Schauspieler fand in Mariensee zweite Heimat. Alexander Strobele, bekannt aus Theaterproduktionen, Film und Fernsehen, hat im Wechselgebiet seine zweite Heimat gefunden. Der NÖN Neunkirchen erzählte er, was er an Mariensee schätzt und dass er im Zuge seiner Arbeit sogar auf Hollywood-Größen wie Steven Spielberg, Nicole Kidman oder George Clooney traf.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 17. Juni 2021 (07:24)

Aufgestricktes Hemd, braune Cordhose, Crocs – Alexander Strobele steht vor seiner Hauseinfahrt in Mariensee, als die NÖN vergangenen Donnerstagvormittag zum Interview eintrifft. Während er als „Park-Einweiser“ fungiert, wechselt er ein paar Worte mit dem Nachbarn. „Hier wird nicht gestritten, Nachbarschaftsstreit gibt’s hier nicht – hier hat es von Anfang an gepasst. Ich habe viel Unterstützung von den Leuten hier bekommen – von Beginn an“, wird er später über die Marienseer schwärmen.

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Alexander Strobele vor seinem Haus, der früheren Volksschule in Mariensee (Gemeindegebiet Aspangberg-St. Peter).
Philipp Grabner

Dass er stolz auf jenes geschichtsträchtige Haus ist, welches seit 2008 in seinem Besitz ist – daraus macht der 68-Jährige keinen Hehl. „Alleine die Autofahrt von Aspang hier rauf ist wie in den Urlaub fahren“, meint Strobele und nimmt an einem kleinen Tisch im Garten Platz. Seit 2008, als er das Gebäude erwarb, führte er unzählige Arbeiten daran durch. Die Geschichte des Bauwerks, das zwischen 1914 und 1975 als Marienseer Volksschule diente, habe er stets erhalten wollen: „Auch wenn das über hundert Jahre alte Gebäude heute diese Funktion nicht mehr hat: Viele sind hier zur Schule gegangen, das soll man auch in Zukunft schätzen“, zeigt sich Strobele im NÖN-Gespräch überzeugt.

Diente die frühere Schule einst als Wochenendhaus, lebt Strobele seit Ausbruch der Krise – und seit Beginn seiner Pension – vermehrt hier. „Ich habe im Februar 2020 meine Wohnung in Wien gekündigt und bin mit 1. März hierher gezogen – noch rechtzeitig vor Corona“, muss er lachen. Heute pendelt Strobele zwischen Mariensee und Gaaden, wo seine Lebensgefährtin wohnt. „Mariensee ist einfach ein Ort zum Wohlfühlen“, sagt Strobele, während er im Garten steht und die Hände in die Hüften stemmt.

Von Radio und Theater bis Film und Fernsehen

„Haben Sie schon gefrühstückt?“, fragt Strobele und bringt ein Tablett aus dem Haus. Es gibt Tee und Wasser, Brot und selbstgemachte Marmelade, Wurst, Käse und Karotten. Hier fühlt sich der 68-jährige erfahrene Schauspieler sichtlich wohl: „Ich war und bin immer ein Städter gewesen, aber ich habe auch jedes Mal aufgeatmet, wenn ich rausgefahren bin!“

Alexander Strobele
Alexander Strobele.
Philipp Grabner

Apropos Schauspielerei: Spricht man Strobele auf seine umfassende Erfahrung am Theater, in Radio, Film und Fernsehen an, gibt sich der stets höfliche und gut gelaunte gebürtige Wiener fast ein wenig bescheiden. Gleichzeitig hält er ein Plädoyer für all seine Kollegen. Denn ob man berühmt sei oder nicht, sei nicht der springende Punkt. „Manche bekommen die Chance gar nicht, weil sie den Rummel nicht mitmachen wollen. Am Schluss geht es darum, dass sich alle bemühen, dem Publikum etwas zu erzählen!“

Eine gewisse Berühmtheit kann man dem Mann mit dem grauen Haar, in das sich auch schon ein wenig Weiß geschummelt hat, aber nicht absprechen. Zwar kennen ihn nicht alle mit dem Namen – sein Gesicht ist aber vielen ein Begriff. „Gewundert habe ich mich einmal, als mich eine Frau auf der Straße angesprochen und gemeint hat, dass sie mich nur wegen meiner Stimme kennt“, erinnert sich Strobele, der einst zahlreiche Kennmelodien für den Radiosender Ö1 sprach, zurück.

Zur Schauspielerei kam Strobele in jungen Jahren eher durch Zufall. Zwei Jahre studierte der Wiener Architektur, ehe er über eine Sprachausbildung ans Max-Reinhardt-Seminar, das er, als einer der wenigen seines Jahrgangs, erfolgreich abschloss. Was folgte, waren unzählige Theaterengagements in Deutschland und Österreich sowie zahlreiche Auftritte in TV-Filmen und Serien. Besonders schmunzeln muss Strobele, wenn er über Auftritte in international bekannten Filmen spricht: 1993 war er im mit mehreren Oscars prämierten Historienfilm „Schindlers Liste“ als Gefangener zu sehen – und stand dabei keinem Geringerem als Steven Spielberg als Regisseur gegenüber. „Viele Kollegen sind nicht zum Casting gefahren, weil die Arbeit nicht sonderlich gut bezahlt war. Die haben sich danach sehr geärgert“, meint Strobele und streicht sich Butter und Marmelade aufs Brot. Besonders positiv in Erinnerung ist ihm aus der Produktion Hauptdarsteller Liam Neeson geblieben: „Ein wirklich sehr kollegialer Mensch!“

Mit Nicole Kidman und George Clooney gespielt

Mitwirken durfte Strobele im Jahr 1997 aber auch an dem US-amerikanischen Actionfilm „Projekt: Peacemaker“ – an der Seite der Hollywood-Größen Nicole Kidman und George Clooney. „Eine Erfahrung, die nicht mit Gage aufzuwiegen ist!“

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Noch heute erinnert dieser Schriftzug an die örtliche Volksschule, die zu Beginn des ersten Weltkrieges eröffnet wurde.
Philipp Grabner

Ob Strobele mit dem Pensionsantritt der Schauspielerei nun gänzlich den Rücken gekehrt hat? Der 68-Jährige überlegt nicht lange nach einer Antwort: „Ich werde mich keinem interessanten Projekt verwehren!“ Nachsatz – mit einem Blick auf den Garten: „Aber nur dann, wenn der Rasen gemäht ist!“