Kirchstetten: Popart, Manga und Rossini. „Nach Lockdown und Corona wollten wir den Leuten wieder etwas fröhliches für die Augen bieten“, sagt Regisseur Richard Panzenböck: Gemeinsam mit Dirigent Hooman Khalatbari inszenierte er im Hof des Schlosses Kirchstetten „Il signor Bruschino“ von Gioachino Rossini in knalligen Farben. Am 31. Juli war Premiere.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 01. August 2021 (12:07)

Die Kostüme der fielen entsprechend comichaft aus, Energiebündel Dora Garciduenas als Sopfia bekam eine mangahafte, überdimensionale Haarmasche, die in manchen Situationen auch wie Teufelshörner scheinen - passend zur Rolle, denn Sofie hat es faustdick hinter den Ohren. Ausgezeichnet auch Emilio Marcucci als Sofies Vater. Sein Kostüm: Morgenmantel, Boxershort und Ruderleiberl.

Gute Figur macht auch July Zuma als Sofis Geliebter mit überdimensionalem Augenbrauentupet, eine kleinere Gesangsrolle, - dafür aber umso komödiantischer legt Daniele Macciantelli seinen Bruschino senior an. Mit großer Haartolle und vor Gicht grantelnd, lässt er mit seinem Mienenspiel das Publikum mitleiden.

Andrea Calce singt den Bruschino junior und mit Blaulicht am Kopf und Marionetten-Polizeihund den Polizeikommissar, Theresa Krügl das Zimmermädchen mit viel Liebreiz und Damian Suchozebrski den Wirt, passend mit Krügerl auf dem Kopf.

Minimalistisch ist nicht nur die Bühne - der Schriftzug „Bruschino“, sondern auch die Requisitenausstattung: Statt papierenen Briefen werden die Korrespondenz-Botschaften auf die Handfläche, bei längeren Briefen bis hin zum Ellbogen geschrieben.

Und damit gleich klar ist, wer zu wem familiär gehört, ist die Kleidungsfarbe Familienfrage. „Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Inszenierung“, verrät Regisseur Panzenböck: „Ich kann keinen Schauspieler auf eine der drei an Bauhaus und Popart angelegten Teilbühnen stellen, der bei dem sich das Kostüm mit der Bühnenfarbe beißt.“

Musikalisch hat die Ouvertüre übrigens eine Rarität zu bieten: Vier mal klopfen die Violinisten mit ihren Bögen statt zu spielen auf ihre Notenständer – bei der Uraufführung übrigens ein Skandal.

Gespielt wird im Ehrenhof des Schlosses unter der 120-jährigen Trauerweide, da im Maulpertschsaal als kleinstem Opernhaus der Welt die Coronaabstände deutlich zu kuschelig ausgefallen wären, bei Schlechtwetter wird im Turnsaal der Volksschule in Neudorf gespielt. „Das heißt, dass die Schauspieler noch nie eine so große Bühne hatten“, lacht Intendant Stephan Gartner.

Fazit: Flott inszenierte Opernkomödie mit einer ausgezeichnet-stimmgewaltigen Dora Garciduenas, schrillen Kostümen und einer minimalistischen Bühne.

Vorstellungen: 4., 6., 7. 11. 13. und 14. August, jeweils um 20 Uhr im Ehrenhof von Schloss Kirchstetten (bei Schlechtwetter im Turnsaal der VS Neudorf, die Info wo gespielt wird, wird auch auf der Homepage bekannt kurzfristig bekannt gegeben).

Infos: www.schloss-kirchstetten.at