Der Radler. Seit nunmehr 30 Jahren verfasst Otti Schwarz erfolgreich humorige Gschichtln, Gedichte und Anekdoten - vorwiegend in österreichischer Mundart. Seine besten Werke präsentiert er ab sofort auch Woche für Woche auf NÖN.at.

Von Otti Schwarz. Erstellt am 19. Juni 2021 (07:00)
Otti Schwarz
Otti Schwarz
Fotostudio Helmreich, 1010 Wien

DER RADLER
 
Ein Radl ist ein Drahtgefährt.
Darauf - vorerst noch unversehrt -
Der Radler. Motiviert und keß
Im leuchtfarbigen Strampel-Dreß!
 
Es ziert den Kopf vom Radler-Ritter
So ein Sturz-Kopf-Schutz-Leder-Gitter,
Welches – zwar modisch nicht betört -
Im Fall des Sturzes sich bewährt!
 
Ein Radler denkt, er müßt jetzt radln:
Massiert gleich kräftig seine Wadln,
Stärkt raffiniert sich isotonisch,
Packt ein des Werkzeug, welches konisch,
 
Erklettert sein Veloceped,
Weil es sich besser fährt als geht!
Schnell küßt er innig Weib und Kind
- Weil die ja bald alleine sind -,
 
Und saust schon, pedalös und kühn,
In Richtung > Wienerwald dahin!
Es wäre jedoch keine Radtour
(halb zehn ists eben auf der Kirch-Uhr),
 
Do platzt ihm mit dezentem Knall
Ein Schlauch. Der aundre ist noch prall.
Sich schwingend von den Drahtgerüste,
Erwachen in ihm  > Flickgelüste!
 
Und bald schon bläst mit großer Lust
Den Pneu er auf zu neuem Wust!
Dann sitzt er auf und strampelt heiter
Mit hemmungsloser Inbrunst weiter!
 
Tief abgeduckt, weit vorgebeugt
(nicht ahnend, daß die Bremse streikt),
Läßt er den Renner abwärts zischen:
Die Kurve..die muß er gut erwischen!
 
Nur fehlt ihm leider noch der Faktor,
Daß sich dortselbst bewegt ein ...Traktor!
Die Lenkbewegung wird ..artistisch
Die Fortbewegungsart...ballistisch!
 
Schon fliegt der so getäuschte Radler
In Segelstellung, wie ein Adler,
Und klatscht, wie eine kranke Fliege,
An eine Tür samt Kellerstiege!
 
Sein Drahtgefährt wird massakriert.
Ihm selbst, Gott Lob, ist nix passiert!
Daraufhin macht der Radler kehrt
Und sammelt ein sein Drahtgefährt!
 
Gleichgültig schluckt der Müllcontainer
Den einstmals chromverzierten Renner!
Indes, der Radler fühlt verbittert,
Daß seine Strampel-Lust zerknittert!
 
Und die Moral von der Geschicht?
Fahre nie ohne Aussicht nicht!
Denn: wer zu schnell durchs Leben fegt,
Riskiert, daß irgndwaunn eam zerlegt!