Pöchlarn mit Bauchweh zum Welterbe-Status. Jubel in Pöchlarn über Entscheidung nach UNESCO-Tagung in China. Dank Donaulimes und „Kastell Arelape“ ab sofort Teil der begehrten Welterbe-Stätten.

Von Markus Glück. Erstellt am 04. August 2021 (04:59)
Donaulimes/Arelape - Pöchlarn mit Bauchweh zum Welterbe-Status
Duo am Pöchlarner Welserturm: Willi Schauer und Walter Resch freuen sich über die Limes-Aufnahme ins UNESCO-Welterbe.
privat/Somsit; Shutterstock.com

22 österreichische Museen entlang der Donau haben sich, nach jahrelanger Vorbereitung, im Jahr 2019 gemeinsam mit Bayern, der Slowakei und Ungarn als Teil des Donaulimes für die Erhebung als UNESCO-Weltkulturerbe beworben.

Im Mostviertel ist neben dem Römermuseum Wallsee auch Pöchlarn mit dem „Kastell Arelape“ Teil der Bewerbung. Die Chancen standen damals gut, dass der gesamte Bereich der Donau, an denen sich die wichtigen archäologischen Stätten befinden, in die begehrte Liste aufgenommen wird.

Im Sommer 2019 folgte dann ein herber Rückschlag für das Donaulimes-Bewerbungsteam, dem auch der Pöchlarner Obmann des Stadtmuseums, Walter Resch, als Vorstandsmitglied der Museen am Donaulimes angehört.

Das UNESCO-Welterbekomitee hat der Initiative Österreichs, Deutschlands, der Slowakei und Ungarns zur Aufnahme des Donaulimes auf die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt eine Absage erteilt. Ganz abgefahren war der Zug damals aber noch nicht: Der Antrag wurde zur Überarbeitung zurückgeschickt, 2020 konnte ein neuer Anlauf bei der UNESCO gestartet werden.

„14 Jahre Arbeit waren damit erfolgreich. Wir stehen jetzt auf einer Stufe mit dem Taj Mahal.“ Walter Resch

Zu Beginn der vergangenen Woche wurde die Entscheidung bei der 44. Sitzung des UN-Komitees im chinesischen Fuzhou abermals vertagt. Eigentlich stand der Ernennung zum Weltkulturerbe nichts mehr im Wege, kurz vor der Entscheidung stieg Ungarn in einem „beispiellosen Fall“ aus dem Antrag aus.

Der Internationale Rat der Denkmalpflege wies darauf hin, dass ohne Ungarn rund 400 Kilometer und damit mehr als die Hälfte der Grenze aus dem Antrag herausgenommen wurden. Nach Diskussionen in China wurde schlussendlich eine Arbeitsgruppe eingerichtet.

Schon vor zwei Jahren hat ein ähnliches überraschendes Manöver von Ungarn zu einem Aufschub geführt. Informiert von den Vorgängen in China zeigte sich Resch zur Wochenmitte erbost, aber zuversichtlich: „Das Vorgehen erinnert mich an einem Besuch beim Wirten, wo man Essen bestellt und dann den Wirten verlässt.“

Am Freitag kam dann doch noch eine positive Nachricht aus China: Der Donaulimes schaffte es mit seinen 22 Stationen in Österreich auf die UNESCO-Welterbeliste, wir hatten berichtet: 

„Dass der westliche Teil des Donaulimes mit seinen Abschnitten in Deutschland, Österreich und der Slowakei nun eingeschrieben werden konnte, ist die Anerkennung jahrelanger intensiver Vorarbeiten und gleichzeitig Auftrag für den umfassenden Schutz für kommende Generationen“, freut sich Sabine Haag, Präsidentin der österreichischen UNESCO-Kommission.

14 Jahre dauerte der Kampf, um endlich auf die begehrte Welterbeliste zu kommen. Entsprechend euphorisch reagiert auch Resch, der zuerst von der NÖN die freudige Nachricht erhielt: „Jetzt reißen wir einen Sekt auf. 14 Jahre Arbeit waren damit erfolgreich“, freut sich Resch. Für ihn steht der Donaulimes und damit auch Pöchlarn ab sofort auf einer Stufe mit Hallstatt, dem Taj Mahal und den Pyramiden in Ägypten.

Dass es klappt, darüber waren sich auch die Bewerberländer sicher. Und so wurde für bereits ein römisches Schiff als Symbol der Weltkulturerbe-Erhebung in Auftrag gegeben. Dieses soll ab 2022 auf der Donau unterwegs sein und abwechseln den teilnehmenden Ländern zur Verfügung gestellt werden. „Das Schiff dient dazu, den Donaulimes zu bewerben. Die genauen Projekte dazu befinden sich derzeit in der Ausarbeitung“, gibt Resch Einblicke.

Donaulimes/Arelape - Pöchlarn mit Bauchweh zum Welterbe-Status
Bei Ausgrabungen entdeckten Archäologen zahlreiche römische Spuren in der Stadt.
privat/Archiv

Durch die Erhebung rechnet Resch mit einem deutlichen Anstieg der Arbeit für Pöchlarn. „Die Bedeutung für Österreich ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Es werden dadurch mehr Touristen kommen und wir müssen uns darauf vorbereiten“, meint Resch.

Pöchlarns Stadtchef Franz Heisler (ÖVP) ist erfreut, dass der jahrelange Einsatz Erfolg brachte. „Ich bin guter Dinge, dass wir durch die Ernennung einen touristischen Mehrwert haben. Wir werden Gespräche führen, wie wir es am besten touristisch nutzen können.“ Kulturstadträtin Barbara Kainz sieht Pöchlarn als kleinen Baustein im Zentrum der 22 in Österreich liegenden Stätten des Donaulimes.

„Gemeinsam mit den anderen Museen des Donaulimes wollen wir die Geschichte des Römischen Reiches in unserer Region noch sichtbarer und zugänglicher machen“, erklärt Kainz und sie betont auch die besonderen Schätze, die es in Pöchlarn gibt.

„Die kleine Öllampe, die kürzlich ausgegraben wurde und jetzt im Pöchlarner Stadtmuseum ausgestellt ist (Anm.: siehe Artikel unten), zeigt uns, auf welchem Schatz wir sitzen“, sagt Kainz.

Für die Stadt Pöchlarn und seinen Tourismus sieht die Kulturstadträtin eine tolle Chance „Teil eines so großen kulturellen und touristischen Projektes“ zu sein.