Heiligenstädter Hangbrücke: 530 Pfähle und zwei Riesen. 64-Tonnen-Bohrgeräte kommen in neuer Bauphase in Klosterneuburg zum Einsatz. Arbeiten sind im Plan.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:29)
Heiligenstädter Hangbrücke
Abteilungsleiter Hermann Papouschek ist zufrieden: „Sind im Plan.“
Wagner

530 Pfähle stützen künftig die vierspurige Straße, die derzeit noch auf der Heiligenstädter Hangbrücke aufliegt. Die Arbeiten für das Großprojekt sind voll im Gange – die ersten beiden Bauphasen konnten erfolgreich abgeschlossen werden, bilanziert die Wiener Brückenbau-Abteilung MA 29.

Was ist entlang der B 14 Richtung Bundeshauptstadt bisher passiert? Einbauten wie Strom- und Telekabel wurden umgelegt und modernisiert, neue Entwässerungsleitungen errichtet, Rand- und Gehsteige abgebrochen und Lichtsignalanlagen umgebaut. Und nachdem die innenliegende Fahrbahn asphaltiert und der Verkehr auf die Hangseite verlegt wurde, wird nun unter der Straße in den Felsen gebohrt.

„Was spektakulär aussieht, ist auch tatsächlich eine große technische Herausforderung und nicht alltäglich.“ Hermann Papouschek, Leiter für Brücken- und Grundbau

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23 Meter hoch und 64 Tonnen schwer: Derzeit ist ein Bohrpfahlgerät im Einsatz, ein zweites wird Ende Juli folgen. Parallel werden die Maschinen-Riesen die Pfähle etwa fünf Meter tief in den Felsen bohren.
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„Wir sind mit dem Fortgang der Baustelle bisher im Plan, das macht uns zufrieden, weil man ja nie weiß, was sich bei einem so umfangreichen und herausfordernden Projekt unvorhergesehen ergibt“, erklärt Abteilungsleiter Hermann Papouschek, „in der ersten Phase hat sich zum Beispiel das Umlegen der Einbauten viel komplexer erwiesen als erwartet. Der Erdaushub hat viele unbekannte Einbauten zutage gebracht, bei denen erst geprüft werden musste, ob sie noch intakt sind und gebraucht werden.“

Nach sechs Monaten Bauzeit startet die dritte Bauphase – zwei je 23 Meter hohe und 64 Tonnen schwere Bohrpfahlgeräte werden 530 Betonpfähle im Abstand von zwei bis vier Metern herstellen. Ein Geräte-Riese ist bereits im Einsatz, ein zweiter wird Ende Juli folgen. Der Brückenbau-Chef gibt einen Ausblick für die nächsten Monate: „Die kommende Bauphase schafft die Grundlage für die zukünftige Sicherheit, Haltbarkeit und Tragkraft der neuen Brücke. Was spektakulär aussieht, ist auch tatsächlich eine große technische Herausforderung und nicht alltäglich. Die Pfahlherstellung erfolgt, während wir die wichtige Verbindung zwischen Wien und Klosterneuburg für alle Verkehrsteilnehmenden offenhalten, dasselbe gilt später für den abschnittsweisen Abbruch und die Neuerrichtung.“

Heiligenstädter Hangbrücke
23 Meter hoch und 64 Tonnen schwer: Derzeit ist ein Bohrpfahlgerät im Einsatz, ein zweites wird Ende Juli folgen. Parallel werden die Maschinen-Riesen die Pfähle etwa fünf Meter tief in den Felsen bohren.
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Soweit wird es aber erst 2022 sein. Die Bohrungen – der Brückenbau-Chef rechnet mit ein bis zwei Pfählen pro Tag – dauern bis ins erste Quartal 2022. Danach erfolgt der abschnittsweise Abbruch der Kragplatte und der Randbalken, also des außenliegenden Brückenteils. Die Arbeiten sind im Zeitplan – voraussichtliches Ende: Mitte 2023.

Große Disziplin

„Bisher gab es glücklicherweise keine gröberen Zwischenfälle im Verkehr auf der Brücke und rund um die Baustelle“, lobt Peter Lenz, Baustellenkoordinator der Stadt Wien, „die Verkehrsführung im Baustellenbereich und auf der Ausweichstrecke funktioniert gut. Wir haben zahlreiche Anregungen aufgenommen und laufend optimiert. Wichtig ist hier die große

Heiligenstädter Hangbrücke
23 Meter hoch und 64 Tonnen schwer: Derzeit ist ein Bohrpfahlgerät im Einsatz, ein zweites wird Ende Juli folgen. Parallel werden die Maschinen-Riesen die Pfähle etwa fünf Meter tief in den Felsen bohren.
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Disziplin der Verkehrsteilnehmer zu erwähnen und auch die sehr gute Zusammenarbeit mit der Polizei vor Ort, beides hilft uns sehr. Wir ersuchen alle, für die es möglich ist, die Spitzenzeiten zu meiden und Bus, Bahn oder Fahrrad zu nutzen .“ Ein Appell: Die Baustelle ist schmal, der 30er dient der Sicherheit der Arbeiter .

Die Änderungen

Wie geplant bleiben weiterhin zwei Fahrspuren befahrbar. Eine Änderung gibt es für alle, die den Donauwartesteig benutzen: Linksabbiegen in Richtung Klosterneuburg ist dort aufgrund der Verkehrsführung entlang des Hanges aus Sicherheitsgründen und für die Gewährleistung eines intakten Verkehrsflusses leider nicht mehr möglich . Auch die Installation einer Ampel für die Linksabbieger ist nicht möglich, da es sonst zu massiven Verkehrsverzögerungen in beiden Richtungen kommen würde. Wer vom Donauwartesteig nach Klosterneuburg möchte, muss rechts abbiegen, bis Kahlenbergerdorf und von dort über die Kuchelauer Hafenstraße fahren . Da der Donauwartesteig eine Einbahnstraße mit Zufahrt von der B14 ist, ist eine eigene Umleitung für Anrainer nicht möglich.