Junge Räuber verurteilt: Mädchen bekommt neue Chance. Eine 17-Jährige und ein 22-Jähriger stehen nach zahlreichen Diebstählen, Einbruch und Raub in St. Pölten vor Gericht. Die 17-Jährige kommt davon: Sie hat ihre Strafe schon in U-Haft verbüßt.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 29. Juli 2021 (15:20)
Landesgericht Kreisgericht St. Pölten
Landesgericht St. Pölten
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In der Fußgängerzone schlendern ein paar Passanten entlang. Die Überwachungskamera einer St. Pöltner Bank zeigt eine junge Frau, die in einem Hauseingang verschwindet, hinter ihr ein Mann. Kurz darauf taucht ein Zweiter auf und folgt ihnen. Was dann passiert, erfasst die Kamera nicht mehr: Die Frau und der Verfolger halten den ersten Mann an den Handgelenken fest und reißen ihm eine Goldkette vom Hals. Die Räuber sind jung: Die Frau ist damals 17 Jahre alt, der Mann 22. Der Wert der Kette: 500 Euro.


Jetzt sitzen die beiden vor dem Jugendstrafrichter am Landesgericht St. Pölten und geben alles zu. Ihre weißen Westen haben viele Flecken. Der Fuß des Mädchens wippt während der Verhandlung nervös – vor allem sie ist kein unbeschriebenes Blatt: Die 17-Jährige entwendete einer Frau am Salzburger Hauptbahnhof eine Geldbörse und schlug auf diese ein, einer anderen Frau in Linz stahl sie die Handtasche vom Kinderwagen.

Räuber schliefen in Kellerabteil

Beide stahlen Kleidung und einen Koffer aus einem Kleidungsgeschäft bei Graz – auch hier wurde ihnen die Überwachungskamera zum Verhängnis. Er hat außerdem einen Goldring gestohlen. Gemeinsam mit anderen nahmen die beiden Angeklagten fremde Koffer aus Schließfächern am Bahnhof in Salzburg und brachen in ein Kellerabteil ein, um dort zu schlafen. Dort wurden sie auch von der Polizei aufgegriffen. Alles zwischen den Jahren 2019 und 2021.


Vor einigen Monaten und davor immer wieder tageweise waren die beiden rumänischen Staatsbürger nach Österreich gekommen. Sie wollten Arbeit suchen, fanden keine und stahlen deshalb, sagen sie vor Gericht. Die Eltern des Mädchens sitzen auch im Gerichtssaal. Sie konnten nur kommen, weil ihnen ein Freund der Familie die Reise bezahlte. Wenn die Erstangeklagte aus der Haft entlassen wird, will dieser ihr Arbeit und eine Wohnmöglichkeit geben. Er wolle Gutes tun, sagt der Linzer Unternehmer auf die Frage des Richters nach seinen Beweggründen.

Zweite Chance für Angeklagte


Das Schwurgericht spricht beide Angeklagte schließlich in allen Punkten schuldig. Aus dem Einbruchsdiebstahl im Kellerabteil wird allerdings Sachbeschädigung. Beide werden zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt. Der Mann muss davon vier Monate ins Gefängnis, die Erstangeklagte einen Monat und sie bekommt Bewährungshilfe. Beide haben keine Vortrafen in Österreich. Weil ihr die U-Haft angerechnet wird, ist sie nach dem Prozess frei.

Als die Eltern das hören, schlägt die Mutter glücklich die Hände zusammen, dem Vater entkommt ein erleichtertes Lächeln. „Ich werde so etwas nie wieder tun“, verspricht die Tochter. Auch wenn sie mehr Straftaten begangen hat als der Zweitangeklagte, bekommen beide ein ähnliches Strafmaß, denn: der Mann war älter und fällt im Gegensatz zu ihr nicht mehr unter das mildere Jugendstrafgesetz. Das Urteil ist rechtskräftig.