Ära geht zu Ende: Deiser folgt Schöls. 42-jähriger Korneuburger oberster Gewerkschafter der öffentlich Bediensteten.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 16. Juni 2021 (03:08)
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Matthias Deiser ist neuer Vorsitzender der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD).
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In der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) ging gestern eine Ära zu Ende: Nach 32 Jahren an der Spitze trat Langzeit-Vorsitzender Alfred Schöls nicht mehr zur Wahl an. Neuer Vorsitzender der mit knapp 67.000 Mitgliedern stärksten Teilgewerkschaft des ÖGB in Niederösterreich ist Matthias Deiser (FCG). Der 42-jährige Korneuburger wurde beim GÖD-Landeskongress im Arbeitnehmerzentrum in St. Pölten mit 99,3 Prozent zum Nachfolger von Schöls gewählt, als Stellvertreter Christian Rametsteiner (FCG) und Helmut Trapper (FSG).

„Ich stehe für ein konstruktives Miteinander mit den Dienstgebern, aber auch dafür, dass ich mir manchmal kein Blatt vor den Mund nehme“, beschreibt sich Deiser selbst. Generell sieht er vor allem bei den Landesvertretungen eine „sehr konstruktive Zusammenarbeit“ zwischen Gewerkschaft und Dienstgeber. Der hohe Organisationsgrad der GÖD helfe, den Wünschen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch Gehör zu verschaffen. Ein Beispiel dafür ist das Recht „auf altersgerechtes Arbeiten“, das es bislang nur im Landesdienst in Niederösterreich gibt.

Die Zukunft bringt aber erhebliche Herausforderungen. „Der Öffentliche Dienst war in der Corona-Pandemie das zuverlässige Rückgrat des Staates und hat eindrucksvoll seine Leistungsfähigkeit gezeigt. Die Einsparungen nach der Krise dürfen also nicht zulasten der öffentlich Bediensteten erfolgen“, legt sich Deiser fest. Stattdessen müsse sich der Öffentliche Dienst wieder stärker als attraktiver Arbeitgeber ins Bewusstsein bringen, bedenkt man, dass bis 2031 jeder dritte Landesbedienstete und jeder zweite Bundesbedienstete in Pension geht.

Handlungsbedarf sieht Deiser auch beim Thema Digitalisierung. „Homeoffice“ habe sich zwar bewährt, berge aber auch Tücken: „Wir müssen Vorkehrungen treffen, damit Homeoffice nicht dazu führt, dass Berufs- und Privatleben schleichend zu einer Einheit verschmelzen.“