Eine Zigarette, zehn Monate bedingte Haft. Ein 16-Jähriger wurde wegen Erpressung angeklagt. Zuvor war er schon wegen schweren Raubes und Nötigung verurteilt worden.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 11. Juni 2021 (04:30)
Zigarette
NOEN, Symbolbild

Manchmal geht es vor Gericht nicht um den Wert einer Sache, sondern um die Art und Weise. Erpressung ist eines der Delikte, die diese Voraussetzung erfüllen. Wegen Erpressung war ein 16-Jähriger am Landesgericht Korneuburg angeklagt, weil er gesagt hatte: „Ich geb dir eine ins Gesicht, damit du mir eine Zigarette gibst.“ Während er bei seiner Einvernahme durch die Polizei nichts zugegeben hatte, weil er „irre Angst“ gehabt habe, verhielt er sich vor Richter Franz Furtner sehr kooperativ.

Er gestand, am 26. März in Schwechat einen jungen Mann bedrängt zu haben, um ihm die Zigarette abzupressen. Was Furtner jedoch irritierte, war, dass der junge Mann sich offenbar nicht davon beeindrucken ließ, dass er am 26. August 2020 ebenfalls in Korneuburg wegen schweren Raubes und Nötigung zu zwei Jahren bedingter Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Zum Glück für den jungen Mann wurde das Urteil erst heuer am 23. April rechtskräftig – also nach dem Tatzeitpunkt.

Jetzt auf einem guten Weg

Sowohl Verteidigung als auch die Bewährungshelferin skizzierten das Bild eines zwischen den Kulturen zerrissen Burschen. Der gebürtige Türke sei aber jetzt auf einem guten Weg. Der 16-Jährige bekräftigte dies: „Ich hab jetzt Ziele im Leben.“ Er hat seinen Hauptschulabschluss nachgeholt und Aussicht auf eine Lehrstelle: „Ich schau jetzt nur auf den geraden Weg.“ Mit der Verurteilung wegen Erpressung bleibt ihm für drei Jahre ein Rucksack von 34 Monaten bedingter Freiheitsstrafe.