Hilfswelle nach Gehirnblutungen. Über 3.000 Euro sind bereits für die im Rollstuhl sitzende Traisnerin Karin Bertl zusammengekommen.

Von Markus Zauner. Erstellt am 04. August 2021 (04:32)
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Mutter Heidi Bertl und Tochter Leonie Bertl sowie Priska Kunz (nicht im Bild) feierten mit Karin Bertl (vorne) den 34. Geburtstag.
Kunz

Eine Welle der Hilfsbereitschaft hat der NÖN-Bericht über die halbseitig gelähmte Karin Bertl ausgelöst. Die erst 34-jährige Traisnerin sitzt nach schweren Gehirnblutungen samt folgendem Schlaganfall und Stimmverlust im Rollstuhl.

Bis jetzt sind insgesamt schon über 3.000 Euro für Karin zusammengekommen, freut sich die Hainfelder Unternehmerin Priska Kunz, die (wie berichtet) eine Spendenaktion ins Leben gerufen hat. Die Hilfe der NÖN-Leserfamilie ist mitunter durchaus spontan: „Leute läuten bei der Familie Bertl an und geben Kuverts mit Geld ab“, nennt Kunz ein Beispiel. Aber auch Unternehmen, die die Spendenaktion unterstützen wollen, haben sich gemeldet.

„Ich bin total überwältigt von der Anteilnahme der Bevölkerung nach der Veröffentlichung Ihres Artikels über das Schicksal meiner Tochter Karin.“ Heidi Bertl, Traisen

Geld, das Karin Bertl, die von ihrer Mutter Heidi aufopfernd gepflegt wird, dringend brauchen kann. Denn die 34-Jährige, die mit ihrer 13-jährigen Tochter Leonie bei der Mama in Traisen wohnt, benötigt jeden Cent für wöchentliche Logopädie, Physiotherapie und psychologische Betreuung sowie einen speziellen Aufrichte-Rollstuhl, um die motorischen Fähigkeiten wiederzuerlangen. Überdies muss Heidi Bertl, deren finanzielle Mittel als Pensionistin beschränkt sind, ein geeignetes Auto anschaffen, um den Rollstuhl transportieren zu können. Die Traisnerin zeigt sich sichtlich gerührt und schreibt an die NÖN: „Ich bin total überwältigt von der Anteilnahme der Bevölkerung nach der Veröffentlichung Ihres Artikels über das Schicksal meiner Tochter Karin. Es gibt mir als Mutter die Kraft, meine Tochter weiterhin im Familienkreis zu unterstützen.“

Ob die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) die 13.000 Euro für den Aufrichte-Rollstuhl zahlt, ist derzeit noch offen. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unser örtlicher Vertragsbandagist sind in Kontakt mit Frau Bertl, um einen geeigneten Rollstuhl für ihre Tochter zu organisieren. Frau Bertl ist darüber informiert, dass für den von ihr gewünschten Spezial-Rollstuhl eine entsprechende medizinische Begründung des behandelnden Arztes notwendig ist, aus der hervorgeht, dass der Spezial-Rollstuhl zur Erhaltung der Selbstständigkeit der Patientin dient. Diese medizinische Begründung hat uns Frau Bertl bisher jedoch nicht weitergeleitet“, heißt es auf Anfrage seitens der ÖGK. Alternative Möglichkeiten habe Heidi Bertl bisher abgelehnt.

Spezial-Rollstuhl im Test gut, nächste OP steht an

Schon im April bei Karins Reha sei vom zuständigen Primar ein Aufrichte-Rollstuhl verordnet worden, hält Heidi Bertl dagegen. Seither kämpfe sie um die Bewilligung durch die ÖGK. Zumindest schon einmal kurz daheim testen, durfte Karin Bertl die 13.000 Euro teure Anschaffung. „Es war ein voller Erfolg. Kaum saß Karin im Aufrichte-Rollstuhl, ergriff sie den Joystick und fuhr durchs Zimmer. Auch die Aufstehhilfe funktionierte zur Freude aller“, erinnert sich ihre Mutter.

Priska Kunz, die ständig Kontakt zur leidgeprüften Traisnerin hält, zeigt sich jedenfalls optimistisch. „Karin ist eine starke Persönlichkeit, sie wird wieder gehen und reden können“, verweist die Hainfelder Unternehmerin auf ärztliche Aussagen. Mutter Heidi Bertl sieht es ähnlich: „Karin kämpft für sich, aber vor allem für ihre Tochter Leonie trotz ihres Handicaps unermüdlich weiter.“ Die nächste große Operation steht indes vor der Tür. „Eine spezielle Schädelplatte aus Amerika ist da“, weiß Priska Kunz. Diese soll Karin eingesetzt werden, sobald ihre Wunde am Kopf verheilt ist. Am Samstag blieb vorerst aber Zeit, anzustoßen – auf den 34. Geburtstag von Karin Bertl.

Die Spendenaktion läuft noch bis zum 15. August. Auch Sachspenden sind möglich – nur kein Pflegebett, das hat Karin Bertl schon.