Viktoria Wolffhardt fährt nach Tokio. Nun ist es zum zweiten Mal offiziell. Aber dieses Mal ist es endgültig fix. Tullns Weltklasse-Kanutin Viki Wolffhardt hat sich für Olympia qualifiziert.

Von Bettina Viveros. Erstellt am 16. Juni 2021 (01:29)
Viki Wolffhardt
Viki Wolffhardt vertritt Österreich bei den Olympischen Spielen im Kajak Einer. Ein Traum ist wahr geworden! 
Philip Platzer/Red Bull

„Gott sei Dank, es ist endlich vorbei!“ Die enorme Erleichterung ist Viki Wolffhardt anzuhören. Das Bangen hat ein Ende. Ganze drei Jahre hat die Olympia-Qualifikation für sie gedauert, obwohl sie das Ticket eigentlich letztes Jahr schon fix in der Tasche glaubte. Doch nach der Verschiebung der Spiele wurde entschieden, dass sie in zwei Rennen ihre Form erneut unter Beweis stellen muss. Das ist nun geschehen. Beim Weltcuprennen in Prag erfüllte sie die Vorgaben und vertritt nun in Tokio Österreich in der Disziplin Kajak Einer.

Doch auch in Tschechien verlief nicht alles nach Plan. Der Hintergrund: 56 Athletinnen standen auf der Starterliste und die Regeln sahen vor, dass Wolffhardt in diesem Fall das Semifinale (Top 30) erreichen muss, um aus eigener Kraft die Qualifikation zu bestätigen. Am Renntag trat aber eine Sportlerin nicht an, was bedeutete, dass die Tullnerin unter die besten 50 Prozent (Top 27) fahren musste. Im Klartext hieß das: Nur ins Halbfinale zu kommen reichte nicht aus. Sie musste dort noch ein Rennen bestreiten und mindestens drei Konkurrentinnen hinter sich lassen.

Nur das Halbfinalereichte nicht

Wolffhardt ging naturgemäß vorsichtig an die Sache heran. Am ersten Renntag absolvierte sie einen Sicherheitslauf und verpasste die Riege der besten 20, die gleich ins Halbfinale aufsteigen. Den zweiten Lauf gewann sie dann aber souverän und war damit weiter. Unter den verbliebenen 30 musste sie nun 27. werden, um unabhängig vom Ergebnis ihrer Konkurrentin Corinna Kuhnle, die in die Medaillenränge hätte kommen müssen, in Tokio dabei zu sein. „Mein Trainer Helmut Oblinger sagte nur zu mir: ‚Du musst einfach nur alle Tore erwischen, dann hast du es geschafft.‘ Ich bin dann so einen sicheren Lauf gefahren, dass es sich ausgegangen ist, und damit war es erledigt.“ Im Endeffekt belegte sie Rang 21.

Die Freude über die erneute Qualifikation war jedoch nicht so ungetrübt wie beim ersten Mal. „Damals war ich richtig entfesselt und auch diesmal dachte ich, es wird so ein Befreiungsschlag werden. Aber es hat sich eher wie Erleichterung angefühlt und ich habe zwei Tage gebraucht, um es zu realisieren. Die Reaktionen von außen waren sehr positiv. Viele haben ja international mitbekommen, was da abgelaufen ist.“

Die kritisierten Entscheidungen des Verbandes hatten zwar Kuhnle noch eine Chance auf die Spiele eröffnet, doch auch für sie war das keine leichte Zeit: „Mit der Entscheidung (dass es eine erneute Qualifikation geben wird, Anm.) hat man es uns beiden nicht leicht gemacht. Als Sportlerin hat man sich ein bisschen wie eine Schachfigur gefühlt. Das ist nicht ideal für die Vorbereitung.“

Mit starker Migräne im Krankenhaus

Das letzte Jahr hat auch bei Wolffhardt seinen Tribut gezollt. „Die Zeit war mental unglaublich anstrengend für mich.“ Noch kurz vor dem Weltcup musste die bald 27-Jährige aufgrund starker Migräneanfälle ins Spital. Und auch die Vorbereitung für die olympischen Spiele hatte sich grundlegend geändert. Jetzt heißt es für sie aber nach vorne schauen und das aktuelle Weltcup-Rennen in Leipzig befreit fahren. „Darauf freue ich mich wirklich!“

Anfang Juli geht es dann nach Tokio, wo das Team erst nach zehn Tagen Quarantäne zum Olympischen Dorf zugelassen ist. Familie und Freunde müssen zu Hause bleiben. „Das ist natürlich sehr schade, aber ich bin einfach nur glücklich, dass die Spiele überhaupt stattfinden dürfen.“ Das Ziel ist klar und lautet bei jedem Olympioniken gleich: eine Medaille mit nach Hause nehmen. Ihre größte Konkurrentin ist die Australierin Jessica Fox, die bereits bei den letzten beiden Spielen am Podest gestanden ist. „Sie ist ein Jahrtausendtalent, unglaublich konstant und es ist sehr beeindruckend, was sie immer zeigt. Aber in unserem Sport kann alles passieren!“