Schade, dass man Kuziora gehen lässt. Zum Interview „Froh, dass ich Begleiter sein konnte“ mit Pfarrmoderator Thomas Kuziora über dessen Abschied aus der Pfarre im September erhielt die NÖN folgende Leserbriefe:

Erstellt am 02. Juni 2021 (00:28)

Der Artikel hat nicht nur mich sehr betroffen gemacht. Es war nicht leicht, für den 29-jährigen Priester in eine ihm fremde Pfarre „einzusteigen“. Alle Achtung gegenüber dem Altpfarrer Kaiser – aber bei Kohelet heißt es: Es gibt für alles eine Zeit.

Thomas Kuziora ist mit viel jugendlicher Dynamik ans Werk gegangen – das war wahrscheinlich zu viel für die „alt eingesessenen Zwettler“, nur keine Wellen …“des hama nia g’habt, des brauch’ma net“. Statt dass sie froh wären, dass sich ein Priester wieder um die Jugend kümmert in kongenialer Zusammenarbeit mit Sr. Karina Beneder von den Schulschwestern der Franziskanerinnen in Zwettl.

Die von ihm gestalteten Jugend- und Familienmessen waren so erfrischend lebendig, dass sogar mir (ich bin heuer 70) das Herz aufgegangen ist. Zwettl ist eine total überaltete Pfarre. In den letzten Jahren sind viele in die Pflegeheime übersiedelt oder verstorben. Die Oberhirten sollten das bedenken, wenn keine Jugend gewonnen werden kann, dann steht der Klerus alleine in der Kirche. Und mit Betstunden am späten Nachmittag kann man keine Jugend gewinnen!

Dass sich Pfarrmoderator Thomas Kuziora neben den seelsorglichen Aufgaben auch noch dem Umbau des Pfarrhofes und dessen desolater Nebengebäude angenommen hat, schätzen viele der Pfarrmitglieder. Da er das ja zum ersten Mal gemacht hat, war es eine akribische Kleinarbeit, alle notwendigen Infos zusammen zu tragen. Wie hilfreich der Pfarrgemeinderat und Pfarrkirchenrat dabei war, weiß ich nicht. Gemeckert wurde jedenfalls viel. Was das Häferl zum Überlaufen gebracht hat, weiß ich auch nicht.
Schade ist es, dass man so einen engagierten Priester „gehen lässt“. Aber vielleicht steht es in Gottes weisen Ratschluss, dass Thomas Kuziora diese (bittere) Erfahrung machen musste, um für eine andere Aufgabe „gewappnet“ zu sein. Ich möchte im Namen aller für die wohl fünf abwechslungsreichen Jahre in unserer Pfarrgemeinde danken und wünsche ihm ungebrochene Schaffensfreude in guter Gesundheit und mit Gottes Segen.
Adelinde Schleinzer, Zwettl

Ein Priester mit Herz und Hirn!

Beim Pfingstgottesdienst in der Michaelerkirche in Wien gab uns der Priester heuer vor dem traditionellen Rosenblütenregen drei Worte mit: Freude, Friede, Gerechtigkeit. Sie stimmen mich, nachdem ich Ihren Artikel gelesen habe, sehr nachdenklich. Diese Worte treffen leider jetzt nicht auf die Pfarre Zwettl zu. Als ehemalige Zwettlerin, Kindergartendirektorin und Gemeinderätin besuche ich immer noch diese schöne Stadt, um mich mit Familie und Freunden zu treffen. Bei verschiedensten Anlässen lernte ich auch Pfarrer Thomas kennen. Engagiert, freundlich und hilfsbereit in frohen und schweren Stunden ist und war er immer zur Stelle. Ein Priester mit Herz und Hirn! Und jetzt auf einmal heißt es Abschied nehmen? Schwer zu verstehen, dass das zum Wohle der Menschen dieser Stadt sein soll! Wo bleiben Freude, Friede, Gerechtigkeit?
Edeltraud Schneider, Wien