Pädagogik-Konzept entstand in Krems. Margarete Schörl prägte im Kindergarten am Hohen Markt eine nach ihr benannte Pädagogik.

Von Petra Vock. Erstellt am 29. April 2021 (05:02)

Zu den denkwürdigen Kremserinnen, deren Spuren in der neuen Ausstellung im museumkrems sichtbar gemacht werden, zählt auch Pädagogik-Pionierin Margarete Schörl. Während sie international als Begründerin der Schörlpädagogik geschätzt wird, ist sie in Krems weitgehend unbekannt. Bekanntheit erlangte sie zuletzt dadurch, dass NS-Dichterin Maria Grengg ihren Straßennamen an sie abtreten musste.

Wer war diese Frau, deren sozialpädagogisches Konzept die Kindergartenpädagogik bis heute prägt? 1912 in Wien geboren, wurde Margarete Schörl mit elf Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einer Tante in Rohrendorf auf. Nach der Schulzeit in der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe trat sie 1933 in Krems in den Orden der Englischen Fräulein ein und absolvierte das Kindergärterinnen examen.

In der NS-Zeit, als die Englischen Fräulein ihr Institut schließen mussten, arbeitete Schörl als Privaterzieherin, unter anderem in Krems und Schiltern. Nach 1945 kehrte sie in ihren Orden zurück und errichtete einen Kindergarten.

Vor dem Tod Maria Montessoris absolvierte Schörl noch den letzten von dieser initiierten Montessori-Kurs und lernte die Reformpädagogin persönlich kennen.

In enger Zusammenarbeit mit der Wiener Kindergartenpädagogin Margarete Schmaus entwickelte Schörl die Schörlpädagogik. Anders als viele ihrer Zeitgenossen sah sie schon in den 50er-Jahren den Kindergarten nicht als Aufbewahrungsanstalt, sondern als Ort der Bildung an, an dem jedes Kind so, wie es ist, angenommen und nach seinen Begabungen optimal gefördert werden sollte. Wichtige Elemente der Schörlpädagogik sind das frühkindliche Spiel, das bildnerische Gestalten und eine frühkindliche Glaubenserziehung. Oberstes Ziel: die Entfaltung von Mitmenschlichkeit.

Das von Schörl begründete „Raumteilverfahren“ hat in sämtliche Kindergärten Einzug gehalten. Im museumkrems werden von Schörl entwickeltes Spielmaterial und selbst entworfene Möbel gezeigt. Die Möbel sind eine Leihgabe des Kindergartens Mitterau I und sind dort normalerweise im Eingangsbereich ausgestellt.