Zu viel Zeit vorm Bildschirm: Augenarzt im Gespräch. Michael Radda über Prophylaxe, drohende Kurzsichtigkeit und die erste Laser-Erfahrung.

Von Sandra Frank. Erstellt am 30. Juli 2021 (04:17)
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Michael Radda in seiner Hollabrunner Praxis. Der erfahrene Mediziner gilt in der Augenheilkunde als Pionier.
Sandra Frank

Das menschliche Auge ist auf das Lesen sowie auf den Blick in die Ferne ausgerichtet. Durch Homeoffice und Distance-Learning hat die Zeit vor den Bildschirmen zugenommen. Die NÖN sprach mit dem Hollabrunner Augenarzt Michael Radda darüber, was das mit unserem Auge macht.

„Man vergisst auf den Wimpernschlag“, sagt der Mediziner. Das Auge wird trocken. Wer viel Zeit vor einem Computerbildschirm verbringt, der sollte seine Augen zwischendurch eintropfen, „aber mit Augentropfen ohne Konservierungsmittel“, mahnt der Arzt. Und: „Kontaktlinsenträger müssen das unbedingt tun.“

In Südostasien werde bereits vermehrte Kurzsichtigkeit bei Kindern beobachtet, die in Zusammenhang mit der Bildschirmarbeit zu sehen ist. Diese Entwicklung werde auch Europa und somit Österreich ereilen, ist der Experte sicher. „Es gibt Spezialbrillen, um die Kurzsichtigkeit aufzuhalten“, erklärt Radda. Versuche mit Augentropfen gebe es ebenfalls. Wichtig sei aber auch, so der Universitätsprofessor: „Kinder sollen sich mindestens zwei Stunden pro Tag im Freien aufhalten – ohne Handy und Computer.“

Radda führt seine Ordination am Hollabrunner Koliskoplatz seit etwa 30 Jahren. „Ich bin voll aktiv und operiere immer noch viel“, sagt der Mediziner. Obwohl er auch Ordinationen in Wien hat, ist er gerne in Hollabrunn tätig. Nicht nur, weil dies seine Heimatstadt ist, sondern: „Die Hollabrunner sind besonders dankbar, das merk’ ich immer wieder.“

„Ich bin einer der letzten Allrounder“

Im Gespräch mit dem Mediziner wird deutlich, dass er über enormes Fachwissen verfügt. „Ich weiß in vielen Fachgebieten so viel wie die Spezialisten. Ich bin einer der letzten Allrounder“, sagt Radda, der in seiner Laufbahn am Auge so ziemlich alles operiert hat, was man operieren kann – von der Netzhaut bis zur Hornhauttransplantation.

Auf dem Gebiet der Fehlsichtigkeit war Radda ein Pionier: 1993 war er der erste in Österreich und europaweit der dritte Arzt, der Kurzsichtigkeit mit einem Laser korrigiert hat. „Es ist eigentlich eine ganz einfache Sache, wenn die Logistik stimmt und konzentriert vorgegangen wird“, erzählt er, wie mit dem Laser die Hornhaut des kurzsichtigen Auges korrigiert werden muss. „Mich hat es einfach sehr interessiert, darum bin ich damals nach New York gefahren“, erinnert er sich knapp drei Jahrzehnte zurück. In den USA erlernte er das Lasern und brachte die Methode nach Österreich. War er vor seiner ersten Laseroperation nervös? „Ich war sicher aufgeregt. Aber die Patienten waren so fest entschlossen, das zu machen, das hat ausgereicht“, erzählt der ehemalige Präsident der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft schmunzelnd.

„Nicht warten, bis man Beschwerden hat“

Der Graue und der Grüne Star beschäftigen den Augenarzt besonders. Der Grüne Star, auch bekannt als Glaukom, sei sehr gefährlich. „Er zeigt keine Symptome“, klärt der Mediziner auf. Darum sei es sehr wichtig, ab dem 40. Lebensjahr einmal im Jahr einen Augenarzt aufzusuchen; wenn Glaukom-Fälle in der Familie bekannt sind, auch früher. „Man darf nicht warten, bis man Beschwerden hat“, mahnt Radda.

Der Grüne Star führt bis zur Erblindung. Und alles, was man an Sehvermögen bereits eingebüßt hat, bleibe verloren. Darum ist es wichtig, bei Untersuchungen immer den Augendruck messen zu lassen. Wird rechtzeitig reagiert, kann der Grüne Star mit Augentropfen oder operativ behandelt werden.

Der Graue Star sei hingegen ungefährlich. Die Augenlinse werde langsam getrübt. „Man kann hier aber nichts versäumen. Der Graue Star kann gut operiert werden.“

Ein weiteres „heißes Thema“ der Augenheilkunde sei die Netzhautverkalkung. Diese trete besonders bei älteren Menschen auf. Hier unterscheidet der Fachmann zwischen der trockenen und der feuchten Form. Wie sich eine Netzhautverkalkung bemerkbar macht? „Man erleidet einen Gesichtsfeldausfall in der Mitte“, erklärt Radda. Das bedeutet, dass der Betroffene das Lesevermögen verliert und Bilder verzerrt sieht. Bei der feuchten Form, die eher rasch voranschreitet, hilft nur eines: eine Spritze in den Glaskörper des Auges. Anders verhält es sich bei der trockenen Form. Hier kann der Fortschritt mit Medikamenten verlangsamt werden.