Krems: Lieber an Orgel als im Dienst am Altar. Oskar Frittum begann mit 17 Dienst an der Orgel. Pfarrer zu werden lehnte er dankend ab.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 18. Juni 2021 (07:37)
Abschied von Oskar Frittum
Oskar Frittum beendete seinen regelmäßigen Orgeldienst in der Pfarre Egelsee. Er wird künftig nur mehr als „eiserne Reserve“ zur Verfügung stehen.
 
Foto: Martin Kalchhauser

Als Oskar Frittum (67) in jungen Jahren von seinem Orgel-Lehrer, einem Pfarrer, gefragt wurde, ob er denn nicht Seelsorger werden wolle, antwortete er diesem: „Nein, denn dann kann ich ja nicht mehr Orgel spielen!“

Schon mit zehn Jahren nahm der in Jois (Burgenland) gebürtige Frittum Klavier-, mit zwölf Orgelstunden. In Mattersburg und Eisenstadt bekam er Unterricht, und schon mit 17 Jahren versah er Orgeldienst in Jois.

Ab 1977 Kremser, bediente er Manual und Pedal in Krems-St. Veit, Lerchenfeld und Stein, ehe Pfarrer Karl Schrittwieser den Neo-Egelseer 1982 anwerben konnte. Hier versah Frittum 38 Jahre Orgeldienst, zuerst abwechselnd mit Gerold Hörmann, zuletzt mit Josef Bröderbauer. Jetzt setzt sich der bis 1990 durch 25 Jahre als Direktor des ORG Krems tätige Pädagoge auch als Organist zur Ruhe.

Er ist auch in Zukunft bereit, für seine Nachfolgerin Gerda Maria Steininger einzuspringen, „aber ich gewinne ein Stück Freiheit zurück“. Großes Verständnis der Familie sei Voraussetzung für seine Tätigkeit gewesen. Viele Sonntage waren verplant, und wenn andere Lehrer in Oster- und Weihnachtsferien gingen, kam für den Organisten die intensive Zeit.

Pfarre und Gläubige für Orgelprojekt gewonnen

Freude macht Frittum, dass seine Arbeit geschätzt wurde. „Die Pfarrer waren gegenüber der Kirchenmusik immer sehr wertschätzend“, zieht er Bilanz. „Und immer wieder haben Messbesucher ausgeharrt, wenn ich nach dem Gottesdienst noch gespielt habe. Die Literatur wurde geschätzt.“

Eine unübersehbare Spur hinterlässt der scheidende Organist in der Pfarrkirche Egelsee: Mit viel Überzeugungsarbeit gelang es 1989, Pfarrverantwortlichen und Gläubigen die Notwendigkeit einer neuen Orgel näherzubringen. „Dieses Jahrhundertprojekt war sicher ein Höhepunkt meiner Tätigkeit in Egelsee“, freut ihn noch heute die Spendenfreudigkeit der Egelseer.