Mistelbach rettet Lebensmittel vor der Mülltonne. Tafel, ZeFaBe und SOMA retten Lebensmittel vor der Mülltonne.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:44)
440_0008_8101914_mis24mpf_darueber_.jpg
Das Team der Team Österreich Tafel Mistelbach beim Sortieren der geretteten Lebensmittel: Rosi Seidl, Barbara Bergauer, Kathrin Schindler, Regina Winkelbauer, Maria Graf Karl Grünler und Nelly Mrazek.
Pfabigan, Pfabigan

„Es ist ein Wahnsinn, wenn Lebensmittel entsorgt werden, weil zum Beispiel nur eine Tomate in der Packung schlecht ist“, erzählt Monika Fuchs über ihre Arbeit beim ZeFaBe. Das Zentrum für Familien und Begegnung in Mistelbach rettet Lebensmittel vor der Mülltonne, die sich angemeldete Familien als Lebensmittelpakete abholen können.

800 Kilo Lebensmittel eingesammelt

Neben der sozialen Komponente ist auch die Lebensmittelverschwendung ein wichtiger Ansporn für die Ehrenamtlichen, sich zu engagieren, wie auch für die Team Österreich Tafel in Mistelbach. „Im Monat werden von uns schon circa 800 Kilo Lebensmittel eingesammelt“, schätzt Nelly Mrazek von der Tafel. Während des ersten Lockdowns war die Menge sogar noch um einiges größer, denn durch das Zusperren der Gastronomie und größere Einkäufe der Supermärkte sind viele Lebensmittel übrig geblieben. „Das haben wir vorher und nachher nicht erlebt“, bestätigt Monika Fuchs.

Doch wie kommen die Organisationen zu den Spenden? Mrazek erklärt: „Wir haben eine Vereinbarung mit den Supermärkten, dass wir die Lebensmittel abholen dürfen“. Diese sind kurz vorm Ablaufen, bereits abgelaufen, oder einfach nicht mehr so schön anzusehen.

Kooperation mit Geschäften läuft gut

Die Kooperationsbereitschaft der Geschäfte ist dabei generell gut, „es hängt aber stark vom Filialleiter ab“, meint Fuchs. „Manchmal kommt es vor, dass wir sehen, dass die Mistkübel voll sind und wir trotzdem nur zwei Kisten bekommen.“

Auch der Sozialmarkt (SOMA) in Wolkersdorf sammelt übergebliebene Nahrungsmittel ein und gibt sie zwei Mal die Woche an bedürftige Menschen weiter. „An Lebensmittel haben wir hauptsächlich Obst, Gemüse, Eier und Milchprodukte“, erzählt Obfrau und Altbürgermeisterin Anna Steindl. Grundnahrungsmittel wie Reis, Mehl oder Teigwaren bekommen die Organisationen eher selten, „da kann der Supermarkt gut planen und die laufen nicht so schnell ab“, weiß Monika Fuchs.

„Einwandfreie Lebensmittel“

Oft haben Produktionsfirmen jedoch auch interne Ablaufdaten oder es gibt Fehllieferungen, die Frist zum Verkaufen der Nahrungsmittel ist dann zu kurz oder der logistische Aufwand zu groß und die Ware wird lieber an Tafel, SOMA, ZeFaBe und Co. weitergegeben. „Die Leute bekommen dann einwandfreie Lebensmittel. Es wäre ja sonst schade, wenn sie nicht mal abgelaufen sind“, ergänzt Fuchs.

Neben dem Kaufverhalten allgemein haben auch die Feiertage und die Jahreszeit einen großen Einfluss auf die Lebensmittelverschwendung, zu Weihnachten gibt es zum Beispiel Butter und im Sommer Bananen im Überfluss. Wichtig ist, dass Produzenten in diesem Fall wissen, wo sie ihre Produkte anbringen können. „Da wäre viel zu holen“, meint Mrazek von der Tafel. Für viele ist das Thema auch noch immer schambehaftet, obwohl Nachhaltigkeit und somit auch das Retten von Lebensmitteln mittlerweile zum Trend geworden ist. „Junge Menschen haben da weniger Berührungsängste“, ergänzt Anna Steindl vom Sozialmarkt in Wolkersdorf.

Um so viele Lebensmittel wie möglich vor dem Mistkübel zu retten, fehlt es den Organisationen aber an Personal. „Wir brauchend dringend helfende Hände“, so Nelly Mrazek.

Umfrage beendet

  • Habt ihr das Gefühl, dass ihr zu viele Lebensmittel wegwerft?