Aufstand der Hausärzte. Zu wenig Zeit für Patienten, in Krise übergangen: NÖ-Allgemeinmediziner sind unzufrieden. Mit Verein wollen sie sich und ihren Anliegen Gehör verschaffen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 28. Juli 2021 (05:18)
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Klagen von Hausärzten wurden in der Krise lauter. Beim Impfen und Testen fühlten sich viele Allgemeinmediziner übergangen. So auch Max Wudy, der eine Ordination in Bad Vöslau (Bezirk Baden) betreibt: „Sogar beim Wirten gibt es Gratis-Tests. Wir waren die einzigen, die nicht kostenlos testen durften. Außerdem haben wir kaum Impfstoff bekommen.“

Die fehlende Anerkennung der Hausärzte brachte für ihn und einige Kollegen das Fass zum Überlaufen. Acht Ärzte aus NÖ gründeten die Initiative „Hausarzt konkret“. Damit wollen sie ihren Anliegen Gehör verleihen und die Rahmenbedingungen verbessern, um auch dem (Land-)Ärztemangel entgegenzuwirken.

Hausarzt konkret
Die „Hausarzt konkret“-Gründer: Karoline Tauchmann (Weitra), Jonna Feyertag-Leidl (Waidhofen/Ybbs), Florian Hoffer (Petzenkirchen), Katja Kern (St. Valentin), Max Wudy (Bad Vöslau), Elisabeth Skodler (Mannersdorf), Bernhard Harb (Herzogenburg).
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Aufgestaut hat sich der Ärger nicht erst seit Corona. Missstände finden sich viele, meint Katja Kern, Ärztin in St. Valentin (Bezirk Amstetten). Die Initiative kritisiert das veraltete System und unpassende Honorarwesen. „Ich möchte nicht sagen, dass man wenig verdient“, meint Wudy. „Aber, um ein passables Einkommen zu haben, muss ich pro Tag bis zu 200 Patienten behandeln.“ Er wünscht sich, dass Kassenärzte Zeit haben für Gespräche. Gleichzeitig meint er, dass die öffentliche Hand für Infrastruktur in Ordinationen aufkommen sollte. „Für Feuerwehren werden ja auch Gebäude gebaut.“

Von ihrer Standesvertretung, der Ärztekammer, fühlen sich die Mediziner im Stich gelassen. Dass Wudy als stellvertretender Kurien-Obmann selbst Teil der Kammer ist, ist für ihn nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. „Die Allgemeinmediziner machen acht Prozent der Ärzte aus. Wir sind zu wenige, um gehört zu werden.“ „Hausarzt konkret“ soll sich zum überparteilichen Verein für sämtliche Hausärzte entwickeln. In den ersten Wochen sind 50 beigetreten.

Die Ärztekammer widerspricht dem Vorwurf, dass die Interessen nicht genug vertreten werden. „Gerade in der Pandemie waren die Hausärzte besonders gefordert, weshalb sie höchste Aufmerksamkeit und Unterstützung erhielten.“