Von der Modeschule zum nachhaltigen Mode-Start-up. Hauptsache kreativ und praxisnah – Elena Vacano gründete während ihres Studiums an der FH Wieselburg das nachhaltige Mode- Start-up „Ikonity“ und arbeitete zeitgleich als Marketing Managerin an der Fachhochschule.

Von Sophie Kronberger. Erstellt am 18. Februar 2021 (08:54)
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An der FH Wiener Neustadt, Campus Wieselburg, arbeitete Elena Vacano während des Studiums als Executive Marketing Managerin und vertiefte ihre Kennnisse in Social Media, PR und Fotografie.
Fachhochschule Wiener Neustadt

„Mode zieht sich tatsächlich wie ein roter Faden durch mein Leben“, sagt Elena Vacano und ist gleichzeitig stolz darauf, keinen geradlinigen Lebenslauf zu haben. „Die unterschiedlichsten Erfahrungen zu haben, kann wahnsinnig wertvoll sein“, so die gebürtige Kremserin, die sich als Generalistin sieht. „Kreativ war ich aber schon immer.“ Bereits als Kind hat sie sich die Haare selber geschnitten, gemalt, was das Zeug hielt, und ihre Hosen selbst verschönert. „Nach der AHS-Unterstufe in Krems wollte ich unbedingt eine berufsbildende höhere Schule machen, um danach gleich einen Beruf ausüben zu können. Und so bin ich auf die HLM – Höhere Lehranstalt für Mode aufmerksam geworden.“ Das habe sich schließlich als richtiger Weg und als Beginn einer bis jetzt andauernden Leidenschaft für Mode erwiesen.

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Das Motto von Elena Vacano: „Nicht lange grübeln, einfach machen.“
 
Lena Schneider

Erste Schritte in der Modebranche

„Einfach viel ausprobieren und Möglichkeiten ergreifen.“ Elena Vacano

„Ich nähe immer noch hie und da, aber nicht mehr für mich selber, sondern für Bekannte, besonders Abendmode“, so die 26-Jährige. Im Sommer 2013, gleich nach der Maturazeugnis-Übergabe, bewarb sie sich im Kremser Geschäft der Trachtenschneiderin Elfi Maisetschläger und hatte Tage später ihren ersten Arbeitstag. „Angefangen habe ich im Verkauf und später die Verantwortung für einige Modeschauen im Raum Krems übertragen bekommen.“ Nebenbei studierte sie Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien, da sie sich ursprünglich eine Karriere im Kostümdesign vorstellen konnte.

2015 dann der Umbruch! Elena wollte nicht mehr länger Theorien zu Film und Medien erarbeiten und lernen. Auch der Verkauf war ihr nicht mehr abwechslungsreich genug. „Das alles hat sich nach zu wenig angefühlt. Ich finde es gut, wenn Leute ihr Studium zu Ende bringen, aber genauso gut finde ich es, wenn man mit etwas aufhört, das nicht zu einem passt. Man muss in sich hineinhören und nicht nur auf andere hören. Meine Philosophie ist: Einfach viel ausprobieren und die Möglichkeiten, die sich bieten, ergreifen.“ Auch eine Reise nach Asien war Teil ihres Umorientierungsprozesses. Der Hinflug nach Bangkok war gebucht, der Rest stand in den Sternen. „Zwei Monate bin ich alleine durch Thailand, Malaysia und Singapur gereist. Auch diese Zeit war ein Anstoß in die richtige Richtung“, erzählt sie. Ihr wurde klar, dass sie zukünftig zwei berufliche Fähigkeiten intensivieren wollte, nämlich einerseits Kreativität und andererseits Management und ihr Interesse für Wirtschaft.

Durch eine Freundin erfuhr Elena vom Bachelorstudium „Produktmarketing und Projektmanagement“ an der FH Wiener Neustadt, Campus Wieselburg. Besonders angesprochen hat sie neben dem intensiven Praxis aspekt, dass man unter mehreren Modulen wählen kann, darunter „Sportartikel & Sportfashion“ und „Fashion & Clothing“. „Da war die Sache für mich eh schon klar“, lacht Elena.

Dann ging alles ganz schnell. „Von der Entscheidung zur Bewerbung über den Aufnahmetermin bis hin zur Studienzulassung verging gerade einmal eine Woche“, erzählt Elena ganz nach ihrem Motto: „Nicht lange grübeln, einfach machen.“

Als Elena ihrer Mutter erzählte, dass sie das perfekte Studium gefunden habe und dafür nun umziehen werde, fragte diese: „Wohin geht es denn, London, Paris, New York?“ „Sie hat zu lachen begonnen, als ich ihr gesagt habe, dass ich nach Wieselburg ziehe.“ Dort blieb sie drei abwechslungsreiche Jahre lang, ehe sie wieder nach Wien übersiedelte. „Das Highlight war die praxisnahe Ausbildung, das kannte ich ja nicht von der Universität.“

Besonders spannend wurde es für Elena dann im fünften und sechsten Semester, in welchem die Studierenden einen realen Unternehmensauftrag bekommen oder die Möglichkeit haben, ein eigenes Unternehmen gründen können. „Und für diese Option habe ich mich entschieden.“

Start-up-Gründung als wichtige Erfahrung

In einem Team von ursprünglich sechs Studierenden wurde zunächst an der Konzeptionierung gearbeitet, gegründet wurde das Start-up „Ikonity“ dann von Elena gemeinsam mit dem Eco-Design-Absolventen und Software-Entwickler Matthias Dollfuß. „Ziel war es, eine Plattform für junge Designer mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit zu schaffen.“ Ihren Businessplan reichten die beiden bei der österreichweiten „i2b Businessplan Initiative“ ein und konnten in der Kategorie Studierende den ersten Platz belegen. „Darauf waren Matthias und ich außerordentlich stolz“, so Elena.

Unterstützt wurden die beiden von den wissenschaftlichen Mitarbeitern der FH, die mit ihrem Fachwissen als Ratgeber fungierten. Anderthalb Jahre nach der Gründungsphase ging der Onlineshop, in dem nachhaltige und regionale Designer ihre Kleidung anbieten können, online  – und das mitten im ersten Lockdown. Erfolgreich war der Start auf jeden Fall, wie die Kremserin sagt. „Besonders gefreut hat uns das positive Feedback von unseren Kunden und ihre Zufriedenheit mit den neu erworbenen Designs.“

Das Start-up-Gründen sei zudem ihr bester Lehrer gewesen, erzählt Elena. „Ich habe mich mit so vielen Dingen auseinandergesetzt, von denen ich bislang nur die Grundlagen kannte, vor allem im E-Commerce- Bereich und mit der damit verbundenen Usability von Webseiten.“ Zudem habe sie sehr viel in Sachen Selbst- und Zeitmanagement gelernt. „Ein Start-up zu gründen ist eine Herausforderung, man startet mit nichts, mit einem leeren Blatt sozusagen, und hat nach einiger Zeit ein fertiges Produkt oder in unserem Fall einen Fair-Fashion- Online-Shop im digitalen Raum.“

Mitten in der Gründungsphase kam dann noch eine neue Herausforderung auf Elena Vacano zu, denn die Fachhochschule bot ihr einen Job in der Marketing-Abteilung an. „Knapp über ein Jahr war ich als Executive Marketing Managerin für viele spannende Dinge an der FH zuständig, darunter Social Media, Content Management, Digitales Marketing und Fotografie.“ Mit einem 30-Stunden- Job, einer Unternehmensgründung sowie dazu noch mit dem allgemeinen Stress der Corona-Pandemie sei ihre Bachelorarbeit ein wenig liegen geblieben. „Daran arbeite ich gerade noch, damit das auch endlich abgeschlossen ist.“

Suche nach neuen Herausforderungen 2020 hat sich also viel getan in ihrem Leben: „Mir ist klar geworden, dass ich meine eigenen Bedürfnisse lange Zeit vernachlässigt, zu viel gearbeitet und auch Familie und Freunde hintangestellt habe. Mit einem Start-up ist man rund um die Uhr beschäftigt“, erklärt Elena. Daher hat sie 2020 nicht nur ihren Job an der Fachhochschule gekündigt, sondern mit Ende des Jahres auch das Start-up verlassen, das aber mittlerweile in „wunderbaren neuen“ Händen ist. „Ich liebe es zu arbeiten, noch wichtiger finde ich jedoch, sich dabei selbst nicht zu verlieren“, sagt sie.

Aktuell ist Elena selbstständig im Bereich Corporate Design sowie Webdesign, erledigt Aufträge für Klein- und Mittelbetriebe und hat dafür auch ein Gewerbe angemeldet. Trotzdem ist für die motivierte Unternehmerin klar, dass sie zukünftig im Marketing arbeiten will, am besten für ein Unternehmen, dessen Werte sie auch selbst vertritt. „Marketing ist genau meine Welt, da lässt sich meine kreative Ader mit meinen Projektorganisationsfähigkeiten verbinden. Meine vielfältigen Erfahrungen aus den letzten Jahren will ich dabei nicht missen, denn jede davon ist wertvoll.“