Verwerten statt wegwerfen. Region Purkersdorf: Seit Gastronomie wieder geöffnet hat, bleiben mehr Lebensmittel übrig. Davor wurde viel mehr selbst gekocht.

Von Nadja Büchler und Helga Urbanitsch. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:00)
Team Österreich Tafel
Alexandra Stangl verteilt jeden Samstagabend Lebensmittel bei der Ausgabestelle der Team Österreich Tafel in Pressbaum.
Privat

Die niederösterreichische Restmüll-Analyse 2018/2019 zeigte, dass rund 28 Prozent biogene Abfälle im Restmüll landen, das sind täglich etwa 166 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle.

Um Lebensmittel vor dem Müll zu bewahren, gibt es in Pressbaum die „Team Österreich Tafel“. Die Ausgabestellen der „Team Österreich Tafel“ unterstützen Menschen in schwierigen finanziellen Lebenslagen mit kostenfreien Lebensmittelspenden. Diese werden von Supermärkten oder Lebensmittelhändlern zur Verfügung gestellt. Neben dem sozialen Engagement wird dadurch auch ein wichtiger Beitrag gegen die Lebensmittelverschwendung geleistet.

„Wir holen jeden Samstag, kurz vor Geschäftsschluss, die Lebensmittelspenden von den Geschäften ab, und verteilen diese am Abend in unserer Ausgabestelle in Pressbaum“, erklärt Alexandra Stangl von der Team Österreich Tafel das Prozedere. Während der Lockdowns hatten sich die Mengen der Spenden deutlich reduziert. „Seit die Gastronomie wieder geöffnet hat, bekommen wir mehr Lebensmittel gespendet. Davor haben die Menschen selber viel gekocht und es ist nicht so viel übrig geblieben“, berichtet Stangl. In den wöchentlichen Statistiken der Team Österreich Tafel fallen Abweichungen rasch auf. „In diesen Fällen nehmen wir Kontakt auf und klären die Ursache. Oftmals geht es um fehlende Informationen nach einem Wechsel des verantwortlichen Personals“, erzählt Stangl.

Problematik beginnt bereits am Feld

Robert Grass, Inhaber der Grasslerei in Tullnerbach, sieht die Lebensmittelverschwendung nicht nur im Haushalt, sondern bereits am Feld. „Die Vorgaben an die Produzenten sind oftmals skurril. Ist die Gurke nicht gerade genug, darf sie nicht verkauft werden“, sieht Grass solche Vorgaben sehr kritisch. Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, war ein wichtiger Punkt in der Umsetzung seines Geschäftskonzepts.

„Einzelpersonen sind die ‚normalen‘ Mengen in den Supermärkten oftmals zu groß. Bei uns kann man zum Beispiel auch nur drei Stück Erdäpfel oder den Reis in kleiner Menge kaufen“, erklärt Grass. An der Käse- und Wursttheke rät Grass seinen Kunden lieber zu kleineren Mengen – auch wenn er andersrum mehr Geschäft machen würde. „Es ist besser die Lebensmittel frisch zu essen und nicht tagelang große Mengen im Kühlschrank zu horten“, ist Grass von diesem Vorgehen überzeugt. Aktionen in Supermärkten, bei denen fünf Stück zum Preis von drei angeboten werden, sieht Grass als falsche Entwicklung. Der Überschuss vom Einkauf wird mitunter auch in den Tiefkühler abgeschoben, und dann dort vergessen.

„Wenn ein Lebensmittel gut riecht und gut schmeckt, gibt es keinen Grund, es nach Ablauf des Mindeshaltbarkeitsdatums nicht zu essen.“ Katharina Hauser

Frische Lebensmittel, die am Samstag nach Geschäftsschluss überbleiben, werden von Grass zuhause als Eintopf, Auflauf oder Strudelfülle verkocht.

Um wertvolle und genießbare Lebensmittel vor dem Abfall zu retten, gibt der Gemeindeverband für Abfallbeseitigung Tulln, kurz GVA, seit Jahren in der Verbandszeitung „Umweltinfo“ vielfältige Tipps. Diese reichen von Anregungen zur richtigen Einkaufsplanung über die Lagerung und Haltbarmachung von Lebensmitteln bis hin zu Restl-Kochrezepten.

„Gerade beim Mindesthaltbarkeitsdatum bemerken wir, dass viele Missverständnisse bestehen. Viele Konsumentinnen und Konsumenten verlassen sich zu wenig auf ihre eingebauten Kontrollorgane wie Augen, Nase und Mund“, erklärt Abfallverband-Geschäftsführerin Katharina Hauser.

Weiters appelliert die Geschäftsführerin an den Hausverstand der Konsumenten: „Wenn ein Lebensmittel gut aussieht, gut riecht und gut schmeckt, gibt es keinen Grund es nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht zu essen.“

Durch richtiges und sortenreines Trennen und Sammeln von Abfällen trägt jeder Einzelne auch zur Ressourcenschonung und zum Umweltschutz bei.

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