60 Jahre Sommerspiele: „Wir bereuen nichts!“. Alexander Hauer, Melker Theater-Macher & Sommerspiele-Leiter, sprach mit Michaela Fleck über Neugier, Alter, Sünden und Reue.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 16. Juni 2021 (03:11)

NÖN: Diesen Mittwoch feiern die Melker Sommerspiele ihre erste Premiere. Und einen recht runden Geburtstag. Wie wird die Premiere? Und was gibt’s zum Geburtstag?

Alexander Hauer: Ständchen brauchen wir keines [lacht]! Aber es wird eine wirklich besondere Premiere!

„Die Zehn Gebote“, die Sie sich eigentlich schon für letztes Jahr vorgenommen hatten, klingen ja nicht unbedingt nach Geburtstagskost mit Schlagobers obendrauf. Wird da bereut? Oder wird da gar gesündigt?

Hauer: Wir bereuen nichts! Es wird auch nicht gesühnt und nicht gesündigt! Ich wollte einfach mit Autoren arbeiten, die schon mal da waren, und ein paar neuen dazu. Dadurch waren’s plötzlich zehn, und Paulus Hochgatterer [Anm.: einer der zehn] und ich waren der Meinung: Dann muss es der Dekalog sein!

Zehn Gebote, zehn Autoren, zehn Stücke – wie bringt man die zusammen? Und das Alte Testament in die Wachauarena?

Hauer: Das passt dorthin! Und es geht eigentlich um die grundlegenden Fragen des Zusammenlebens. Es sind zehn komplett unterschiedliche Dramolette, zehn verschiedene Sprachen, zehn verschiedene Kostüme, die wir heuer alle upgecycelt haben. Und es sind acht Schauspieler fast die ganze Zeit auf der Bühne. Das war natürlich für die Autoren und die Darsteller schwierig.

Gibt’s auch einen Erzähler?

Hauer: Ich hab’ einen erzählerischen Rahmen gebaut. Und es gibt einen Musiker, der dafür Songs geschrieben hat und auf der Bühne sitzt und Musik macht: Otto Lechner.

Große Themen und große Stoffe gab es schon immer in Melk, von Shakespeare bis Umberto Eco und „Krieg und Frieden“ bis „Babylon“. Ist das 60. das Projekt der Projekte?

Hauer: Nein. Das beste Kunstwerk war für mich die „Apokalypse“, das spektakulärste die „Göttliche Komödie“. Die „Zehn Gebote“ sind jetzt einfach notwendig!

Was wünschen Sie sich, zum Geburtstag?

Hauer: Ich wünsch’ mir, dass wir neugierig bleiben und das Festival nicht altert, sondern immer jünger wird.

www.sommerspielemelk.at