Zu viel landet im Bezirk Horn im Müll. Tonnen an Lebensmitteln landen täglich im Mülleimer. Was ist die Lösung dieses Problems?

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:24)
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GVH-Obmann-Stellvertreter Wolfgang Welser, Karin Steinhauser vom soogut-Markt Horn, GVH-Geschäftsführer Georg Schmied und GVH-Obmann Franz Göd präsentierten Kochbücher zur Restlverwertung. 
Weikertschläger

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Eine traurige Erkenntnis, die auch nicht wirklich neu ist. Statistiken des Landes Niederösterreich zeigen, dass allein in unserem Bundesland täglich 166 Tonnen Lebensmittel im Abfall landen. Das entspricht einer Menge von rund 40 Kilogramm pro Einwohner im Jahr. Im Ministerrat wurde deshalb sogar für eine neue Koordinierungsstelle unter der Leitung des Umweltministeriums entschieden. Es ist ein Thema, das jeden betrifft. Auch in Horn wurde der Lebensmittelverschwendung bereits auf verschiedenste Weisen der Kampf angesagt.

Ein Kochbuch zur Restl-Verwertung

So hat der Niederösterreichische Abfallverband erst jüngst die Lebensmittelverschwendung zum Thema eines Kochbuches gemacht. Im März präsentierte der Obmann des Horner Gemeindeverbandes (GVH), Franz Göd, das Buch „Koch.Kunst“, wo sich alles um verschiedenste Ideen zur Restl-Verwertung dreht. „Es soll eine kleine Anregung von uns sein, dass man auch aus Restln noch etwas Gutes zaubern kann“, erklärt Göd. „Wenn man jetzt zum Beispiel Karotten schält, muss man die Schalen sicher nicht wegwerfen. Man kann sie waschen und genauso für eine Suppe verwenden. Auch aus Knödeln vom Vortag kann man noch wunderbarste Knödeln mit Eiern machen.“

„Die Menge der weggeworfenen Lebensmittel ist zumindest in Horn in den letzten Jahren leider Gottes weiter gestiegen.“ GVH-Obmann Franz Göd

Als Obmann des Gemeindeverbandes Horn und natürlich auch als Wirt wurde Franz Göd bereits von vielen Seiten mit dem Thema Lebensmittelverschwendung konfrontiert. „Das Wort Verschwendung alleine sagt eigentlich schon alles aus. Auch wenn es uns gerade gut geht und wir in einer Wohlstandsgesellschaft leben dürfen, sollten wir uns doch bewusst machen, dass ein voller Teller jeden Tag nicht selbstverständlich ist.“ Auch die Tatsache, dass man mittlerweile das ganze Jahr über Erdbeeren, Kiwis oder auch Weintrauben genießen kann, solle zu denken geben.

Für ein Umdenken wäre es so langsam an der Zeit, denn der Trend macht keine großen Hoffnungen auf Besserung. „Die Menge der weggeworfenen Lebensmittel ist zumindest in Horn in den letzten Jahren leider Gottes weiter gestiegen. Dafür müssen wir uns selbst an der Nase nehmen“, sagt Göd. Das Problem ist für ihn die Tatsache, dass viel zu viel eingekauft wird, aber auch übertriebene Aktionspreise und Mengenrabatte. „Da werden zehn Semmeln zum Preis von acht angeboten, aber wer braucht schon zehn Semmeln?“, fragt sich Göd. Der Grundgedanke des Sparens würde mit solchen Aktionen ad absurdum geführt, wenn die Lebensmittel danach im Müll landen.

Auch die Entsorgungspolitik der Supermärkte sei nicht sonderlich fördernd. „Wenn man da am Abend vorbeifährt, sieht man, welche Mengen eigentlich weggeworfen werden. Und da geht es garantiert um Lebensmittel, die man noch verwenden könnte“, meint Göd. Diese Ressourcen an Bedürftige weiterzugeben sei die naheliegende Lösung. „Initiativen gibt es ja glücklicherweise schon, wie durch Sozialmärkte.“

Von den bereits erwähnten Sozialmärkten gibt es im Bezirk bereits zwei, in Horn und seit November 2020 auch in Gars. Übrig gebliebene Lebensmittel werden dort einkommensschwachen Menschen zu günstigen Preisen zur Verfügung gestellt. „Die Lebensmittel, die im Soma Gars verkauft werden, kommen von der Firma Kiennast. Brot und Gebäck stammen von der Kurkonditorei Ehrenberger aus Gars“, schildert Markt-Leiterin Iris Stein. Betreut wird der Markt von der Caritas

Der Grund des Übels liege laut Göd natürlich auch am Mindesthaltbarkeitsdatum. „Das heißt ja nicht, dass man das Lebensmittel nach dem Ablaufen nicht mehr essen kann. Eine klare Abfallhochsaison gibt es auch: Weihnachten. „Ich möchte gar nicht wissen, was am 27. Dezember alles im Mistkübel landet. Es ist schon klar, dass man sich und seinen Gästen etwas gönnen will, aber man sollte sich beim Einkaufen schon Gedanken machen“, sagt der GVH-Obmann. Eher weniger als mehr sei die Devise.

Dasselbe trifft auch auf den Gastro-Bereich zu. „Ich schaue immer darauf, nur für einen Wochenbedarf einzukaufen und nicht das ganze Lager anzufüllen. Notfalls kann man sich sowieso fast jeden Tag beliefern lassen“, erklärt Göd. Wichtig sei dann auch die richtige Portionierung der Speisen. Nicht zu viel und nicht zu wenig, damit der Gast nicht hungrig das Lokal verlässt, aber auch nichts übrig lässt. Am wichtigsten ist für Göd aber, dass man schon den Kleinen den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln beibringt: „Jedes Kind sollte von Beginn an lernen, nur das zu nehmen, was man auch isst.“

„Man kann Lebensmittel ja auch einrexen“

Auch bei den Produzenten ist die Lebensmittelverschwendung ein heikles Gesprächsthema. „Wir produzieren ja nicht zum Spaß, damit unsere Produkte dann weggeworfen werden“, sagt „Seminar-Bäuerin“ Christine Bauer aus Untermixnitz. Bei ihren Kochkursen macht sie auf das Thema aufmerksam, dass alle Lebensmittel kostbar sind und Restln auch verwertet werden müssen. „Ich habe überhaupt kein Verständnis, wenn jemand etwas wegschmeißt, weil es zu viel ist oder er es einfach nicht mag“, meint sie.

Die einzige Lösung auch für Christine Bauer ist: „Jeder muss sich vor dem Einkaufen die Frage stellen, wie viel man wirklich braucht.“ Auch ein Speiseplan für die ganze Woche sei eine gute Idee, um unnöige Abfälle zu reduzieren. „Was dann wirklich über ist, kann man einfrieren. Zudem kann man Lebensmittel oft einrexen.“ Ein genauer Plan, wie man die eigene Ernährung gestaltet, sei also der Schlüssel zum Erfolg, der dafür sorgt, dass die Müllberge vielleicht in Zukunft auch mal wieder kleiner werden.

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