Ein grandioser Triumph für Judoclub Wimpassing. Michaela Polleres, das Aushängeschild des Judoclub Wimpassing, hat bei der Weltmeisterschaft in Budapest Geschichte geschrieben und Österreich stolz gemacht.

Von Julian Widermann. Erstellt am 16. Juni 2021 (00:34)
440_0900_372678_neu24jw_judo_action_c_ijf_.jpg
Michaela Polleres (blau) holte sich bei der Weltmeisterschaft in Ungarn Bronze.
IJF, IJF

Vor zuletzt zehn Jahren wurde einem österreichischen Judoathleten die Ehre zuteil, bei einem prestigeträchtigen Event wie einer Weltmeisterschaft das Podest zu betreten. Michaela Polleres, damals noch ein Jungspund sowie bereits unter den Fittichen ihres Mentors und Coaches Adi Zeltner, beendete in Ungarn diese schier ewig andauernde Durststrecke und gewann dank ihres beherzten Einsatzes auf der Matte die Bronzemedaille. Über das gesamte Turnier hinweg präsentierte sich die 23-Jährige in ausgezeichneter Verfassung. Bei den Olympischen Spielen in Tokio ist mit Michaela Polleres zu rechnen.

Das WM-Teilnehmerfeld war gespickt mit Stars aus der internationalen Judoszene. Gleich in Runde zwei bekam es die Wimpassingerin nach einem Freilos in der Klasse bis 70 kg gegen die Olympia-Fünfte von Rio de Janeiro Maria Bernabeu zu tun, die von der starken Polleres mit einem wuchtigen Beinfegewurf bezwungen wurde. Auch im nächsten Durchgang machte die Österreicherin kurzen Prozess mit ihrer Gegnerin Seongyon Kim und siegte bereits nach 56 Sekunden. Polleres Selbstvertrauen stieg stetig, was sie ihre Gegnerinnen in jeder Sekunde spüren ließ; so auch Australierin Aoife Coughlan, die durch Würgetechnik nach fast drei Minuten besiegt wurde. Im Halbfinale wuchs Polleres gegen die spätere Weltmeisterin Barbara Matic über sich hinaus und dominierte das Kampfgeschehen. Kräftezehrende 7:37 Minuten kämpften die Topathletinnen um den Einzug ins Finale. Doch das andauernde Vorausdenken jeder noch so kleinen Bewegung der Kroatin forderte seinen Tribut, sodass Polleres nach einer Unachtsamkeit bezwungen wurde. Jedoch war der Schützling Adi Zeltners, ihr Vereinstrainer, nach wie vor heiß auf eine Medaille. Im Bronzekampf erwartete sie schließlich die Irin Megan Fletcher. Polleres bediente sich im Zuge des Kampfverlaufs einer Aushebetechnik kombiniert mit einem Festhaltegriff, die letzten Endes zum lang ersehnten Sieg führte. Danach gab es kein Halten mehr. Bereits im Aufwärmbereich läutete ihr Handy Sturm. Polleres durchlebte eine Achterbahnfahrt der Gefühle: „Die erste Gratulantin war Klubkollegin Lisa Grabner, dann meine Eltern und Klubtrainer Adi Zeltner. Wir haben mehr geweint als gesprochen. Ich war so erleichtert und glücklich. Bei fast jeder Frage sind mir die Tränen gekommen. Ich bin stolz auf Bronze und weiß, dass ich stark genug bin, um auch Gold holen zu können“, so die Medaillengewinnerin selbstbewusst. Auch JCW-Obmann Erwin Häring machte keinen Hehl aus seiner Freude: „Diese WM-Medaille in der Allgemeinen Klasse lässt uns in neue Sphären des Erfolges hochklettern. Wir sind alle stolz auf Michi und freuen uns von ganzem Herzen über den bisher größten Erfolg in unserer Klubgeschichte!“ Und auch Adi Zeltner gibt sich zuversichtlich: „Michi hat gezeigt, dass sie bei Olympia um eine Medaille mitkämpfen kann!“