Bezirk Hollabrunn im Banne der fünf Ringe. Mit durchwegs großem Interesse verfolgen Vertreter lokaler Sportvereine im Bezirk Hollabrunn die olympischen Wettkämpfe.

Von Peter Sonnenberg und Christoph Reiterer. Erstellt am 04. August 2021 (05:14)
Benjamin Schneider vom JSC Hollabrunn
Ins Visier genommen. Benjamin Schneider vom JSC Hollabrunn ist einer der besten Weinviertler Schützen in der olympischen Trap-Disziplin.
privat

Sie sind das größte Sportereignis der Welt, die Olympischen Spiele. Heuer finden sie um ein Jahr verspätet im japanischen Tokio statt und bescherten Österreich bisher einen unerwarteten Medaillenregen. Fünfmal Edel metall (Stand Dienstagfrüh) gab es bisher für die rot-weiß-roten Athleten. Wie unsere Top-Sportler der Region die Spiele verfolgen, was sich unsere Vereine von einem möglicherweise gesteigerten Interesse erhoffen und was sie ärgert: Wir haben uns in einigen Sportarten umgehört.

Schützensport

Herwig Schneider, Obmann des Schützenvereins JSC Hollabrunn, glaubt an einen Boom nur bei gewissen Sportarten: „Für Judo oder Ballspiele trifft das sicher zu. Hier gibt es viele Einstiegsmöglichkeiten und zum Beginn braucht man kaum Ausrüstung. In unserem Sport brauche ich zumindest ein Gewehr und das Training ist nicht sehr billig.“ Er wirft noch einen interessanten Aspekt des traditionellen Schießsports in den Raum: „Gerade als Wurfscheibenschütze brauchst du Geduld und der Erfolg stellt sich erst nach einigen Jahren ein. In unserer schnell lebigen Zeit will aber kaum jemand die Anstrengungen lange auf sich nehmen.“

„Wer langfristig dranbleibt und weiter akribisch daran arbeitet besser zu werden, wird früher oder später belohnt.“ Triathlet Julian Sponner aus Hadres sieht die Olympischen Spiele auch als Lebensschule.

Schneider schaut sich mit der ganzen Familie – auch Frau Petra sowie die Söhne Benjamin und Florian sind Top-Schützen – die Liveübertragungen ihrer Sportart an, allerdings stößt ihm einiges an der Übertragung sauer auf: „Leider ist das Fernsehen kaum in der Lage, die Faszination unseres Sports zu vermitteln. Auch die Technik hinkt hinterher, es fehlen Nahaufnahmen und Zeit lupen. Diesen Aufwand will sich bei einer Randsportart keiner antun“, hadert der Hollabrunner. „Und die Kommentatoren sind auch überfordert.“

Ausdauersport

Der Medaillen-Bonus fällt in der Sportart von Julian Sponner aus Hadres zwar weg, der Triathlet hofft als begeisterter Ausdauersportler aber, dass Anna Kiesenhofers Goldmedaille im Straßenrennen den Damen-Radsport pusht.

Er selbst verfolgte alle Triathlonbewerbe live, nur die Mixed-Staffel erst im Nachhinein. „Die hat um 0.30 Uhr unserer Zeit begonnen und ich hatte am nächsten Tag selbst einen Triathlon“, erklärte er lachend. Der 22-Jährige kann von den Bewerben, die für die österreichischen Starter nicht optimal verliefen, einiges mitnehmen: „Wer langfristig dranbleibt und weiter akribisch daran arbeitet, besser zu werden, wird früher oder später belohnt. Ich bin der Meinung, diese Einstellung kann man auch gut auf das Leben übertragen.“

Volleyball

Der sportliche Leiter der UNIONvolleys Bisamberg/Hollabrunn, Simon Tribelnig, ist davon überzeugt, dass die Olympischen Spiele Interesse für Sportarten wie Volleyball wecken können und den Vereinen Zuläufe bringen. Für ihn ist aber klar: „Wichtig wäre, dass sich die Sportarten auch selbst, zum Beispiel durch Welt- oder Europameisterschaften, gut vermarkten. Ich denke, im Volleyball sind wir dabei auf einem guten Weg. Wir sind jedoch erst am Anfang.“

Da es im Volleyball sowie im Beachvolleyball heuer keine österreichischen Starter gibt, steht für Tribelnig jedoch in dieser Hinsicht die Beachvolleyball-Europameisterschaft in Wien im Fokus. Trotzdem verfolgt er die Olympischen Spiele gerne, wenn er Zeit dazu findet. Dabei fiel ihm bei den Volleyballbewerben besonders auf: „Es setzt sich immer mehr das athletische Power-Volleyball durch. Das ist nicht überraschend und bestätigt unseren athletischen, aggressiven Ausbildungs- und Spielstil im Verein.“

Auch von anderen, kleineren Sportarten schaut sich Tribelnig gerne etwas ab. Eine der wenigen Medaillenentscheidungen, die er live mitverfolgen konnte, war das Diskuswerfen der Männer, das eine Bronzemedaille für den Oberösterreicher Lukas Weißhaidinger brachte.

Handball

Als echter Olympiafan outet sich auch UHC-Manager Gerhard Gedinger: „Ich schaue quer durch die Bank, aber vor allem natürlich Handball und Leichtathletik.“ Wer sein Favorit in seiner Sportart ist? „Die üblichen Verdächtigen Dänemark oder Frankreich, aber mein Geheimtipp – zumindest auf eine Medaille – ist Deutschland.“

Ganz generell sei aber eine Prognose bei Herren und Damen schwierig, weil die Dichte aufgrund der begrenzten Zahl an Startplätzen extrem hoch sei.

Radsport

Othmar Ruby, Obmann des Radsportclubs Hollabrunn, muss noch immer schmunzeln, wenn er daran denkt, wie Anna Kiesenhofer im Straßenrennen ihren Gegnerinnen entschwinden konnte. „Eine totale Überraschung. Sie wurde nicht ernst genommen“, meint er und gibt zu, die rot-weiß-rote Athletin zuvor auch nicht gekannt zu haben. Auffällig sei jedenfalls, dass in Österreich nun die gesamte Organisation rund um die Olympischen Sommerspiele besser zu funktionieren scheint. Das sei ein Verdienst von Peter Schröcksnadel, meint Ruby, und mache sich bezahlt.

Die Motivation, mit dem rund 70 Mitglieder starken RSC Hollabrunn nun durchzustarten, ist jedenfalls groß. Am 1. September soll es das erste Clubtreffen auf der Ski-Hütte am Fahndorfer Berg geben.

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