TMS St. Pölten: Nachhaltiges Kochen wie im Mittelalter. St. Pöltner Tourismusschule schlägt Brücke zwischen Essgewohnheiten von damals und heute und gewinnt NÖN-Leopold.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 11. November 2020 (04:40)
440_0008_7973420_stp46cb_leopold_preisverleihung_c_armin.jpg
Freuen sich über die Auszeichnung: Direktor Michael Hörhan und Klassenvorstand Alexandra Huber (hinten) mit Magdalena Macho, Alexander Hönigsberger, Bettina Korotvicka und Anika Schicklgruber (von links).
Armin Haiderer

Einen Blick zurück auf die Geschichte warfen die Schüler der Tourismusschule St. Pölten (TMS). Dabei sprang nicht nur ein neuer ökologischer Snack raus, sondern auch ein Leopold in der Kategorie „Unsere Zukunft“. Diese Bronzestatuette wird traditionell an eine Schule vergeben. Die jetzige Klasse 3A der Höheren Lehranstalt für Tourismus überzeugte mit ihrem Projekt „Vergangenheit schafft Zukunft“. Monatelang beschäftigten sich die Schüler mit den Essgewohnheiten des Mittelalters.

440_0008_7973419_stp46cb_leopold_c_tms.jpg
Auf der Ruine Aggstein begaben sich Emma Gutsjahr (links) und Anika Schicklgruber auf Spurensuche.
TMS St. Pölten

Im Ausbildungsschwerpunkt „Food Design“ setzen sich TMS-Schüler mit der Gestaltung von Lebensmitteln auseinander. Teil des Lehrplans ist ein Blick auf vergangene Epochen. Während des Homeschoolings recherchierte die Klasse 3A mittelalterliche Rezepte, informierte sich über Garmethoden und fand heraus, welche Lebensmittel zur Verfügung standen. „Manche haben Kräuter gesammelt oder im Garten auf dem offenen Feuer gekocht“, beschreibt Klassenvorstand Alexandra Huber. Im Sommer stand zudem eine gemeinsame Fahrt zur Ruine Aggstein auf dem Programm. Dort spürten sie in historisch angelehnten Kostümen dem Zeitgeist nach.

Saisonal, regional, fleischlos – was heute eine bewusste Entscheidung für mehr Nachhaltigkeit ist, war damals alternativlos. Die Vorstellung von üppigen Ritter-Banketten sei falsch, weiß Schülerin Emma Gutsjahr: „Nur die reiche Bevölkerung hat so gegessen. Die meisten haben sich hauptsächlich von Getreide ernährt.“

Auf Basis ihrer Erkenntnisse stellte die Klasse ein Menü zusammen, das von einer Kräutersuppe bis hin zum Birnenpudding reicht. Außerdem kreierten sie den „Leopold-Snack“ aus Getreide, einen „Porridge zum Abbeißen“. Der passt in die Jausenbox, soll eine gesunde Alternative zum Schokoriegel darstellen und kann klimaschonend hergestellt werden.

„Wir haben nicht mit dem Preis gerechnet. Es ist schön, gemeinsam so etwas zu erreichen, und motiviert zu weiteren Projekten.“ Emma Gutsjahr, Schülerin, Tourismusschule St. Pölten

„Wir haben nicht mit dem Preis gerechnet“, erzählt Gutsjahr im Namen ihrer Mitschüler. „Es ist schön, gemeinsam so etwas zu erreichen, und motiviert zu weiteren Projekten.“ Wegen der Corona-Maßnahmen konnte nur eine kleine Delegation an der Preisverleihung teilnehmen. „Wir werden sicher noch gemeinsam feiern“, verspricht Huber. Das Preisgeld will die Klasse aufheben und für die Ballorganisation oder einen gemeinsamen Ausflug verwenden. „Es soll etwas Besonderes sein, an das man sich lange erinnert“, weiß Gutsjahr.