurde zudem erst heuer ein Kochbuch veröffentlicht. Das gesamte Buch widmet sich der kreativen Restl-Verwertung, denn auch aus Altem kann man Frisches zaubern. „Ansonsten ist das Internet natürlich auch voll mit Anleitungen“, meint Altschach.

Neben den Bemühungen des Abfallverbandes gab es in Waidhofen bisher recht wenige groß angelegte Initiativen gegen die Lebensmittelverschwendung. Auch einen Sozialmarkt, wo Lebensmittel vor der Aussortierung gerettet und Bedürftigen günstig zur Verfügung gestellt werden, gab es bisher nicht. Das soll sich aber bald ändern. Für den 8. September ist auch in Waidhofen die Eröffnung eines SOMA der Caritas geplant. Das neue Geschäft wird im carla Shop am Waidhofner Hauptplatz eingerichtet.

„Das besondere an unseren Sozialmärkten ist, dass ganz viele Menschen davon profitieren. Armutsbetroffene Menschen können dort günstig einkaufen und als Verkäufer finden Menschen mit Behinderungen dort eine gute Beschäftigungsmöglichkeit“, erzählt Caritas-Bereichsleiter Christoph Riedl. Dabei soll das Geschäft nicht nur ein Supermarkt sein, sondern ein Ort der Begegnung und zum Plaudern. Daneben wird natürlich auch der Lebensmittelverschwendung entgegengewirkt. Die Produkte sollen allesamt von Produzenten und Märkten aus der Region kommen. „Wir wissen von unseren anderen Märkten in der Umgebung, dass das ein tolles Projekt ist, dass wir jetzt auch in Waidhofen starten wollen“, sagt Riedl.

Aber was kann am Ende jeder selbst tun, um der Verschwendung vorzubeugen? Laut GVA-Geschäftsführer Robert Altschach sei die Reduzierung der Abfälle am Ende eine Frage der Bewusstseinsbildung. „Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, wurde nichts weggeworfen. Wenn zum Beispiel am Montag noch Knödeln vom Braten am Sonntag über waren, gab es Knödeln mit Eiern. Genau solche Methoden muss man sich heutzutage wieder in Erinnerung rufen.“

Daneben gäbe es aber noch eine klare Wurzel allen Übels: das Einkaufen. „Man sollte sich immer überlegen, was man wirklich braucht und nicht einfach etwas kaufen, weil es gerade in Aktion ist“, schildert Altschach. Gerade 1+1 Gratis-Aktionen würden dafür sorgen, dass am Ende des Supermarktbesuches zu viel im Wagerl landet.

Ein Blick in den Kühlschrank lohnt

„Unser Rat ist deshalb, immer zuerst in den Kühlschrank zu schauen, bevor es ins Geschäft geht. Man sollte genau schauen, was man noch hat und auch Sachen von hinten nach vorne holen.“ Mit einem besseren Überblick könne man verhindern, dass Lebensmittel in den Untiefen des Kühlschranks schlecht werden. Erst dann käme die Erstellung der Einkaufsliste an die Reihe. „Auf diese Weise spart man nicht nur Ressourcen, sondern auch Geld von den Lebensmitteln, die sonst im Müllbehälter landen. Psychologen würden dann vielleicht noch raten, nicht mit leerem Magen einzukaufen“, so Altschach.

„Bei einem Blick auf die Zahlen, wie viel eigentlich weggeschmissen wird, erkennt sicher jeder sofort, dass etwas getan werden muss. Zahlreiche Menschen auf der Welt müssen hungern, während wir das Essen einfach wegschmeißen“, erzählt er weiter. Auch wenn die Abfallmenge eines jeden einzelnen dabei nicht ausschlaggebend sind, zusammengerechnet ergeben sich doch enorme Auswirkungen. „Genau das ist vielleicht nicht jedem so bewusst.“

Die Landwirte haben zum Thema Verschwendung natürlich auch wenig Verständnis. „Wenn jemand etwas wegwirft, zeigt er einfach, dass er unsere Arbeit nicht wertschätzt“, meint Bezirksbäuerin Renate Kainz. Schließlich würde man nicht für die Mülltonne produzieren. „Man sollte sich bewusst machen, wie viel Mühe in einem Produkt steckt, bevor man es einfach so in den Müll wirft.“

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