Immo-Trends nach Corona: Wohnen wird wichtiger. Lage und Qualität von Wohneinheiten gewinnen laut Experten an Bedeutung, Büros verlieren.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 16. Juni 2021 (05:08)
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Aktuell eine der größten Wohnbau-Baustellen in NÖ: Alpenland baut am Mühlbach in St. Pölten bis 2023 ein Quartier mit 260 Wohnungen.
Daniel Lohninger, Daniel Lohninger

Die Corona-Pandemie steuert auf ihr Ende zu, die Krise aber nicht. Doch welche Auswirkungen haben die vergangenen Monate darauf, wie wir wohnen und leben? Damit beschäftigen sich über 300 Expertinnen und Experten am 23./24. Juni beim Bundestag der Immobilienwirtschaft, der erstmals in St. Pölten stattfindet. Die NÖN bringt den Überblick über die Immo-Trends nach Corona:

Wohnen ist wichtiger geworden

Die Corona-Pandemie brachte es mit sich – der Stellenwert des Wohnens ist gestiegen.

Georg Edlauer
Georg Edlauer
zVg

„Wir verbringen mehr Zeit in der Wohnung, weniger im Büro. In einem gewissen Umfang wird das auch so bleiben“, fasst Georg Edlauer, Fachverbandsobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, zusammen. Die Folge: Die Nachfrage nach Wohnraum steigt – sowohl in Miete als auch in Eigentum. Auf 1,3 Milliarden Euro belief sich im Vorjahr das Transaktionsvolumen – 50 Prozent mehr als 2019. Schwieriger wurde der Markt hingegen bei Handelsimmobilien.

Große Nachfrage nach Garten, Balkon und Terrasse

Der Wunsch nach Haus mit Garten, aber auch nach Wohnung mit Balkon oder Terrasse ist in der Pandemie stärker geworden. Davon profitiert Niederösterreich in besonderem Ausmaß – Wiener zieht es noch stärker als zuvor in den Speckgürtel, aber auch in die Städte St. Pölten und Wiener Neustadt.

Johannes Wild
Johannes Wild
J. u. E. Wild Immobilientreuhänder GmbH

Selbst die Peripherie profitierte von diesem Trend, wie Fachgruppenobmann Johannes Wild weiß: „Bisherige Sorgenkinder wie das Waldviertel sind fast ausverkauft.“

Befeuert wurde dieser Trend auch durch Niederösterreicher, die von Wohnungen in Häuser ziehen. Wohnungen ohne Balkon oder Terrasse seien am Markt hingegen weniger gefragt.

Lage gewinnt an Bedeutung

Die gute Anbindung an das Öffi-System, aber auch an ein hochrangiges Straßennetz ist in der Pandemie wichtiger geworden – die Nähe zum Arbeitsplatz weniger. „Wenn man nur mehr drei oder vier Tage ins Büro fährt, ist man auch bereit, eine Viertelstunde mehr Fahrtzeit in Kauf zu nehmen“, betont Edlauer. Wichtiger seien hingegen das Erholungs- und Freizeitangebot, aber auch die Bildungsmöglichkeiten am Wohnort geworden.

Kunden wollen klimaschonender wohnen

Immer mehr Mieter und Käufer schauen bei ihrer Wohnung darauf, dass der ökologische Fußabdruck so gering wie möglich ist. Energetische Adaptierungen, optimierte Energiesysteme, die Begrünung von Gebäuden sowie vertikale Verdichtungen, um die Bodenversiegelung so gering wie möglich zu halten, sind deshalb ein Gebot der Stunde, betont Edlauer. Wild ergänzt: „Wesentlich mehr sollte auf die Elektromobilität gedacht werden, also auf Ladestationen und Photovoltaik.“

Leistbares, aber nicht preiswertes Wohnen

Verglichen mit anderen Regionen Europas ist Wohnen in Niederösterreich fast überall leistbar – im Schnitt wendet eine Familie ein Drittel des Einkommens dafür auf. Allerdings: Preiswerte Wohnungen sind selten geworden. Schuld daran ist auch die ausufernde Bürokratie, meint Wild: „Die Flut an Verordnungen, Gesetzen und Normen ist eine der größten Herausforderungen.“ Dazu komme, dass die neue Raumordnung eine Bauland-Verknappung bringen werde und die Nebenkosten seit Jahren deutlich steigen.