Mit dem Mähboot gegen das Tausendblatt. Wasserpflanzen trübten das Badevergnügen am Ratzersdorfer See, doch Stadtgärtner Robert Wotapek und eine Spezialfirma befreiten das Gewässer von der kitzelnden Biomasse.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 19. Juni 2021 (09:00)

Zuletzt breitete sich auf dem Ratzersdorfer See immer mehr ein braun-grüner Teppich auf der Wasseroberfläche aus. „Da geh ich nicht mehr rein“, war bei dem einem oder anderen Badegast noch am Donnerstag zu hören. Stadtgärtner Robert Wotapek, der an solchen Tagen mehr als nur ein Stadtgärtner ist, schreitet zur Tat. Er greift zum Telefon und bestellt eine Firma, die mit Mähbooten Österreichs Gewässer von Wasserpflanzen befreit.

„Eigentlich ist es gut, wenn da Wasserpflanzen im See sind, die Filtern den Dreck raus“, beruhigt Wotapek. Bei der Wasserpflanze handelt es sich um das Tausendblatt (Myriophyllum). Seit sich Wotapek erinnern kann, ist es das erste Mal, dass das Tausenblatt so intensiv auf dem Ratzersdorfer See auftritt. Normalerweise wuchert er nur in den Viehofener Seen. In den letzten Tagen hat es sich voll ausgebreitet. Das kühle Frühjahr und die erst jetzt einsetzenden warmen Temperaturen haben die Pflanze so richtig sprießen lassen. Gartenteichbesitzer kaufen das Tausendblatt gar bewusst ein, um ihr kleines Gewässer sauber zu halten. Das ist möglicherweise auch eines der Geheimnisse, weshalb die Wasserqualität in den St. Pöltner Seen so gut ist.

Doch beim Schwimmen ist es unangenehm, wenn etwas am Bauch kitzelt oder sich gar ein wenig zwischen den Zehen verfängt. Für seine Badegäste tut Wotapek alles, vor allem dann, wenn sich die Beschwerdeanrufe wegen der Wasserpflanzen häufen. Um schnell handeln zu können, braucht es gute Kontakte. Die hat Wotapek. Über den Maschinenring borgt sich die Stadt Mähboote aus, Josef Hartl und sein Team stutzen die Hecke unter dem Wasser. „Ein bisserl lassen wir aber stehen, damit sich die Fische noch verstecken können“, zeigt Hartl mit seinen Händen etwa zehn Zentimeter an.

Mit drei Booten rückt die Firma frühmorgens an, ein Schneideboot und zwei Rechenboote. Das Schneideboot wird über ein GPS-Lenksystem gesteuert und zieht Federstahlblätter hinter sich her, die die Wasserpflanzen exakt trimmen. Die Wasserpflanzen treiben dann an der Wasseroberfläche auf und die Mähboote sammeln die kitzelnde Biomasse ein. Einen ganzen Tag lang dauert die Prozedur, am Ende werden insgesamt 40 Tonnen Tausendblatt aus dem See gezogen und dann steht dem ungehinderten Schwimmvergnügen nichts mehr im Wege.

„Oft werden wir von den Badegästen beschimpft. In St. Pölten ist das aber bisher anders. Die freuen sich fast, wenn wir da sind und ihre Seen wieder saubermachen“, lobt Hartl die heimischen Badegäste. Das tut auch Robert Wotapek, der sich bückt und Zigarettenstummel aufhebt: „Abgesehen davon, ist St. Pöltens Stadtgärtner der beste Job auf der Welt.“