Waidhofner Politik – Schäm Dich!. Waidhofen/Thaya ist meine Bezirkshauptstadt. Jene Stadt, wo ich geboren bin, wo ich fünf Jahre lang die HAK besucht habe, wo ich jedes Wochenende fortgegangen bin, wo ich auch als Wahl-Wiener noch immer viele Menschen kenne und wo ich heute noch gerne hinfahre. Trotzdem überkommt mich das schale Gefühl, dass diese Stadt, wenn ich lokalen Zeitungen glauben darf, in den letzten 15 Jahren fast nur mehr mit negativen Hiobsbotschaften über Streitereien in der Gemeindeverwaltung auffällt.

Erstellt am 04. Juni 2021 (14:58)

Waidhofen/Thaya ist meine Bezirkshauptstadt. Jene Stadt, wo ich geboren bin, wo ich fünf Jahre lang die HAK besucht habe, wo ich jedes Wochenende fortgegangen bin, wo ich auch als Wahl-Wiener noch immer viele Menschen kenne und wo ich heute noch gerne hinfahre.

Trotzdem überkommt mich das schale Gefühl, dass diese Stadt, wenn ich lokalen Zeitungen glauben darf, in den letzten 15 Jahren fast nur mehr mit negativen Hiobsbotschaften über Streitereien in der Gemeindeverwaltung auffällt. Aha, wenn das so ist, so dürfte ja in der Stadt sonst alles in Ordnung sein! – Oder?

Gibt es denn in Waidhofen/Thaya keine anderen Baustellen, wo PolitikerInnen jeden Coleurs ihre Kräfte ablassen können? Was haben wir denn da: Die Sparkasse wurde nach Zwettl verkauft und die stolze Waidhofner Vereinssparkasse darf heute Befehle aus Zwettl empfangen. Das Finanzamt hat sich zwar auf X-Jahre in ein Gebäude eingemietet, doch gleich darauf wurde es auf Briefkasten-Größe geschrumpft. Der erste Golfplatz, der in Österreich zugesperrt wurde, ist zufällig in Waidhofen. Die Geburtenstation wurde zugesperrt und es wird keine junge ErdenbürgerIn je mehr „Geburtsort: Waidhofen/Thaya“ im Reisepaß stehen haben. Für die Errichtung eines Einkaufszentrums hat man gefühlte 20 Jahre gebraucht. Da wurden diese in anderen Städten schon wieder abgerissen. Geht man die Böhmgasse rauf und schlendert dann die Niederleuthner-Straße hinunter, hat man das Gefühl, dass das Niemandsland des Truppenübungsplatzes gleich hinter Waidhofen beginnt. Überall leere Geschäfte, baufällige und verluderte Häuser und Auslagen, die mit Ramsch und Altwaren behübscht werden. Egal von welcher Seite man nach Waidhofen hineinfährt, die natürliche Stadteinfahrt wurde aufgerissen und mit Betriebsgrundstücken verschandelt. Auf der Brunner-Straße stehen Hallen schon seit 30 Jahren leer und niemanden scheint dies zu stören. Wo ist das Konzept für diese Stadt oder gibt es so etwas gar nicht?

Verdammt – wir haben Probleme, richtig große Probleme!

Aber was wird in Waidhofen gegen diese Probleme gemacht? Jawohl, es wird gestritten! Ob es nun darum geht, dass ein Bürgermeister mit den Gemeindemitarbeitern nicht kann, oder der Stadtamtsdirektor mit dem nächsten Bürgermeister nicht will, oder GemeindemitarbeiterInnen vom Stadtamtsdirektor gemobbt werden, oder wieder einmal ein blauer Streithäusl jeden außer sich selbst als inkompetent bezeichnet. Wurscht! Jedes Mittel ist den Waidhofner Politikern recht, um die wunderbare und allseits bereits bekannte „Waidhofner Streitkultur“ nach außen zu tragen. Und in der Zwischenzeit reiben sich alle anderen Bezirkshauptstädte und deren PolitikerInnen die Hände und ziehen fleißig das nächste Amt, die nächste Kammer, die nächste Abteilung aus Waidhofen ab. Von allen vier Bezirkshauptstädten im Waldviertel ist Waidhofen/Th. mittlerweile mit Abstand das Schlusslicht.

Leute, wie lange lässt sich Waidhofen das noch gefallen? Wie lange schauen die Waidhofner Bürger da noch zu, wie ein Blauer, der übrigens selbst gerne Bürgermeister wäre, mit verbalen Entgleisungen und Untergriffen jegliches Klima im Gemeinderat vergiftet. Wie lange schaut man noch zu, wie ein mit fürstlichstem Gehalt ausgestatteter Stadtamtsdirektor, glaubt, die Gemeinde alleine regieren zu können. Wie viele BürgermeisterInnen möchte man denn noch in dieser Stadt verbrauchen? Und jetzt, zu allem Überfluss, bringt man es zusammen, die Bürgermeisterin, die erst 4 Monate im Amt ist, die noch gar nicht richtig mit ihrer Arbeit begonnen hat, auch aus dem Rathaus zu vertreiben?

Wie habt ihr denn das geschafft? Aha, gegenseitige Anschuldigungen, ein paar altbekannte Akteure verbünden sich, die Anderen knabbern derweil parteiintern am Sessel und wollen scheinbar, dass Grundstücke billiger an ein  Unternehmen verkauft werden etc. Zu allem Überfluss wird dann in der Gemeinderatssitzung wieder ein Ton angeschlagen, den sich kein normaler Mensch bieten lassen würde. Na geht’s noch????? In einem Unternehmen würde man Euch alle rausschmeißen! Im Mittelalter hätte man euch geteert und gefedert!

Und in der Zwischenzeit ziehen sich eventuell hoffnungsvolle NachwuchspolitikerInnen zurück und den etablierten Parteien gehen die Personalreserven schön langsam aus. Welcher masochistisch veranlagte Mensch tut sich denn so ein Amt dann noch an? Da wird man ja noch lieber Fußballschiedsrichter! Sehr viele „gute“ Leute, Menschen mit Ideen und mit Visionen, all jene, die manchen Stadtkaisern gefährlich werden könnten, hat man ja schon vorsorglich in der Partei selbst abgeschossen.

Liebe VerantwortungsträgerInnen in den Parteien – ihr seid doch im zivilen Leben (mit wenigen Ausnahmen) auch nette, anständige und fähige Menschen. Was macht Euch denn in der Gemeindepolitk zu politischen Zombies? Wundert ihr euch nicht, dass diesen verfahrenen Karren keiner mehr aus dem Dreck ziehen will?

Reisst Euch gefälligst zusammen und bewegt endlich etwas in dieser Stadt. Bewegt etwas, wo ihr noch Euren Kindern und Enkeln (so ihr welche habt) davon erzählten könnt. Wenn ihr so weitermacht, dann werdet ihr unsere schöne Bezirkshauptstadt an die Wand fahren. Und das geht uns alle an!

Und wenn sich jetzt einer fragen mag, was das alles einen Groß-Sieghartser angeht, dann folgende Antwort: Waidhofen ist auch meine Bezirkshauptstadt und wer Waidhofen schwächt, der schwächt den gesamten Bezirk und somit auch meine Heimat – und da gibt es leider nicht mehr viel zu schwächen!

Dr. Erich Hauer, Gr.-Siegharts - Wien

Leserbrief zum Artikel "Gerücht: Reibereien wegen Freunderlwirtschaft".