Gastronomie: Corona ist die neue Normalität . Betriebe im Bezirk Krems im Umgang mit Virus nun routiniert. Abgesagte Feste sind vor allem für ländliche Betriebe von Relevanz.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:29)
Georg Schreiber "Schreiberhaus"
„Gut im Geschäft“: Schreiberhaus-Chef Georg Schreiber ist guten Mutes. Mit etwa 24 Hochzeitsgesellschaften rechnet er für diese Sommersaison. Betriebe im ländlichen Bereich, wie etwa das Gasthaus Preiser, verzeichnen mehr Gäste, wenn lokale Feste nicht stattfinden. Personalmangel ist auch in Krems weit verbreitet.
Johannes Mayerhofer

Wurde der Spruch „Wir müssen lernen, mit dem Coronavirus zu leben“ Anfang 2020 noch als zu laxe Sichtweise getadelt, ist er nach 18 Monaten Pandemie und mehreren Lockdowns immer mehr zur Realität geworden. Das betrifft auch die Gastronomie.

„Wir beschäftigen uns nur mehr minimal mit dem Thema ‚Coronavirus‘, weil wir gemerkt haben, dass wir die Vorgänge sowieso nicht beeinflussen können“, sagt Carmen Donabaum vom Kremser „Schreiberhaus“ nüchtern. „Die vorgegebenen Regeln müssen eingehalten werden, aber darüber hinaus konzentrieren wir uns auf den Gedeih unseres Betriebes.“

„Die vorgegebenen Regeln müssen eingehalten werden, aber darüber hinaus konzentrieren wir uns auf den Gedeih unseres Betriebes.“ 
Carmen Donabaum

Was das angeht, könne sich das Schreiberhaus-Team nicht beklagen. Der Heurigenbetrieb sei mit diesem Jahr eingestellt worden, nun ist das Schreiberhaus reiner Traditionsgasthausbetrieb. „Wir hatten bisher bereits 12 Hochzeitsgesellschaften, und wir rechnen bis über den Sommer mit weiteren 12“, sagt Gasthauschef Georg Schreiber.

Auf wundersame Weise habe vor Kurzem sogar eine vierköpfige chinesische Gruppe ihren Weg ins Schreiberhaus gefunden. „Da haben wir im ersten Moment schon geschaut, das sieht man ja mittlerweile kaum mehr“, zeigt sich Donabaum amüsiert.

Auch für Gastronom Otto Raimitz ist der Ausnahmezustand schon zum Alltag geworden. Was auch immer die Entwicklungen rund um monatlich neu aufkommende Virus-Varianten bringen mag: „Die Gastronomen werden sich da flexibel zeigen müssen.“ Wer regelmäßig an einem der zahlreichen Raimitz-Betriebe vorbeispaziert, weiß: Das Geschäft läuft.

 

Hälfte der Betriebe ist auf Personalsuche

Gastro-Rebell Helmut Preiser aus Großreinprechts, zieht für die bisherige Sommersaison ein weitgehend positives Fazit. Zwar sei beim Heurigenbetrieb etwa ein Drittel weniger Gäste zu verzeichnen gewesen, dafür sei der Andrang in seiner Diskothek Apollon „sensationell“ verlaufen. „Ich befürchte aber, dass sich das in Bälde ändert und rechne wieder mit einem Einbruch von 70 bis 80 Prozent.“ Er spielt damit auf die Umwandlung der 3-G-Regel in eine 2-G-Regel an. In ein Nachtlokal darf seit vergangenem Samstag nur mehr, wer geimpft oder PCR-getestet sei.

„Wenn man den PCR-Test zur Eintrittsbedingung macht, dann muss man auch gewährleisten, dass diese Tests flächendeckend und ohne großen Aufwand erhältlich sind. Das sehe ich momentan nicht“, so Preiser. „Da sieht man wieder, dass viele politische Entscheider, und allen voran der Gesundheitsminister, wenig Ahnung von der Praxis haben.“

Hinsichtlich der „indischen“ Delta-Variante, auf die bereits 90 Prozent der Neuinfektionen zurückgehen dürften, hält es Preiser mit dem Gesundheitsexperten und ehemaligen Mitglied der Corona-Taskforce der Bundesregierung, Martin Sprenger. „Die Hospitalisierung ist ihm zufolge entscheidender als die reine Inzidenz. In Großbritannien ziehen die schweren Fälle mit Krankenhausaufenthalten etwa nicht mit der steigenden Inzidenzzahlen mit“, so Preiser. Die definitive Gefährlichkeit der Delta-Variante kann aufgrund der kurzen Bestehensdauer wissenschaftlich noch nicht abgeschätzt werden.

„Die zahlreichen japanischen und amerikanischen Gäste fehlen, aber Deutsche und Tschechen empfangen wir regelmäßig.“ Nikolaus Saahs

Nikolaus Saahs freut sich indes über die zahlreichen österreichischen Touristen, die ihren Weg in seinen Mauterner Nikolaihof finden. „Klar, die zahlreichen japanischen und amerikanischen Gäste fehlen, aber Deutsche und Tschechen empfangen wir regelmäßig.“

„Ich schupfe meinen Betrieb gemeinsam mit zwei geringfügig Beschäftigten“ Michael Pichler

Auch wenn die befragten Betriebe keinen Rückschluss auf die Gastronomie insgesamt zulassen, zeigt sich, dass etwa die Hälfte in größerem oder kleinerem Maße Personalprobleme haben, zumindest aber auf Personalsuche sind. Im Nikolaihof werden Reinigungskräfte gesucht. Preiser warte trotz massiver Werbung noch auf Bewerber für geringfügige Wochenendarbeit in der Heurigenküche. „Ich schupfe meinen Betrieb gemeinsam mit zwei geringfügig Beschäftigten“, schildert auch Michael Pichler, vom Gasthof zur Weißen Rose in Palt.

Weitere Teilzeitbeschäftigte seien kaum zu finden, da, so Pichler, da die Sozialleistungen in Österreich zu hoch seien. Die Gastronomie rangiert auf der Beliebtheitsskala der Branchen bekanntlich weit unten. Regelmäßig berichten Aussteiger von langen Arbeitszeiten, schlechter Vereinbarkeit von Job und Familie und anderen Problemen. „Von einer Ausbeutungsbranche will ich keinesfalls sprechen“, sagt Raimitz.

„Aber wenn man Mitarbeiter behalten will, muss man ihnen als Firma auch gute Sozialleistungen bieten.“ Er selbst biete seinen Angestellten Mitarbeiterzimmer, flexible Modelle für Mütter und mehr. Zum Thema Entlohnung sagt er: „Wer heute nur nach KV zahlt, dem wird kein Arbeitnehmer mehr recht lange erhalten bleiben.“

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