"Wir wollten wieder einmal einen Nestroy spielen". Das Lastkrafttheater reist mit einem Arge-LogCom-LKW zu den malerischsten Plätzen Nie­der­öster­reichs und spielt Theater. Gratis. Am 17. Juni (19 Uhr) macht es mit dem Nestroy-Stück "Höllenangst" am Retzer Hauptplatz Station. Die NÖN sprach mit den Initiatoren David Czifer und Max Mayerhofer.

Von Sarah Marie Piskur. Erstellt am 14. Juni 2021 (06:28)
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Das Lastkrafttheater gastiert seit 2013 in Retz - am 17. Juni wieder.
Usercontent, Nikolaus Similache

NÖN: Regisseurin Nicole Fendesack ist durch andere Inszenierungen, wie Shakespeare in Mödling, durchaus bekannt. Wie kam die Zusammenarbeit mit dem Lastkrafttheater nun zustande?

Czifer: Nicole Fendesack kennen wir alle schon seit mehreren Jahrzehnten. Vor sieben Jahren haben wir sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, die Regie am Lkw zu übernehmen, die durchaus komplex ist. Sie hat ein wunderbares Gespür für Pointen und Timing und wir sind sehr froh, dass sie Teil unseres Teams ist und dass sie immer wieder für eine turbulente und zwerchfellerschütternde Inszenierung sorgt.

In Retz wird regelmäßig Theater gespielt, die Inszenierungen im Erlebniskeller sind als Highlights bekannt. Warum sollten sich Besucherinnen auch ihr Theater nicht entgehen lassen?

Mayerhofer: Retz ist seit der Gründung des Lastkrafttheaters 2013 dabei, wir freuen uns immer, wenn wir auf dem wunderbaren Hauptplatz auftreten können. Wir sind mit dem Lastkrafttheater also seit mehr als neun Jahren fixer Bestandteil der Stadt Retz, also schon lange, bevor es das Theater im Retzer Erlebniskeller gab. Wir freuen uns, dass wir uns bereits einen großen Fanclub erarbeiten konnten.

Was macht das Lastkrafttheater so besonders?

Mayerhofer: Spielen auf dem Lkw hat ein ganz eigenes Flair und gibt einem die Möglichkeit, wie zu Nestroys Zeiten mit dem Publikum eine eigene Verbindung einzugehen und auch die Passanten in das Spiel einzubeziehen. Bei uns sind am Ende der Vorstellung immer mehr Menschen da als am Beginn.

Czifer: Es ist ein interaktiveres Spiel als in einem herkömmlichen Theater! Für uns ist es einfach wunderbar, Leute zu unterhalten, sie aus dem Alltag herauszureißen und ihnen ein Lachen ins Gesicht zu zaubern!

Der Besuch der Vorstellung ist kostenlos. Wie finanziert sich das Lastkrafttheater? 

Czifer: Der Eintritt ist dank unserer Unterstützer, wie dem Land NÖ und der Fachgruppe für das NÖ Güterbeförderungsgewerbe, der Arbeiterkammer NÖ und der Wirtschaftskammer NÖ, frei und wir laden alle zu einem entspannten, humorvollen Abend unter Sternen ein.

In diesem Jahr wird das Stück "Höllenangst" von Johann Nepomuk Nestroy aufgeführt. Wie wurde das Stück ausgewählt und warum genau dieses?

Mayerhofer: Es ist ein sehr unterhaltsames Stück, das aber auch sozialkritisch ist. Wir haben es ausgesucht, weil wir wieder einmal einen Nestroy spielen wollten und sich das Stück besonders gut für unsere ungewöhnliche Bühne eignet.

Czifer: Es ist eine turbulente Komödie, die aber auch auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam macht. Auf der Flucht nach einem nächtlichen Stelldichein mit seiner Geliebten Adele steigt der junge Oberrichter von Thurming bei der armen Schusterfamilie Pfrim ein und wird von Wendelin, dem Sohn des Hauses, für den leibhaftigen Teufel gehalten. Wendelin geht einen Pakt mit dem vermeintlichen Teufel ein und wird eben fortan von „Höllenangst“ getrieben!

Mayerhofer: Für uns ist es wichtig, die Leute zu unterhalten und unserem Publikum einen lustigen Abend bei freiem Eintritt bieten zu können. Deswegen wollen wir immer Komödien spielen, es müssen laute und turbulente Stücke sein, die am Lkw gut ankommen. Wir sind der Meinung, dass unser Publikum in diesen komplizierten Zeiten bei uns seine Probleme vergessen möchte und herzhaft lachen will.