St. Pöltens Kreative ziehen in den Löwenhof. Urbaner Hotspot für Künstler soll bis 2023 entstehen. Aus für Paradies der Fantasie sorgt für Aufruhr.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 04. August 2021 (04:39)
440_0008_8143174_stp31stadtloewenhof_1.jpg
Der Löwenhof soll 2023 ganz den Kreativen gehören. Kulturvereine, Gastronomie und Künstler sollen sich darin entfalten können.
Gruber-Dorninger

Große Aufregung herrscht in der Linzer Straße 16. Dort wurde die Kinderbetreuungsstätte Paradies der Fantasie nicht nur behördlich gesperrt, die NÖN erfuhr auch exklusiv, dass sich der gesamte Löwenhof bis 2023 zu einem Künstlerviertel entwickeln soll. Das Gebäude wird künftig ein Teil eines neuen Nutzungskonzeptes. Beim Kulturschwerpunkt 2024 soll der Löwenhof dann eine zentrale Rolle spielen. Kulturinstitutionen, Kulturvereine, Künstler und Kulturbegeisterte sollen sich dort niederlassen können, Artist-in-residence-Programme sollen entstehen, der gesamte Hof Kunst und Kultur zur Verfügung stehen. Für Musiker werden voll ausgestattete Proberäume geschaffen, in die sie sich einmieten können. Ein Gastronomiebereich ist ebenfalls in Planung.

Aktuell herrscht noch Aufregung: Am Eingang zum Paradies der Fantasie im Löwenhof hängt noch ein behördlicher Zettel. Das Sommercamp im August findet heuer hier nicht statt. Stattdessen will die Stadt die Ferienbetreuung mit jener der Franz-Jonas-Volksschule zusammenlegen. „Aus dienstrechtlichen Gründen“, hieß es zunächst aus dem Rathaus. Das lässt „Paradies der Fantasie“-Gründer Gerhard Hönigl nicht gelten. Er fürchtet um sein Lebenswerk.

„Unsere Ferienbetreuung ist kostenlos und richtet sich an alle sozialen Schichten. Unsere Kinder haben erst durch langjährige Betreuung Vertrauen zu uns aufgebaut. Die kann man nicht einfach in eine herkömmliche Betreuung überlassen“, ist Hönigl fassungslos. Seit elf Jahren betreibt er das Paradies der Fantasie. Nach seiner Pensionierung im Vorjahr wollte er eine geordnete Übergabe an seine Nachfolgerin Marijana Popovic. Das wurde ihm in Gesprächen im vergangenen Dezember und März zugesagt. „Der Ton wurde dann aber immer rauer, bis bei Marijana nur mehr Tränen flossen“, so Hönigl. Daraufhin habe Popovic Beschwerde eingelegt und an verschiedenen Stellen nach Hilfe gesucht. Nun werde laut Hönigl auch das Gericht eingeschaltet. Obendrein wurde eine Petition zum Erhalt des Paradieses der Fantasie gestartet, an der sich bereits über 300 Personen beteiligt haben.

Paradies der Fantasie soll sich multiplizieren

Für Kulturamtsleiter Alfred Kellner sei die Ferienbetreuung im Paradies der Fantasie nicht geschlossen. Vielmehr handle es sich um eine Standortverlegung in die Franz-Jonas-Volksschule. „Dies wurde aus personaltechnischer Sicht nötig, da sich ein Personalengpass ergeben hat. Bereits bei der Ferienbetreuung im Juli musste Personal zur Unterstützung bereitgestellt werden“, erklärt Kellner. Interne Spannungen im Betreuerteam sollen ebenfalls zu dieser Situation beigetragen haben.

Die Gespräche im Dezember bestätigt auch Kellner, im Dienstpostenplan 2021 wäre die Stelle der Leitung des Paradieses der Fantasie jedoch niemals vorgesehen gewesen. Ob und wie das Paradies der Fantasie im Löwenhof noch einmal öffnen wird, ist noch ungewiss, soll sich aber bis September entscheiden, gleichzeitig mit der Präsentation eines Jahresprogrammes für Kinder und Jugendliche von eins bis 14 Jahren. Bis zur Öffnung des Grillparzer Campus soll die künstlerische Tagesbetreuung in einem Pilotprojekt mit einem neuen Team weiterentwickelt werden, das vor allem Kindergärten und Schulen anspricht.

Das Paradies der Fantasie soll es dann zwar nicht mehr im Löwenhof, aber an mehreren Standorten der Stadt geben. „Es wird nicht geschlossen, ganz im Gegenteil, es soll sich multiplizieren“, so Kellner. Geplant ist ein hochqualitatives Programm für elementare Kunsterziehung und Kunst- und Kulturvermittlung für Kinder und Jugendliche. „Mit dem Grillparzer Kunst- und Kulturcampus schaffen wir etwas Besonderes. Statt einer Gruppe soll es zahlreiche Gruppen geben, mit viel Platz im Freien, einem Sportplatz und einem Park.“