LLZT St. Pölten: Mehr Abgänge als Zugänge. Nach turbulentem Corona-Jahr muss LLZT St. Pölten prominenten Abgängen verkraften.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 14. Juli 2021 (01:40)
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Die junge Rumänin Maya Mihaiescu ist eine von heuer nur fünf Neuzugängen im LLZT St. Pölten. Wegen Covid-19 war kein organisierten Scouting erlaubt.
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Das Schuljahr ist vorbei und damit erfolgt im LLZT St. Pölten auch heuer der übliche Turneraustausch. Heuer ist der Aderlass aber besonders groß.

Prominentester Abgang ist definitiv Selina Kickinger, die ihre Matura im BORGL St. Pölten erfolgreich absolviert hat und nun das Schulmodell verlässt. Dem Nationalkadermitglied steht jeder weitere Karriereschritt offen. Am Naheliegendsten ist der Wechsel in den neuen ÖFT-Bundesstützpunkt in Linz, aber auch in jedem anderen nationalen oder internationalen Zentrum, wie die Beispiele Staatsmeisterin Männersdorfer (Wechsel von NÖ nach Vorarlberg) oder dem für Tokio qualifizierte Hämmerle (er geht nach Holland) zeigen, ist die Aufnahme möglich.

„Es gibt eine gewisse Drop-out-Rate, die nicht von uns beeinflussbar ist und die uns insbesondere in der Unterstufe trifft, wenn die Interessen der jungen Talente in andere Richtungen laufen.“ Trainer Christoph Schlager

Ausgelaufen ist mit dem Ausscheiden von Kickinger aus dem Schulsystem auch der Vertrag mit deren Trainerin Agnes Hodi. „Sie hat uns immer gesagt, das sie nur noch Kickinger trainieren wolle, weshalb wir mit ihr nicht mehr geplant haben“, erklärt LLZT-Koordinatorin Martina Weinberger.

„Die Evaluierungen erfolgen transparent“

Laut Weinberger sei der Prozess, wer im LLZT aufgenommen wird, transparent einsehbar. Wie jedes Jahr erfolge eine Evaluierung des Leistungsstands der Mitglieder, die darüber entscheidet, wer weiterhin vom hoch geförderten Leistungsmodell profitieren und den Weg in den Landeskader schaffen kann. Und manchmal komme es auch zu Ausschlüssen, wenn die Trainierbarkeit nicht mehr gegeben sei, wie bei Miriam Markovic.

„Ein normaler Prozess, den wir halbjährlich durchführen, um die Qualität halten zu können“, bestätigt der sportliche Leiter Christoph Schlager. „Aber es gibt auch eine gewisse Drop-out-Rate, die nicht von uns beeinflussbar ist und uns regelmäßig, insbesondere in der Unterstufe trifft, wenn die Interessen der jungen Talente in andere Richtungen laufen.“

So hat mit dem 12-jährigen Lukas Vorstandlechner (Union St. Pölten) überraschend einer, der es schon in den Nachwuchskader geschafft hatte, bereits vor Monaten die Motivation verloren und jetzt mitgeteilt, aus dem Turnsport auszusteigen. Vorangegangen war, dass bereits zu Jahresende Ovidiu Hulea (13) mehr Zeit für die Schule brauchte und das LLZT verlassen hatte und nun mit Jeremy Balazs (13, Union Traiskirchen) auch der zweite Trainingskollege Vorstandlechners nach Innsbruck wechselt. „Er hat beschlossen, seiner Turnkarriere einen weiteren Boost zu verleihen und das Angebot anzunehmen, schon jetzt im Bundesstützpunkt beim Nationalcoach zu trainieren.

LLZT war für Balasz das rechte Sprungbrett

Der junge Katzelsdorfer wurde vor drei Jahren aus dem Hobbywettkampfsport Turn10 mit Unterstützung seines Trainers ins LLZT nach St. Pölten empfohlen, wo er die nötige Förderung durch Chefcoach Guido Zelaya und seinen Trainer Schlager erhalten hatte und es bis in den ÖFT-Nachwuchskader schaffte. Schlager weiß Balasz in Innsbruck gut aufgehoben und freut sich über diese Entwicklung.

„Auch wenn wir sehr viel in sie investieren, benötigen Turner mit so hohem täglichen Trainingsaufwand ein funktionierendes soziales Trainingsumfeld, massive familiäre Unterstützung und Vertrauen ins System. Wir haben leider zu wenig Breite an der Basis, die Fälle wie Vorstandlechner abfedern könnten“, meint Weinberger zur hohen Drop-out-Rate speziell in dieser Altersgruppe.

Durch die über lange Strecken in dieser Saison geschlossenen Trainingshallen für den Nachwuchs gab es heuer im LLZT auch nur wenige Bewerbungen und somit auch nur wenige Neuaufnahmen der Jahrgänge 2013. Doch mit Paul Schmalzl hat sich ein weiterer Turner der Union Mödling und mit Phillip Kieberger, Constantin Gurschler, Tobias Rafeiner und Maya Mihaiescu haben sich auch vier Turner und Turnerinnen von der Union St. Pölten für den Leistungssport entschieden.

„Das sind wenige, aber dafür werden im nächsten Jahr gleich zwei Jahrgänge, nämlich 2014 und 2015, ins Scouting kommen“, hofft Weinberger, dass es dann auch keine Probleme mehr gibt. Das Scouting der jungen Rumänin Mihaiescu endete mit einer Selbstanzeige Weinbergers, da sie eine Corona-Verordnung übersehen hatte. „Eine Verordnung wurde aufgehoben, sodass Maya mittrainieren hätte dürfen, aber zwei Tage später trat schon wieder die nächste in Kraft, die das untersagte.“ Für die junge Rumänin sei es aber auch wichtig gewesen, zu sehen, ob ihr das Umfeld im LLZT taugt. „Wir wussten ohnehin von ihren Trainingsvideos, dass wir sie wollen“, sagt Trainerin Sissy Lahota.