Gastro-Sommer: „Sind vorm Abgrund gestanden“.  Fehlende Veranstaltungen und Personalmangel schwächen Gastronomie im Bezirk Mistelbach, man fürchtet einen erneuten Lockdown.

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:20)
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Wilfried Müllner ist gern gesehener Stammgast bei Hermann Herbst im Lindenhof. Die Kundenfrequenz beginnt sich schön langsam zu normalisieren. 
Bauer

 Personalmangel, abgesagte Veranstaltungen und die 3-G-Regel- mit diesen Themen muss sich die Gastronomie seit der Öffnung im Mai herumschlagen. Doch wie geht es der Gastronomie wirklich? Und wie sehr sitzt ihr die Delta-Variante momentan im Nacken?

„Natürlich ist es nicht einfach und wir hoffen, dass sich das Ganze mit den Impfungen reguliert“, beschreibt Bezirksvertrauensmann Roland Krammer vom Neunläuf in Wilfersdorf die Lage. Hier sucht man im Service schon lange nach Verstärkung, der ab August einsteigende Lehrling war auch schwer zu finden. Dem Hotel und Restaurant Neustifter zum Beispiel helfen engagierte Praktikanten, die dort drei Monate Erfahrung sammeln, über die Krise. „Man merkt einfach, dass der Arbeitsplatz in der Gastronomie nicht zu den Beliebtesten zählt“, meint Madeleine Rieder, Geschäftsführerin des Eisenhuthauses in Poysdorf. „Es gibt die Unsicherheit von einem neuerlichen Lockdown.“

Als Konsequenz dieses Personalmangels und der pandemiebedingten Maßnahmen müssen die Betriebe vor allem größere Veranstaltungen absagen. „Das wird das größte Problem, da blutet auch das Herz, aber wir schaffen es dann einfach nicht“, erzählt Krammer. Im Laaer Lindenhof musste zum Beispiel das traditionelle „Gelsenfest“ auf 2022 verlegt werden, wie Hermann Herbst berichtet.

Für viele Betriebe wären diese Veranstaltungen aber lebensnotwendig, wie für Josef Juens Wirtshäuser in Hörersdorf und Niederabsdorf. „Es ist momentan ein bisschen viel, weil wir ja wirklich vorm Abgrund gestanden sind“, so Juen. Der Wirt hatte zwischen den Lockdowns die Wirtshäuser gewechselt. Neun Monate lang musste der Gastronom auf die versprochenen Hilfszahlungen warten, erst als er kurzfristig das Dorfwirtshaus zusperrte, ging es schnell mit der Auszahlung, erzählt er. Roland Krammer meint dazu: „Man hört Unterschiedliches“, bei ihm seien die Zahlungen rechtzeitig angekommen.

Die Kontrolle der 3-G-Regel läuft hingegen überall gut, auch wenn das natürlich einen Mehraufwand mit sich bringt. Beim Restaurant Siebenschläfer in Falkenstein zum Beispiel musste das Personal erst insgesamt vier Kunden wegschicken, die keinen Nachweis vorzeigen konnten. „Die Gäste sehen auch, dass es zu ihrem Schutz ist“, berichtet Severin Weber. Auch Roland Krammer weiß, wie wichtig die sorgfältige Kontrolle ist: „Ich glaube nicht, dass man sich einen Cluster im Betrieb leisten kann“.

Kurz nach der Öffnung spürten die Gastronomiebetriebe die Unsicherheit der Menschen besonders, doch mittlerweile beginnt sich die Kundenfrequenz zu normalisieren. Es bleibt jedoch die Frage offen, ob der Herbst einen erneuten Lockdown mit sich bringt.

„Es ist nicht einfach zurzeit und noch einen Lockdown überlebt mein Betrieb sicher nicht. Das würden glaube ich auch viele andere nicht überleben“, schildert Josef Juen den Ernst der Lage. Lockdown hin oder her, es ist klar, dass die Pandemie der Gastronomie so schnell keine Pause gönnen wird. „Wir hoffen natürlich, dass wir das Thema schnell vom Tisch haben, aber es wird uns alle noch lange beschäftigen“, weiß Bezirksvertrauensmann Roland Krammer.

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