Alle Infos zur Corona-Impfung in Niederösterreich. Als erstes Land hat NÖ die Impf-Anmeldung für alle freigeschaltet. Wie sicher Lieferungen sind und ob Mengen reichen, fragte die NÖN nach.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:25)

Für Aufsehen sorgte Niederösterreich in der Vorwoche. Als erstes Bundesland öffnet es die Impf-Anmeldung für alle. Die Politik und der Patientenanwalt sprachen von einem „Befreiungsschlag“. Die ersten beiden Schritte sind mittlerweile erfolgt: Seit Montag können sich Über-50-Jährige für die Impfung anmelden. Seit Mittwoch ist die Anmeldung für Über-40-Jährige möglich. Am Freitag folgen die Über-30-Jährigen, ehe am Montag die Anmeldung für alle ab 16 möglich ist. Die Termine beginnen am 10. Mai und reichen bis Ende Juni.

Wie sicher ist es, dass die Termine halten?

Mit der Vergabe von Impf-Terminen für alle bleibt Niederösterreich vorerst alleine. Andere Bundesländer reagieren noch zurückhaltend. Termine zuzusagen, ohne zu wissen, ob die Lieferankündigungen auch tatsächlich halten, ist vielen zu riskant. In Niederösterreich ist man von der Strategie jedoch überzeugt: „Die Impftermine in NÖ sind abgesichert und mit Sicherheitsreserve geplant. Nachdem hauptsächlich Impfstoff von BioNTech-Pfizer verwendet wird, blicken wir auf monatelange verlässliche Lieferungen zurück, die vom Bund auch für die folgenden Wochen bestätigt wurden“, versichert Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP).

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Stephan Pernkopf: „Wir zünden jetzt den Impf-Turbo.“ Ulrike Königsberger-Ludwig: „Wir kommen mit großen Schritten gegen die Pandemie voran.“
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Welcher Impfstoff wird verimpft?

In den 20 NÖ-Impfzentren werden vor allem die Dosen von BioNTech/Pfizer und Moderna verabreicht. Von AstraZeneca erwartet das Land nur geringe Mengen. Die sollen jene bekommen, die bereits die erste Dosis davon erhalten haben. Die niedergelassenen Ärzte verimpfen voraussichtlich ab Ende Mai Johnson&Johnson. Das ist der einzige Impfstoff, der sich auch für bettlägrige Menschen eignet.

Mit welcher Durchimpfungsrate rechnet man in NÖ?

Die politisch Verantwortlichen und der Impfkoordinator gehen davon aus, dass sich 65 Prozent der Menschen gegen Corona impfen lassen werden. Die WHO denkt, dass eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent nötig sei, um die Pandemie zu beenden.

Reichen die zugesagten Mengen für die erhoffte Durchimpfungsrate?

Die Impfstoff-Lieferzusagen würden reichen, um auf diese Durchimpfungsrate zu kommen, rechnet man beim Notruf NÖ vor: Geben soll es bis Ende Juni 326.000 Termine in den Impfzentren, hinzu kommen laut Impfkoordinator Christof Constantin Chwojka 150.000 Dosen von Johnson&Johnson.

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Christof Chwojka: „Es gibt genügend Termine quer übers Land verteilt.“
Notruf NÖ, Notruf NÖ

Geht man davon aus, dass die alle genutzt werden, und addiert sie mit den bereits Geimpften, könnte man 82 Prozent Durchimpfungsrate erreichen. Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) rechnet aber damit, dass noch Überzeugungsarbeit geleistet werden muss: „Den Juli werden wir nutzen müssen, um die Menschen zur Impfung zu bewegen, die jetzt noch nicht davon überzeugt sind.“ Pernkopf sieht die Impfung als „Bürgerpflicht“.

Dürfen sich auch Zweitwohnsitzer in NÖ anmelden?

Bürger, die schon sehnlich auf die Impfung warten, blickten nach der Ankündigung vergangene Woche neidisch nach NÖ. Viele fragten sich, ob ein Zweitwohnsitz hier schon reicht, um die Spritze zu bekommen. Nein, sagt der Impfkoordinator. Zweitwohnsitzer können nicht geimpft werden, da sich das Kontingent nur nach der Anzahl der Hauptwohnsitzer richtet. „Ausnahme sind besonders zu priorisierende Berufe, hier zählt der Arbeitsplatz“, erklärt man bei Notruf NÖ. Wer erst kurz in NÖ lebt, kann sich aber sofort hier anmelden.

Ab wann wirkt der Impfstoff?

Die Frage, ab wann die Impfung wirkt, hängt vom verabreichten Impfstoff ab, erklären die Wissenschaftler von der Plattform Medizin Transparent. Einen gewissen Schutz gegen eine Covid-19-Erkrankung hat man im Wesentlichen aber zwei Wochen nach der ersten Dosis; den vollen ein bis zwei Wochen nach der zweiten. Bei Johnson und Johnson gibt es nur eine Teilimpfung. Auch hier ist man zwei Wochen später voll geschützt.

Soll man sich impfen lassen, wenn man bereits infiziert war?

Jene, die bereits Corona hatten, sollen mit der Impfung noch warten, sagt Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Krems und verweist auf die Empfehlung des Nationalen Impfgremiums: „Damit jene ohne Immunität zuerst geimpft werden können.“ Dann sollte für sie laut US-Studien eine Teilimpfung reichen.