Warten auf Olympia-Hype in der Region Krems . Österreichische Top-Leistungen in Tokio als Hoffnungsschimmer für gebeutelte Vereine in der Region Krems.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 04. August 2021 (05:51)
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Sprinterin Magdalena Lindner (Mitte) aus Gneixendorf gilt als aussichtsreiche Kandidatin für die Olympischen Spiele 2024.
Alfred Nevsimal

Auch wenn er gerade in Kroatien am Strand gelegen ist: Den Liveticker zu den olympischen Judo-Bewerben, bei denen Österreich zwei Medaillen abgestaubt hat, hat Andreas Schlögl nicht aus den Augen gelassen. Auch wenn der Sportliche Leiter des Judozentrums Krems, das nach der Fusionierung der zwei großen Kremser Judovereine im vergangenen Jahr über 200 Sportler vereint, insgeheim schon mit Edelmetall gerechnet hat: Die Darbietungen von Shamil Borchashvili (Bronze) und der Silbernen Michaela Polleres adelt er dennoch als „Traumleistungen, die auch irrsinnig starke Persönlichkeiten erfordern“.

Judozentrum Krems
Im Herbst starten im Judozentrum Krems wieder Anfängerkurse. Trainerin Yvonne Kaufmann hofft dann neben Nathaniel Thio, Adriana Borak, Moritz Gößl, Petar Borak, Fabian Sappert, Leonhard Müller und Jakob Fischer noch auf weitere Kandidaten im Dojo.
Jürgen Übl

Die große Frage ist nun aber, ob Österreichs Olympia-Helden auch an der Basis für positive Effekte sorgen können. Nötig hätten sie die heimischen Sportvereine allemal. Viele Nachwuchsathleten haben in der Corona-Zeit das Interesse am Sport verloren, Trainer und Funktionäre sehen einen – falls überhaupt möglich – noch stärkeren Draht der Jugend zur Spielkonsole. „Auch wir haben während Corona Haare lassen müssen. Wichtig ist jetzt, dass wir den Hype aufrechterhalten und dann hoffen wir, dass sich das in den Teilnehmerzahlen bei den Anfängerkursen widerspiegelt“, sagt Schlögl.

Ein großes Zuckerl gibt es indes für die Top-Athletinnen des Judozentrums Krems. Fanny Schlögl, Leonie Kittel und Laura Summer dürfen im Herbst für den Judoclub Wimpassing und damit an der Seite von Vize-Olympiasiegerin Polleres in der Bundesliga kämpfen. „Die Freude, dass diese Kooperation zustande gekommen ist, ist natürlich riesengroß. Unser Trio kann da natürlich nur profitieren“, weiß Schlögl.

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Die Goldfahrt von Anna Kiesenhofer hat nicht nur in der Radsportszene für Begeisterung gesorgt.
APA/AFP/Greg Baker

Eine der größten Sensationen der bisherigen Spiele in Tokio war die Goldmedaille für Anna Kiesenhofer im Rad-Straßenrennen. Selbst Günther Kanzler, der seit Jahrzehnten ein absoluter Kenner der Rad-, Triathlon- und Mountainbikeszene ist, war die in der Schweiz wohnhafte Amateurfahrerin „nicht wirklich bekannt. Ich wusste nur, dass sie eine gute Zeitfahrerin ist.“ So sehr sich Kanzler, der auch Obmann des URC Langenlois mit rund 50 aktiven Sportlern ist, über Kiesenhofers Husarenritt freute, so geringe Auswirkungen erwartet er sich doch für den organisierten Amateur-Radsport. „Viele Leute fahren lieber für sich selber. Für die Vereine ist Anna Kiesenhofer nicht so ein leuchtendes Beispiel. Für uns wäre es besser, wenn sie bei einem Verein und Profi wäre.“

„Größter Konkurrent ist die Spielkonsole“

Nachwuchs hat der URC, dessen stärkste Sektion der Triathlon ist, kaum. Im Verein finde sich niemand, der sich darum umschaut, erzählt Kanzler. Außerdem kämen Anfragen nur sporadisch. „Unser größter Konkurrent ist noch immer die Spielkonsole. Für viele ist das schon Sport genug.“

URC Langenlois
Die Radsportsektion des URC Langenlois ist nicht auf Wettkämpfen präsent. Nachwuchs gibt es kaum.
URC Langenlois

Keinen Olympia-Hype spürt Eduard Holzer, der Obmann des Kremser Leichtathletikvereins. „Es ist zwar gut, dass das allgemeine Interesse geweckt wird. Aber es dauert irrsinnig lange, bis sich das auch niederschlägt.“ Der 64-Jährige bietet seit mittlerweile 37 Jahren ganzjähriges Leichtathletiktraining an, aktuell betreut er mit fünf Trainern insgesamt 80 Athleten.

Im Nachwuchsbereich gebe es stets „große Fluktuation“, durch Corona hätten aber ungleichsam viele Jugendliche aufgehört. Ein Manko, das Holzer in Krems sieht, ist die Infrastruktur, die die Ausübung technischer Disziplinen wie Diskuswerfen, in der Lukas Weißhaidinger Bronze geholt hat, nicht zulässt. „Wir haben einen Schulsport-Platz. Für Wurfdisziplinen sind wir nicht ausgelegt, außerdem haben wir auch die Trainer dafür nicht.“

Viel Zeit vor dem Fernseher verbringt momentan Magdalena Lindner. Die Sprinterin aus Gneixendorf ist neben Gewichtheberin Sarah Fischer die wohl heißeste Kandidatin aus dem Bezirk Krems für ein Olympia-Ticket 2024. Über die 100 Meter steht die Bestleistung der 21-Jährigen aktuell bei 11,33 Sekunden. „Man hat gesehen, dass diese Zeit sogar für das Halbfinale gereicht hätte. Klar, müsste ich das dann auch abrufen können. Aber mit meiner Bestleistung wäre ich gar nicht so schlecht dabei gewesen“, sagt Lindner. Sie will nun die nächsten drei Jahre hart dafür arbeiten, 2024 in Paris dabei sein zu dürfen. Als Zwischenschritt soll zuerst aber noch die Qualifikation für die Leichtathletik WM 2022 in den USA gelingen.

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