Polizei gegen Testmuffel in der Gastronomie. Immer häufiger kommen Gäste ohne 3G-Nachweis. Der Kirchberger Wirt Hubert Kalteis fordert mehr Kontrollen der Exekutive, um einen weiteren Lockdown zu verhindern.

Von Nadja Straubinger, Gila Wohlmann und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 04. August 2021 (04:25)
Hubert Kalteis
Haubenkoch Hubert Kalteis lässt den Nasenabstrich von seiner Tochter Sophie aber über sich ergehen.
privat

Mit einem Hilfeschrei wendet sich Haubenkoch Hubert Kalteis an die NÖN-Redaktion. Er fürchtet einen neuerlichen Lockdown im Herbst und appelliert daher an die Vernunft seiner Kollegen und die Gäste.

„Es entwickelt sich gerade eine ganz gefährliche Situation in unserer Branche“, warnt Kalteis. Ihm fällt auf, dass vermehrt Gäste in seinen Betrieb kommen, die weder getestet noch geimpft sind. Und das obwohl nur wenige Meter von seinem Gasthaus entfernt eine Apotheke Schnelltests anbietet. Werden die ungetesteten Gäste dazu aufgefordert, einen 3G-Nachweis vorzuweisen, verlassen sie wortlos das Lokal und versuchen ihr Glück beim nächsten Wirt. „Teilweise erfolgreich“, wie Kalteis mehrmals feststellen musste. Bei ihm hätten Testmuffel selbstverständlich keine Chance. Die mangelhafte Kontrolle einiger Kollegen sieht er aber sehr problematisch und fürchtet ein neuerliches Auflodern der Corona-Infektionszahlen. „Es ist sehr kurzsichtig, wenn die Lokalbesitzer die aktuelle Situation nicht ernst nehmen. Nur gemeinsam können wir die Krise überwinden.“

Bei einem neuerlichen Lockdown würde es wohl keinen Umsatz- oder Gewinnersatz für Gastronomen mehr geben. „Das wäre bestimmt das Aus für viele Betriebe“, so Kalteis. Damit es nicht so weit kommt, fordert er mehr Kontrollen durch die Behörde und die Polizei.

Schwerpunktkontrollen im gesamten Bezirk

Verstärkte Kontrollen im gesamten Bezirk kündigt Bezirkshauptmann Josef Kronister an. Sollten dabei Personen erwischt werden, die keinen 3G-Nachweis erbringen können, wird gestraft. Das Strafmaß liegt bei 90 Euro, sollte das Organmandat aber nicht beglichen werden, droht ein Strafverfahren, das wesentlich teurer ist. Mit Strafen im vierstelligen Bereich müssen Gastronomiebetriebe rechnen, die ihre Gäste nicht kontrolliert haben. „Dass diese Kontrollen machbar sind, haben bereits diverse Zeltfeste gezeigt. Da wurde vorbildlich kontrolliert“, lobt Kronister. Wenig Lob gibt es hingegen für einige Betriebe im Raum Herzogenburg, wo bei einer Schwerpunktkontrolle gleich vier Anzeigen erstattet wurden.

Bei einigen Lokalen gab es keine Überprüfung der 3G-Regel, keine Registrierung der Gäste oder beides nicht. Zwei Gastrobetriebe müssen erst ein Präventionskonzept nachreichen. Es gibt aber auch Betriebe, „die vorbildlich agieren“, wie Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler hervorhebt. Die Exekutive nimmt die Kontrollen mit der Gesundheitsbehörde vor; ein Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft ist dabei. Die Beamten erscheinen in den Lokalen sowohl uniformiert als auch in Zivil. Die Reaktionen der Wirte auf die Kontrollen seien unterschiedlich. „Dort, wo alles passt, werden diese auch begrüßt“, sagt Pichler. Bei Verstößen werden Gastronomen wie auch Gäste angezeigt.