Lechner: „Corona ist etwas Alltägliches geworden“. Dass Virus subjektiv an Gefährlichkeit verlor, ist für NÖ Sanitätsdirektorin Irmgard Lechner Gefahr. Ob es neuen Lockdown braucht, zeige sich.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 04. August 2021 (05:50)
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Nachrichten über die Delta-Variante, verschärfte Reisebestimmungen und ein Riesen-Party-Cluster trüben den unbeschwerten Sommer. Einige Menschen blicken besorgt auf den Herbst. Ob man die gerade zurückerlangte Freiheit bald wieder aufgeben muss?

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Irmgard Lechner ist Chefin des Corona-Krisenstabs in NÖ.
NLK/Pfeiffer

Was auf uns zukommen wird, traut sich Sanitätsdirektorin Irmgard Lechner, die in NÖ über Corona-Zahlen wacht, noch nicht vorherzusagen. „Ich glaube nicht, dass wir im Herbst einen neuerlichen Lockdown haben“, schätzt Lechner vorsichtig. Danach seufzt sie. „Wir müssen aber noch ein bis zwei Wochen zuwarten, dann kann man die Lage besser einschätzen.“ Momentan steigen die Zahlen jedenfalls weiter. „Die Auslastung in Krankenhäusern und auf Intensivstationen ist aber gering, die Situation ist also noch nicht besorgniserregend“, erklärt Lechner.

Sorge bereiten dem NÖ-Krisenstab momentan vor allem Reiserückkehrer. Zuletzt steckten sich rund 80 Jugendliche bei einem Festival auf der kroatischen Insel Pag an. Das Contact Tracing stellt die Behörden nicht nur in dem Fall vor eine Herausforderung. Nur noch wenige Menschen geben ihre Kontaktpersonen an. „Corona ist etwas Alltägliches geworden und hat an Gefährlichkeit verloren“, interpretiert Lechner. Genau davon gehe nun die Gefahr aus.

„Hätte FFP2-Masken im Handel gelassen“

Die Antwort auf die Frage, ob man Veranstaltungen wie die 19.000-Menschen-Beachparty zu früh wieder ermöglicht hat, fällt Lechner schwer. „Natürlich wäre man auf der sicheren Seite, wenn man Großveranstaltungen noch absagen würde. Aber man kann die Leute nicht ewig einsperren. Gerade die Jungen brauchen ein Ventil.“

Nicht glücklich ist Lechner jedoch über die großen Lockerungen bei der Maskenpflicht: Am 22. Juli fielen im Handel alle Masken. Ein Mund-Nasen-Schutz ist nur noch in Geschäften des täglichen Bedarfs und Öffis zu tragen. „Für Handelsangestellte ist die Maske im Sommer eine Qual. Bei den Kunden hätte ich die FFP2-Maskenpflicht aber gelassen.“

Als große Herausforderung sieht Lechner die Frage, wie man noch zögernde Menschen zur Impfung bewegen könne. Um tatsächlich geschützt zu sein, müsse die Durchimpfungsrate bei der Delta-Variante nämlich über 70 Prozent betragen. Aktuell liegt NÖ bei 60 Prozent. „Wir müssen jetzt alles daran setzen, noch mehr Menschen zu überzeugen.“ Zahlen, die zeigen, dass ein Drittel derer, die sich im Juli angesteckt haben, vollimmunisiert war, bereiten Lechner kein Kopfzerbrechen. „Viele haben keine Symptome und sind kaum infektiös.“

Insgesamt ist die Medizinerin überzeugt, dass Corona uns weiter begleiten wird. „Mit einer geringen Anzahl an Infizierten werden wir leben müssen.“ Wie das ohne große Einschränkungen funktionieren soll? Neben einer steigenden Durchimpfungsrate hofft Lechner auf die Entwicklung von Medikamenten. „Über kurz oder lang wird Corona wie die Grippe sein.“