Haider-Maurer verliert erstmals in Harland. Neuer Herrensieger beim 20. Walter-Lirsch-Gedenkturnier! Gregor Ramskogler schafft das bislang Unmögliche. Schwester Nina verliert aber gegen Pichler.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 28. Juli 2021 (01:44)
Tennis HArland
Seit 2004, bis auf einmal, immer in Harland dabei und erstmals ein Spiel verloren: Mario Haider-Maurers Nimbus der Unbesiegbarkeit ist dahin!
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Über ein sensationelles Starterfeld durfte sich anlässlich des Jubiläums seines Walter-Lirsch-Gedenkturniers heuer Harlands Obmann und Turnierleiter Dietmar Sedletzky freuen. Mit 39 Herren und 40 Damen (Ladies Open) war es zwar kein Rekordstarterfeld, aber vor allem das Damenfeld war beim ÖTV-Turnier des Bundesligisten TC Harland hochklassig. „Im Hauptbewerb waren alle Teilnehmerinnen unter den besten 70 Österreichs“, ist Sedletzky stolz. Weniger erfreulich: Aus verschiedenen Gründen (Verletzung, Erkrankung, …) gab es dann auch sehr viele w. o.

Bei den Herren waren mit Gregor Ramskogler und Jonas Gundacker zwei Topgesetzte am Start, die Seriensieger Mario Haider-Maurer den Titel endlich streitig machen sollten. Seit 2004 war er nur einmal nicht am Start und damals nützte Lokalmatador Markus Sedletzky die Chance zum Titelgewinn. Sonst war immer Haider-Maurer der Triumphator. Auch heuer sollte er bis zum Finale in Rekordgeschwindigkeit durchs Feld pflügen. Achtel- und Viertelfinale am Mittwoch gewann er jeweils in weniger als einer Dreiviertelstunde!

Auf Sintflut folgt doch Traumwetter

Geprägt war das Turnier aber zunächst von unglaublichen Wassermassen. Am Sonntag kann nur ganz kurz in Harland gespielt werden. Sintflutartiger Dauerregen erlaubt danach nur mehr Spiele in der Stattersdorfer Halle.

Über 100 Liter Wasser pro Quadratmeter bringen „Platzzauberer“ Dietmar Sedletzk an seine Grenzen. Die Plätze sind auch am Folgetag noch gezeichnet. Zudem streift erneut eine Gewitterfont die Anlage und unterbricht das Turnier kurz. Danach wird aber bis zur Dunkelheit gespielt. Ab Dienstag gibt es bis zum Finale am Donnerstag nur noch Hitze.

Die Lokalmatadoren können die dann guten Bedingungen aber nur bedingt nutzen: Manuel Ali unterliegt dem 14-jährigen Qualifikanten Fischer trotz 3:0-Führung in zwei Sätzen. Nico Ganser zeigt seinem Fanklub tolles Tennis, muss sich aber dem höher eingestuften Steirer Mucic 3:6, 2:6 geschlagen geben. Als letzter Harlander kämpft sich Markus Sedletzky gegen den blutjungen Milosavljevic mit 6:4, 2:6, 6:1 ins Viertelfinale. Zuvor hatte er schon dem jungen Tiroler Oberhammer beim 6:2, 6:0-Sieg keine Chance gelassen. Im Viertelfinale hat Sedletzky in einer fehlerhaften Partie seinerseits dem Vorarlberger Niklas Rohrer aber wenig entgegenzusetzen — 4:6, 2:6.

Statt erholt aus dem Urlaub in der Türkei heimzukehren, hatte er ein schreckliches Erlebnis zu verdauen. „Ein dreijähriges Kind ist im Becken unseres Hotels ertrunken. Wir haben alles hautnah miterlebt“, erklärte Sedletzky, der selbst Vater einer fast dreijährigen Tochter ist, seine Unkonzentriertheiten.

Die Achtel- und Viertelfinale am Mittwoch bringen sonst aber Tennis auf einem sehr hohen Niveau. Bei den Damen sorgt Selina Pichler, die Harland-Siegerin von 2019, für eine kleine Sensation: Sie zeigt ihr bestes Tennis und lässt der topgesetzten Anna Gröss aus Tulln keine Chance. Ebenso glatt ziehen Katarina Sopkova und Nina Plihal ins Semifinale ein. Im letzten äußerst spannend verlaufenden Viertelfinale setzt sich die für Ried spielende Nina Ramskogler gegen die Tirolerin Benko knapp mit 6:4, 7:5 durch. Haider-Maurer fertigt seinen Gegner ab, und auch die beiden Topgesetzten gewinnen klar.

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Gregor Ramskogler entthront in Harland Mario Haider-Maurer.
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Donnerstagmittags stehen dann die Semifinals am Programm. Die Steyrerin Ramskogler setzt sich gegen die an zwei gesetzte Kärntnerin Plihal sensationell glatt 6:2, 6:1 durch und im Duell der Wienerinnen hat am Ende Pichler gegen Sopkova die Nase vorn. Unkonzentriertheiten zwingen sie aber in einen dritten Satz, den sie 6:1 gewinnen kann.

Bei den Herren sind die „Semis“ eine klare Sache. Ramskogler, der heuer mit Anif in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist, und in den USA in Mississippi studiert und für die Bulldogs Collegetennis spielt, siegt klar gegen den Sedletzky-Bezwinger 6:0, 6:2. „In den USA spiele ich aber fast nur Doppel“, erzählt er. Und auch der in St. Pölten arbeitende Haider-Maurer macht mit Gundacker in seiner Mittagspause kurzen Prozess. Der an zwei gesetzte Waidhofner hat dem heuer nur an drei gesetzten Haider-Maurer nichts entgegenzusetzen — 6:2, 6:1!

Pichler verhindert das Ramskogler-Double

Bei traumhaftem Tenniswetter — windstill und sonnig, aber nicht zu heiß — gehen die hochklassigen Finals in Szene. Nina Ramskogler hatte die Ladies Open bereits 2018 gewonnen, Selina Pichler konnte dann Ramskogler 2019 bezwingen. Und Pichler, die wie Ramskoglers Bruder in den USA (Georgia) studiert und Collegetennis spielt, beherrscht mit druckvollen Schlägen und starkem Service die ebenfalls 23-jährige Ramskogler — 6:2, 6:4-Sieg!

Zeitgleich sehen die Fans auf Platz drei eine Wachablöse. In einem sehr ausgeglichenen Herrenfinale, bei dem Gregor Ramskogler den ersten Satz 6:4 gewinnen kann, scheint Haider-Maurer mit seinen gefürchteten „Psychotricks“ die Wende herbeiführen zu können. Er gewinnt den zweiten Satz 6:3. Doch im dritten Satz kommt Ramskogler mit jugendlichem Elan zurück und führt rasch 3:0. Haider-Maurer hält zwar verbissen dagegen, im letzten Game wehrt er etliche Matchbälle ab und hat selbst Breakbälle, doch Ramskogler sichert sich gegen den um 15 Jahre älteren Haider-Maurer den Satz mit 6:1. Nach dem Matchball bleibt er aber kurz mit Krämpfen liegen. „Ich wollte ihm nicht zeigen, wie schlecht es mir ging, weil ich weiß, dass Mario so etwas gnadenlos auszunützt“, gesteht Ramskogler nach dem Match.

Freunde werden die beiden Finalgegner aber so rasch nicht, zu abfällig hat sich Haider-Maurer schon mehrmals über das Spiel von Ramskogler geäußert und macht auch im Harlander Finale keine Ausnahme. Auch in Deutschland waren sie erst vor einer Woche in der 2. Bundesliga aufeinandergekracht.