Sommertheater in NÖ: Hölle, Himmel und zurück. Diese Woche starten Niederösterreichs Sommertheater endlich die Premierenmotoren – vom Lastwagen bis zum Festspielhof.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 26. Mai 2021 (05:28)
Sommertheater
Schräg, schrill und garantiert komisch: Wolfgang Lesky (links) und Herbert Steinböck als Zaza und Georges in Jean Poirets „Käfig voller Narren“ auf der Rosenburg. Außerdem ab 24. Juni im Theaterzelt zu sehen: Michael Duregger, Elisabeth und Amelie Engstler, Babett Arens und Florentin Groll. 
Martin Hesz

Die Proben? Sind schon mitten im Laufen. Die Karten? Sind schon mitten im Verkauf. Die Termine, die Sitzpläne, die Hygienekonzepte? Sind durchgeplant.

Und die Premieren? Die starten diese Woche, genauer: diesen Mittwoch endlich ihre Motoren. Denn: Der Sommer gehört dem Theater. Und Niederösterreichs Sommertheater geben nach vielen Absagen und noch mehr Verschiebungen im Vorjahr heuer kräftig Gas.

Die ersten haben ihren Theaterlastwagen schon beladen. Mit Nestroy („der hätte sicher auf einem Lkw gespielt“, so Max Mayerhofer vom Lastkrafttheater), mit „Höllenangst“ („die Hölle haben wir hinter uns, als wir nicht spielen konnten“). Und mit einem ganzen Hänger voller Tourtermine. Gestartet wird am 26. Mai in Kaltenleutgeben.

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Horvath mit Michaela Ehrenstein, Gerhard Karzel und Martin Gesslbauer in Sitzenberg
Anna Zehetgruber

Gut eine Woche später, ab 4. Juni , irrt Horvaths staatenloser Ferdinand bei Martin Gesslbauer im Sitzenberger Schlosshof „Hin und Her“, während Lukas Johne im Puchberger Kurpark seinen Orest in den Familienabgrund schickt. Und am Sonntag darauf, dem 13. Juni , feiert auch NÖs Theaterfest, der Dachverein der meisten von NÖs Sommertheatern, seine erste Premiere und startet Adi Hirschals „Raumschiff“ in der Laxenburger Franzensburg.

In der Melker Wachauarena feiert Alexander Hauer heuer endlich Geburtstag (den 60. der Sommerspiele), fragt sich ab 16. Juni „Wie wir leben wollen“ und ab 7. Juli „Kann denn Liebe Sünde sein?“ Auf der Rosenburg öffnet Nina Blum ab 24. Juni ihren „Käfig voller Narren“, während Kristina Sprenger in Berndorf „Schneewittchen“ zu den sieben Zwergen schickt und Peter Gruber ab 26. Juni im Schwechat er Schloss Rothmühle Nestroys „Charivari“ entwirrt.

Sommertheater
Nestroy mit Rainer Doppler, Oliver Baier und Michelle Haydn in Schwechat
Bernadette Dewald

Im Asparner Filmhof lässt Michael Rosenberg ab 29. Juni Neil Simons „Letzten der feurigen Liebhaber“ scheitern, im Perchtoldsdorfer Burghof macht sich Michael Sturminger ab 30. Juni an Kleists „Zerbrochnen Krug“, und am Haager Hauptplatz gibt Christian Dolezal ab 30. Juni Nestroys „Zerrissenen“. Im Klosterneuburger Kaiserhof beschwört Michael Garschall ab 3. Juli Verdis „Macht des Schicksals“, und in der Mödlinger Innenstadt erzählt Andreas Berger ab 4. Juli „Geschichten aus dem Wienerwald“.

In der Schilterner Gartenarena trifft Werner Auers „Ritter Rost“ heuer ab 7. Juli auf ein Gespenst“, in der Badener Sommerarena feiert Michael Lakner ab 8. Juli „Eine Nacht in Venedig“, während Peter Edelmann auf der Mörbischer Seebühne zur „West Side Story“ bittet und Nina Blum im Poysbrunner Schloss das nächste „Schneewittchen“ verzwergt.

In Amstetten feiert Alex Balga mit Gloria Estefans „On Your Feet!“ ab 14. Juli endlich Einstand, während Daniel Serafin in St. Margarethen Puccinis „Turandot“ gibt. Im Weißenkirchner Teisenhoferhof feiert Marcus Strahl ab 20. Juli „Rosarote Hochzeit“, in der Absberger Kellergasse zwitschert Luzia Nistler ab 21. Juli „Es war die Lerche“, und in der Waidhofner Eishalle inszeniert Anna Katharina Bernretier ab 22. Juli Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“.

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Torberg mit Marcus Strahl und Angelo Konzett in Weißenkirchen
Sam Madwar

In Langenlois spielt Christoph Wagner-Trenkwitz ab 28. Juli endlich seinen Frosch in der „Fledermaus“ – und feiert auch noch 25-jähriges Festspiel-Jubiläum, in Baden lässt Michael Lakner ab 30. Juli Lehárs „Eva“ tanzen. In Kirchstetten singt Rossinis „Il Signore Bruschino“ ab 31. Juli Open air, während man in Wagram ab 31. Juli ins „Tal des Todes“ reitet.

In Berndorf bittet Kristina Sprenger ab 3. August zur „Ladies Night“, in Perchtoldsdorf setzt Bernd Bienert ab 12. August „La Corona“ in Szene, und in Mödling bringt Norberto Bertassi ab 13. August seine „Little Women“ auf die Bühne, während sich Bruno Max ab 15. August im Bunker in Richtung „Utopia“ aufmacht. In Artstetten blickt der Lechner Edi ab 28. August „ins Paradies“, und in Weißenkirchen zieht ab 3. September noch der „Schüler Gerber“ in den Festspielhof.

Und die anderen? Die haben ihre großen Produktionen heuer noch einmal verschoben. Und bringen statt dessen „kleines“ Sommertheater. In Gars etwa zeigt Johannes Wildner statt seiner „Carmen“ (die kommt erst 2022) ab 15. Juli eine Spezialfassung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“. In Gutenstein wärmt sich Neo-Intendant Johannes Krisch mit einem „Prolog“ ab 29. Juli für den nächsten Raimund 2022 auf. In Staatz singt Werner Auer statt „Sister Act“ (auch das 2022) ab 23. Juli „The Show must go on!“. Und in Stockerau spielt Christian Spatzek ab 29. Juli statt Feydeaus „Floh im Ohr“ Hermann Leopoldis „Einmal im Jahr…“.

Gar nicht spielen 2021 nur drei, unter Niederösterreichs Sommertheatern: Alexander Löffler in Retz, Peter Hofbauer in Weitra. Und: Renate und Peter Loidolt in Reichenau, die ja gerade erst die Festspiele abgesagt und auch gleich ihre Intendanz zurückgelegt haben.