Pöchlarner Baumeister: Situation „so noch nicht erlebt“. Lieferverzögerungen, Preisexplosionen: Täglich bekommen Baumeister derzeit schlechte Nachrichten. Gernot Hofegger berichtet über die aktuelle Herausforderung am Bau.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 09. Juli 2021 (07:05)
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Gernot Hofegger aus Pöchlarn ist seit 1998 Baumeister.
privat, privat

NÖN: Materialknappheit und Preisexplosionen in der Baubranche sorgen für Schlagzeilen. Jetzt gibt es aber auch Lieferverzögerungen bei Zement: Also eine neue Hürde in Zeiten Coronas für den Bausektor?

Gernot Hofegger: Ich hab’ mir gedacht, dass es zumindest beim Beton uns nicht trifft, weil der Schotter dazu ja aus der Region kommt. Aber leider trifft es jetzt den Zement und damit natürlich auch den Beton. Wir werden gezwungen sein, unsere Baustellen zurückzufahren.

Alle Baustellen? Von wie vielen sprechen wir denn hier?

Hofegger: Wir sind erst am Wochenende darüber informiert worden, also es lässt sich gerade schwer abschätzen. Wir werden sehen, wie wir das schaffen können. Im schlimmsten Fall müssen wir auf Baustellen ausweichen , die nicht so vom Material abhängig sind.

Haben Sie so eine Situation als Baumeister schon einmal erlebt?

Hofegger: Ich bin seit 1985 am Bau, habe als Lehrling begonnen und bin seit 1998 Baumeister, vor 17 Jahren habe ich mich selbstständig gemacht – aber so etwas ist mir noch nicht untergekommen. Manchmal sind in der Vergangenheit die Eisenpreise gestiegen – aber an Engpässe kann ich mich nicht erinnern. Und Preiserhöhungen kommen mittlerweile täglich per E-Mail.

Wie schwer ist es, die Kunden in so einer Situation „bei Laune zu halten“? Also als Überbringer von Nachrichten wie Preiserhöhungen und Lieferverzögerungen. Hofegger: Bislang hatten wir diesbezüglich noch kein Problem, wir konnten den Materialpreis noch halten und teilweise hatten wir noch welches im Lager. Wir schreiben jetzt bei den Angeboten dazu, dass die Materialpreise Tagespreise sind, die Stundenlöhne bleiben ja gleich. Aber beim Material wird es jetzt ernst, auch am Bau.

Ein Beispiel aus der Praxis: Normalerweise bekommt man auf die Werkspreisliste beim Baustahlgitter einen Nachlass, derzeit ist es so, dass du noch einen Aufschlag zahlen musst. Und das musst du, weil sonst stehen ja die Arbeiten und du kannst deine Leute nicht mehr beschäftigen. Wir mussten auch auf einen anderen Ziegellieferanten zugreifen, weil ein anderer erst wieder im September Ziegeln liefern kann. Ich hab‘ mich aber auch schon erkundigt: Falls das Materialproblem größer wird, könnten wir unsere Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit schicken.

Wie schätzen Sie die Situation ein: Wann wird es Ihrer Meinung nach zu einer Entspannung in der Branche kommen?

Hofegger: Ganz ehrlich: keine Ahnung. Derzeit weiß man überhaupt nichts. Wir hoffen aber natürlich für uns und unsere Kunden, dass es bald besser wird.