Kremser Wirt Schindlegger will "kein Imperium haben“. Vor 35 Jahren eröffnete Harald Schindlegger sein erstes Lokal. Die NÖN traf den Kremser Paradewirten zum Gespräch.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 09. Juni 2021 (10:01)

NÖN: Wie hat sich die Gastronomie über die Jahrzehnte verändert?

Heutzutage wird sicher viel mehr auf Qualität geachtet. Wir haben eine Weinkultur, die es vor 35 Jahren definitiv nicht gegeben hat. Die Produkte haben sich verbessert und die Vielfalt ist größer geworden. Wie ich das „Mampf“ aufgesperrt habe, war das die zweite Pizzeria in Krems. Heute gibt es viele andere Konzepte. Aber auch die Haubengastronomie hat sich verändert. Damals hat es den Bacher, Schickh und Knoll gegeben, heute ist das Angebot viel größer. Es hat sich vieles zum Positiven verändert.

Hat man es als Wirt damals leichter gehabt als heute?

Sicher. Die Bürokratie damals war eine völlig andere. Wenn man sich nur die Allergenverordnung anschaut: Früher hat mich der Gast gefragt, ob etwas in seinem Essen drinnen ist, das er nicht verträgt. Heute sind wir gezwungen, für jede Speise eine Allergenliste zu machen, ungeachtet dessen, dass den meisten Gästen vieles darauf nichts sagt. Viele bürokratische Dinge sind dazugekommen, die durchaus eine Berechtigung haben, aber vieles ist unnötig.

War es von Anfang an ihr Ziel, ein Gastro-Imperium aufzubauen?

Nein, war es definitiv nicht und ich will auch jetzt kein Imperium haben. Vieles in meinem Leben ist einfach passiert. Das ist mir nicht in die Wiege gelegt worden. Ich bin nur ins Gastgewerbe gekommen, weil wir arm waren und das als junger Mensch die einzige Möglichkeit war, Geld dazuzuverdienen. Jetzt bin ich einfach glücklich und dankbar, dass ich meine Leidenschaft leben kann.

Wie viele Lokale werden Sie noch eröffnen?

Das werde ich seit Jahren gefragt und ich sage immer: Keines mehr. Wenn es passiert, dann passiert es, aber es ist nichts geplant. Ganz im Gegenteil: Ich hätte lieber fünf Lokale weniger als fünf mehr.

Werden Sie jemals richtig in Pension gehen?

 Wie ich 40 war, habe ich gesagt, mit 50 gehe ich in Pension. Jetzt bin ich 57 und kann mir gar nicht vorstellen, in Pension zu gehen. Ich will einfach eine sinnstiftende Tätigkeit haben.

In einem Facebook-Posting haben Sie geschrieben, in den 35 Jahren gab es viele Höhen und Tiefen. Was war das höchste Hoch und was das tiefste Tief?

Höchstes Hoch kann ich nicht sagen. Es waren einfach viele schöne Momente. Zum Beispiel das Benefizkonzert, das wir im Herbst 2020 im Stadtpark gemacht haben. Das war eine der letzten Veranstaltungen, die vor dem Lockdown noch irgendwie möglich waren. Das war ein wirklich ergreifender Moment, da hat alles gestimmt. Das tiefste Tief kenne ich ganz genau. Das war der Moment, wo ich im Fernsehen gehört habe, morgen muss ich meine Lokale zusperren und es ist nicht absehbar, wann ich wieder aufsperren darf. Da bin ich im Poldi Fitzka gesessen und mir sind die Tränen runtergeronnen, weil ich geglaubt habe, jetzt ist alles aus. Aber selbst dieses Tief war eine Chance.

Corona hat Lieferservices und Take-Away extrem gestärkt. Auch Sie sind auf den Zug aufgesprungen. Ist mit einer Entfremdung des Wirten vom Gast zu rechnen?

Ich glaube nicht. Übrigens waren wir mit dem Mampf vor 35 Jahren die Ersten, die in Krems Pizza ausgeliefert haben. Die Leute wollen sehr wohl zum Wirten gehen und sich treffen. Es war auch vor Corona schon ein gewisser Markt für Abholung und Lieferung da.

Wie oft kocht Harald Schindlegger noch selbst?

 Zu selten.

Alle Ihre Lokale im Blick: Was ist Ihr Lieblingsgericht?

Backhendl im Poldi Fitzka.