Zehn Kinder in Hofstetten für Schuljahr abgemeldet. Bildungsdirektion ortet vermehrt Meldungen für den häuslichen Unterricht im kommenden Schuljahr. Einer der Hotspots ist in Hofstetten-Grünau.

Von Denise Schweiger, Nadja Straubinger und Michael Bouda. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:30)
Schule Hofstetten-Grünau
Gemeindevertreter vermuten, dass Maskenpflicht und Tests die Gründe für die Abmeldungen in der Schule Hofstetten-Grünau sind. 
Helmut Kargl

Hofstetten-Grünaus Bürgermeister Arthur Rasch ist besorgt: Zehn Kinder wurden für das kommende Schuljahr von den Eltern aus dem Regelunterricht abgemeldet – für den häuslichen Unterricht. „Wir haben sogar schon einen Antrag auf Heimunterricht für das verpflichtende Kindergartenjahr“, bedauert Rasch und weist darauf hin, dass viel in das Schulgebäude und den Kindergarten investiert wurde. „Wenn diese dann halbleer stehen, versteht das die Gemeindevertretung nicht.“ Verständnis hätte er, wenn es Probleme mit dem Lehrkörper gebe, dann könne man nach einer Lösung finden. „Aber den Kindern die sozialen Kontakte zu nehmen wegen der Tests und einer Maskenpflicht in der Schule, das verstehe ich nicht“, sagt Rasch.

„Wir haben vermehrt Abmeldungen aus der Regelschule für den häuslichen Unterricht. In der Bildungsregion vier, zu der auch St. Pölten-Land zählt, sind es laut aktuellem Stand 215 Anträge für dieses Schuljahr. Das ist alarmierend“, bestätigt auch Bildungsdirektor Johann Heuras. Neben der Testpflicht als Ursache für die Abmeldung fürchten viele Eltern die Einführung einer Impfpflicht. „Wenn ein Schuljahr begonnen hat, ist die Abmeldung nicht mehr möglich, eine Rückkehr aus dem häuslichen Unterricht in die Schule jedoch schon“, vermutet Heuras, dass die Kinder als „Vorsichtsmaßnahme abgemeldet werden“. Heuras gibt aber zu bedenken, dass mit einem solchen Schritt den Kindern die sozial-emotionale Entwicklung genommen werde.

„Ob das gut und gescheit ist, stelle ich schon in den Raum“, so der Bildungsdirektor. Das bestätigt auch Bildungsgemeinderätin Angela Hollerer-Hasengst aus Hofstetten-Grünau: „Wir wissen aus der Forschung, dass Lernen immer im Diskurs mit einem Gegenüber entsteht – mit anderen, ganz unterschiedlichen Kindern und Lehrpersonen. Werden Kinder zu Hause unterrichtet, wird ihnen dieser soziale Aspekt von Bildungseinrichtungen als wesentlicher Gelingensfaktor von Lernen vorenthalten.“

„Den Kindern die sozialen Kontakte zu nehmen wegen der Tests und einer Maskenpflicht in der Schule, das verstehe ich nicht.“ Arthur Rasch, Bürgermeister Hofstetten-Grünau

Die Sorge einer Schulschließung besteht derzeit nicht, denn Bildungsdirektor Heuras betont: „In der Dimension sind wir noch nicht.“

In den anderen Pielachtalgemeinden kennen die Bürgermeister dieses Problem noch nicht. St. Margarethen ist bisher ebenso nicht betroffen. Im Bezirk Melk jedoch gibt es in Kilb fünf Abmeldungen. „Es ist nie von Vorteil, wenn weniger Kinder in die Schule gehen“, verweist ÖVP-Ortschef Manfred Roitner darauf, dass es nun in einem Jahrgang zu einer Klassenzusammenlegung kommen könnte.

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