Mistelbacher Hautärztin: „Keiner hat eine Lösung“. Mistelbacher Hautärztin legte Kassenvertrag zurück, Patientin sieht massive Unterversorgung.

Von Carmen Gmeinböck. Erstellt am 29. Juli 2021 (04:10)
Schwere Vorwürfe gegen Arzt aus dem Salzkammergut
Schwere Vorwürfe gegen Arzt aus dem Salzkammergut
APA (Symbolbild)

Brigitte Triller aus Ladendorf nimmt das Thema gesundheitliche Vorsorge sehr ernst. Als sie sich einen Termin mit ihrer Dermatologin Regina Wildling in Mistelbach ausmachen will, erfährt sie, dass die Fachärztin ihre Praxis per Ende Juni geschlossen hat, um diese ab 1. September als Wahlärztin wieder zu eröffnen.

Möchte sich Brigitte Triller weiterhin von ihrer Hautärztin untersuchen lassen, bedeutet das, dass beachtliche Kosten auf sie zukommen. Hat man nämlich als Patient keine Privatkrankenversicherung oder private Zusatzversicherung abgeschlossen, so hat man durchschnittlich in etwa 120 Euro für eine Ordination beim Wahlarzt zu berappen, wobei man von der ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse) mit der Erstattung von einem kleinen Teil rechnen kann.

Wahlärzte sind freiberuflich tätige Ärzte, die mit den Krankenversicherungsträgern keine Verträge haben. Diese Ärzte sind somit nicht an die Tarife der Krankenversicherungsträger gebunden. Sie können die Höhe ihrer Honorare für die erbrachten Leistungen selbst bestimmen und für ihre Leistungen so viel in Rechnung stellen, wie sie wollen.

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Bezirksärztevertreter Oskar Kienast sieht das Problem in der nicht adäquaten Honorierung für Kassenärzte.
I. Antal

Welche Alternativen hat Brigitte Tiller, will sie weiter eine Kassen-Ordination besuchen? Im Bezirk Mistelbach gibt es sonst nur noch Hautärztin Andrea Gotschim in Laa. Weitere Hautärzte mit Kassenvertrag gibt es in Korneuburg, Stockerau, Gänserndorf und Hollabrunn.

Mit der medizinischen Versorgung nicht zufrieden, legt sie Beschwerde bei der ÖGK ein, bei der sich ein Ombudsmann zwar nett um ihr Anliegen kümmert, aber auch preisgibt, dass man die Dermatologen nicht verpflichten könne, einen Kassenvertrag zu übernehmen. Und dass hier die Politik einschreiten müsse, um eine Veränderung der aktuellen Situation, die in ganz Österreich ähnlich sei, zu erreichen.

Triller versucht es daraufhin mit einer Beschwerde, die sie an die Politik in Vertretung ihres Bürgermeisters richtet. Bürgermeister Thomas Ludwig (ÖVP), verspricht, diese Kritik an den Landtagsabgeordneten Kurt Hackl weiterzuleiten. Der Anruf im Gesundheitsministerium bringt überhaupt nichts.

Zu guter Letzt wendet sich die Bürgerin mit ihrer Unzufriedenheit an die Ärztekammer und erhält den Ratschlag, sich an die zuständige Gemeinde zu wenden. Der Ärztekammer wären die Hände gebunden, einen Arzt für einen Kassenvertrag zu verpflichten.

Sorge um medizinische Versorgung

Ob der Antworten macht sich bei Brigitte Triller das Gefühl breit, dass sich keine der von ihr kontaktierten öffentlichen Stellen tatsächlich ihres Problems annehmen will und eine Lösung bieten kann.

„Was ist, wenn man sich den Besuch beim Wahlarzt nicht leisten kann? Von den langen Fahrzeiten zu Ärzten in anderen Bezirken ganz zu schweigen – wenn man denn überhaupt in die bestehenden Kundenkarteien aufgenommen wird“, ärgert sich die Ladendorferin.

Bezirksärztevertreter Oskar Kienast, der aktuell eine Praxis in Hausbrunn betreibt, schildert die Situation aus seiner Sicht: „Es ist erschütternd, wie die medizinische Versorgung den Bach hinuntergeht. Trotz einer in den letzten Jahren gestiegenen Bevölkerungszahl kommen verhältnismäßig immer weniger Ärzte auf immer mehr Patienten.“ Die Ärztekammer habe es noch nicht geschafft, einen einheitlichen ärztlichen Honorarkatalog durchzusetzen, der für die Abrechnung der Ärzte mit den Krankenkassen österreichweit anzuwenden wäre. Der Kassentarif für Vertragsärzte wird zwischen der Österreichischen Gesundheitskasse und der Ärztekammer festgelegt. Das heißt, dass in den einzelnen Bundesländern bislang noch unterschiedliche Tarife für eine Ordination verrechnet werden. „Bei uns erhält der Kassenarzt ganze 8,88 Euro brutto, davon bleibt ungefähr ein Viertel übrig nach allen Abgaben, und auch das Personal will bezahlt werden“, sagt Kienast.

Für ihn selbsterklärend, warum eine Behandlung nur wenige Minuten dauern darf. „Hausärzte sind sehr schlecht bezahlt. Oft verliert man Stunden mit EDV-, Hard- und Softwareproblemen“, so der Bezirksärztevertreter.

Derzeit ist die Haut- und Geschlechtskrankeiten-Kassenstelle in Mistelbach ausgeschrieben.