Sprung auf das US-Eis für Wiener Neustädter. Der Wiener Neustädter Tim Geifes spielt nächste Saison in einer US-Amateurliga. Eine Zwischenstation am Weg zum Profitraum. Die NÖN traf den 18-Jährigen vor der Abreise.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 04. August 2021 (02:43)
440_0900_388594_wrn31mz_geifes_c_zottl.jpg
Der Killerblick. Tim Geifes will auch den Gegnern in den USA das Fürchten lehren. Bei den South Shore Kings aus Foxborough will sich der Wiener Neustädter für ein Engagement im Profi-Bereich empfehlen.
Malcolm Zottl

Nächste Woche beginnt für Tim Geifes (18) ein neuer Lebensabschnitt. Der Wiener Neustädter maturierte heuer in St. Pölten, absolvierte dort die Okanagan Hockey Europe Academy. Nun wechselt der Nachwuchsteamspieler nach Übersee, spielt dort für die South Shore Kings aus Foxborough (nahe Boston).

„Es ist keine Profi-Liga“, erzählt Geifes: „Mein Ziel ist es, zwei Jahre in dieser Liga zu spielen.“ Der Fokus liegt aktuell zu hundert Prozent auf Eishockey, studieren wird der frischgebackene Maturant nebenbei nicht. Bei den Kings werden aber auch immer wieder Scouts diverser College-Teams vorbeischauen, die sollen sich den Namen Geifes in die Notizbücher schreiben.

Leben wird er während seiner Zeit in den Staaten bei einer Gastfamilie direkt in Foxborough. Bei den Kings gibt es ein Wiedersehen mit zwei ehemaligen Teamkollegen: Einem Slowenen und einem Bulgaren, auch zwei Italiener sind im Team, die meisten Spieler sind aber Amerikaner.

Bei der Technik gibt es Potenzial nach oben

Verbessern will sich der Österreicher in vielen Bereichen. In erster Linie technisch. „Zu meinen Stärken zählt sicher die Übersicht. Ich spiele Center, bin also nicht der große Goalgetter. Ich mache die Assists und ich weiß auch, wohin ich fahren muss, um an die Scheibe zu kommen.“ Eishockey professionell zu betreiben, ist das erklärte Ziel des Youngsters. Die National Hockey League (NHL), die nordamerikanische Top-Liga, ist wohl außer Reichweite.

„Es gibt mit der Eastern Coast Hockey League noch eine zweite Profi-Liga in Nordamerika. Das ist realistischer als die NHL, aber in erster Linie nehmen die auch US-Amerikaner und Kanadier. Die Europäer sind meistens Schweden oder Finnen.“ Die mittelfristige Zukunft wird deshalb höchstwahrscheinlich in Europa, wenn es wunschgemäß läuft in Deutschland, liegen: „Die DEL reizt mich schon sehr. Dort gibt es ein sehr gutes Niveau und man kann auch nicht so schlecht verdienen“, grinst Geifes.

„Mir hat es voll getaugt, wie schnell der Sport ist und auch der Teamgeist hat mich fasziniert.“ Tim Geifes über seinen ersten Berührungspunkt mit Eishockey im Alter von drei Jahren.

Seine Begeisterung für Eishockey begann früh. Während seine ältere Schwester Eislauftraining hatte, schaute der kleine Bruder den Erwachsenen beim Hockey-Training zu. „Mir hat es voll getaugt, wie schnell der Sport ist und auch der Teamgeist hat mich fasziniert.“

Zum Eishockeysport brachte ihn schlussendlich sein Taufpate. Mit vier Jahren begann er bei den Mad Dogs. „Das war aber eher herumstolpern.“ Doch bald war beim kleinen Tim Talent erkennbar. „Für Wiener Neustadt war ich dann eigentlich zu gut, deshalb bin ich immer von den Vienna Tigers, einem Nachwuchs-Bundesligateam, ausgeliehen worden. Irgendwann haben sie mich dann fix geholt.“

Die gesamte Familie unterstützte ihn während seiner gesamten Laufbahn, wie Mama Ulla, die als Sportpsychologin mit Gustav Gustenau zu den Olympischen Spielen fliegt. Auch seine beiden älteren Schwestern, 20 und 21 Jahre, sind ganz wichtige Unterstützerinnen. „Ich war erst bei einem Lehrgang des U20-Nationalteams. Da fehlt es mir oft an Selbstvertrauen. Meine Schwestern sagen mir dann: ,Ich soll einfach so wie immer spielen, dann passt das schon.‘ Sie pushen mich extrem.“

Mit der Familie wird es auch während des US-Aufenthalts regelmäßig Kontakt geben. „Mindest einmal in der Woche Facetime. Mit meiner Mutter werde ich auch fast täglich WhatsApp schreiben, das war schon während meiner Zeit in St. Pölten so“, erzählt Geifes: „Sobald die Grenzen wieder offen sind, wird sie auch rüberfliegen.“ Denn derzeit ist aus Österreich keine direkte Einreise in die USA möglich, weshalb Geifes’ neuer Lebensabschnitt mit einem zweiwöchigen Zwischenstopp in Dubai beginnt.